Internationale Presseschau vom 28.4.2009
GM-Konzept: Klassischer Fehlstart

Die internationale Wirtschaftspresse übt umfangreiche Kritik am GM-Sanierungsplan. Der Economist bescheinigt Deutschland einen nicht funktionierenden Energiemarkt. Cinco Días berichtet über eine prosperierende Hotelkette in Zeiten der Krise. Der Business Spectator beschuldigt Timothy Geithner der Plattitüden. Fundstück: Überlebenstraining für Weißhemdenträger.

„Das Gaspedal durchzutreten und gleichzeitig auf die Bremsen zu gehen, macht zwar eine Menge Lärm, bringt den Fahrer aber nirgendwohin“, beschreibt das Wall Street Journal die Wirkung des jetzt von General Motors vorgelegten Sanierungskonzepts. GM habe einiges bewegt in jüngster Zeit, doch nun mache es sich abhängig von Anleihegläubigern, die ihre Papiere gegen Geld eintauschen sollen, gegen Aktien eines neues GM. „Unter dem aktuellen Plan könnte die Nettoverschuldung des Konzerns nach Einschätzung von Barclays Capital bis 2013 auf 48 Milliarden Dollar wachsen. Geht man optimistisch davon aus, dass GM in diesem Jahr ein EBITDA von 15 Milliarden Euro schafft und setzt dann das Fünffache als Wert des Unternehmens an (75 Milliarden Dollar), käme man beim Stammkapital auf 27 Milliarden Dollar. Auf dieser Basis erhielten die Anleihegläubiger mit den neuen GM-Aktien zehn Cent pro Dollar ihrer Forderungen.“ Doch die Unsicherheit sei groß: „Geht man beispielsweise von einem EBITDA von nur zwölf Milliarden Euro aus und dem vierfachen Unternehmenswert, wären die Aktien schon wertlos.“ Die Anleihegläubiger befänden sich dann in der Rolle von Minderheitsaktionären, in einem „seltsamen Biest, das von Washington und Gewerkschaftsmitgliedern kontrolliert wird“. Dieser Plan wirke einfach wie ein klassischer Fehlstart. „Doch wenn er scheitert, kann die US-Regierung wenigstens sagen, dass GM es versucht hat.“ Das Angebot von GM an seine Schuldner finden sie hier.

Auch wenn der Sanierungsplan von GM der nahe liegende und Erfolg versprechende sei – der Konzern habe noch eine Menge Schlaglöcher, Haarnadelkurven und Geröll auf seinem Weg zu passieren, gibt das Barron’s Magazine zu Bedenken. „Immerhin müssen die Anleihegläubiger mit ihren zusammen 28 Milliarden Dollar überzeugt werden, diese in Aktien umzuwandeln. Wenn dieser Deal klappt, würden die US-Regierung und die Gewerkschaft United Auto Workers zusammen rund 89 Prozent des allgemeinen Stammkapitals halten.“ Doch es genügten schon zehn Prozent unwilliger Gläubiger, um die Transaktion platzen zu lassen: „So gibt es Gläubiger, die credit-default swaps – Kreditderivate zum Handeln von Ausfallrisiken – halten, eine Investition, die im Falle einer Insolvenz einen viel höheren Wert hat.“ Auch könne es Gläubiger geben, die sich gegenüber der Regierung und der Gewerkschaft benachteiligt fühlen. „Und schließlich stellt sich auch die Frage, wie viel GM dann noch wert ist – ein Konzern, der den Nimbus des größten Automobilherstellers aufgibt und künftig weniger als zehn Millionen Autos pro Jahr produziert: Nur die Gläubiger werden diese Frage beantworten können.“

„Jede Regierung bekommt den Rettungsplan, den sie verdient“, kommentiert die Financial Times Deutschland das Sanierungskonzept. Aus seiner Sicht handele der taumelnde Autogigant nur konsequent: Den Gläubigern anzubieten, ihre Anleihen in GM-Aktien umzuwandeln, sei im Grunde der richtige Weg, denn nur wenn Anleihegläubiger und Gewerkschaften weiter gehende Zugeständnisse machten, habe der Detroiter Konzern eine Chance. Doch im Zuge dessen würde GM gleich mehrheitlich in den Besitz seines größten Kreditgebers übergehen: dem US-Staat. „Der Schuldenumtausch würde damit automatisch zu einer Überlebensgarantie für GM – und zum Horrorszenario für den amerikanischen Steuerzahler und die Regierung.“ Denn von einer Regierung, der die Mehrheit des größten Autoherstellers des Landes gehöre, sei kaum zu erwarten, dass sie faire Rahmenbedingungen für die Branche setze, das seien düstere Aussichten für Wettbewerber wie Ford oder ausländische Hersteller. Die Gewerkschaften zu nötigen Einschnitten wie Werksschließungen zu bewegen, sei außerdem für keinen Eigentümer schwieriger als für den Staat. Anderen Not leidenden Großbetrieben könne die Regierung schließlich kaum noch erklären, warum sie sich nicht für Staatshilfen qualifizieren. GM-Chef Fritz Henderson habe sich bei der Vorstellung seiner Pläne als Realist bezeichnet. „Er stellt sich offenbar auch schon auf ein Insolvenzverfahren ein. Obama sollte ihn diesen Weg gehen lassen.“

Seite 1:

GM-Konzept: Klassischer Fehlstart

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%