Internationale Presseschau vom 28.5.2009
„Insolvenz wäre das Beste für Opel"

Die internationale Wirtschaftspresse lotet die Perspektiven einer Insolvenz von Opel und GM aus: Dies ermögliche einen Neuanfang ohne Altlasten und Trost für Tausende Juristen. Expansión applaudiert dem Tod von Abbey, Alliance & Leicester und Bradford & Bingley. Der Business Spectator lobt Australiens Wirtschaft. Fundstück: (VW) Rettet die Händler.

Auch nach dem Nacht-Gipfel zur Rettung von Opel zeichnet sich noch keine Lösung für den deutschen Autobauer ab. Während General Motors in die Pleite rast, ist es der Bundesregierung nicht gelungen, eine Brückenfinanzierung für Opel hinzubekommen. Gleichwohl ist der erste Schritt gestern getan worden: General Motors hat die europäischen Werke, Patente und den Zugriff auf Technologien schuldenfrei auf die Adam Opel GmbH übertragen.

Die Financial Times berichtet von der wachsenden Angst, dass Deutschland eine zu große Rolle bei der Entscheidung zum Schicksal von GM Europa spielen könnte - in Deutschland sei rund die Hälfte des europäischen GM-Zweigs angesiedelt. Vor diesem Hintergrund habe die EU-Kommission ein Treffen aller Minister von EU-Ländern, die ein eigenes Interesse an der Zukunft von Opel und Vauxhall haben, angesetzt. Der belgische Premier Herman van Rompuy habe in einem Brief an die EU-Kommission davor gewarnt, eine auf nur ein Land fokussierte Lösung für das europäische Unternehmen zu wählen. Wer auch immer am Ende den Zuschlag für den Kauf der Opel- und Vauxhall-Betriebe bekomme, müsse sich auf große Verluste in diesem Jahr einstellen, so die FT. Aus einem im April an die Kaufinteressenten verschickten Dokument gehe hervor, dass GM von einem Verlust vor Steuern und Zinsen von drei Milliarden Dollar in Europa ausgehe.

Im Gespräch mit dem Manager Magazin spricht sich der führende Insolvenzrechtler Hans Haarmeyer für ein Insolvenzverfahren von Opel aus. Opel stünde besser da als das insolvente schwedische Schwesterunternehmen Saab. Außerdem könne eine Insolvenz - wie das Beispiel Sinn-Leffers zeige - sehr schnell wieder vorbei sein. In den USA sei der Umgang mit dem Thema Insolvenz entspannter. "Die US-Regierung erweist sich dadurch auch als handlungsfähiger. Sie kann ohne die Gemengelage, die bei uns durcheinander geht, eine Sachentscheidung treffen: Wie kann das Unternehmen, das Milliarden an Steuergeldern erhält, am besten für die Zukunft aufgestellt werden?" Nicht nur für Opel, sondern auch GM sei die Insolvenz der beste Weg. "GM kommt nicht wieder auf die Beine, wenn sie nicht aus ihren Pensionsaltlasten und aus ihren Tarifverträgen herauskommen, aus allem, was sich in den letzten 30 Jahren als Speckbauch angesammelt hat. Die Insolvenz ist der beste Weg, sich von Altlasten zu befreien und mit einem neuen Unternehmen, das die gesunden Teile aufnimmt, wieder auf den Markt zu treten - so, wie es die Luftfahrtbranche in Amerika nach der Jahrtausendwende gezeigt hat."

Die Neue Zürcher Zeitung glaubt, dass Opel, trotz aller Beschwichtigungen von Politikern, ohne staatliche Hilfe die Insolvenz drohe - die die Politiker in einem Wahljahr jedoch unter keinen Umständen zulassen wollten. Dies führe dazu, dass mögliche Interessenten sich ganz auf den Staat verlassen könnten und kaum eigenes Geld riskierten - und der Steuerzahler am Ende Milliarden verliere, falls der Opel-Umbau scheitere. Außerdem erinnert das Schweizer Blatt daran, dass Bundeskanzlerin Merkel noch Ende März gesagt habe, Opel sei für die Volkswirtschaft nicht "systemrelevant". Und tatsächlich bräche Deutschland bei einer Opel-Insolvenz nicht zusammen. "Gestärkt würden stattdessen Marken wie VW. Opel erfüllt nicht einmal die weiche Bedingung des ,Deutschlandsfonds'."

Im Kommentarteil des Wall Street Journal klagt ein pensionierter Arbeiter über die Art und Weise, wie GM und die US-Regierung mit den Besitzern von Unternehmensanleihen umgehe. Nachdem er selbst sich 2005 für 91.000 Dollar mit Anleihen eingedeckt habe, sei nun angesichts der Krise des Unternehmens sein Lebensstandard in Gefahr. Hinzu komme, dass die Anleiheinhaber nun als Wegbereiter und Ursache für die verhinderte Umstrukturierung an den Pranger gestellt würden. "Die US-Regierung hat Milliarden Dollar Steuergeld ausgegeben, um Firmen zu stabilisieren und das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen. Wie könnten die Investoren in dieser Situation zuversichtlich sein, wenn sie in Gefahr sind, am falschen Ende des Regierungs-Stocks zu enden?" Verstörend sei besonders, dass die GM-Pensionäre bei den Restrukturierungsplänen der Regierung gegenüber den Bondholders bevorzugt würden. "Obwohl wir als Hürde gebrandmarkt wurden, sind wir die eigentliche Lösung. Unsere kontinuierlichen Investitionen bei US-Firmen sind entscheidend für eine wirtschaftliche Gesundung."

Die Börsen-Zeitung schreibt, dass die absehbare Pleite von GM Trost für Abertausende Juristen in New York und weit darüber hinaus spende - ihnen winkten zig Millionen an Honoraren. Allein bei Lehman habe Weil Gotshal für drei Monate Arbeit rund 55 Millionen Dollar in Rechnung gestellt. "Mit den weltweiten Aktivitäten von GM dürften genug Anwälte auf dem Globus ihr Stück vom Kuchen abbekommen. Alle Beteiligten - Staaten, Gläubiger, Distressed-Investoren, Beschäftigte, Händler etc. - benötigen Rechtsbeistand, wenn es um die Teilung in einen überlebensfähigen GM-Teil und einen zum Sterben verurteilten geht."

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