Internationale Presseschau vom 28.7.2009
Deutsche Bank: Unappetitlicher Zweikampf

Die internationale Wirtschaftspresse blickt mit Spannung auf die heute stattfindende Aufsichtsratssitzung bei der Deutschen Bank. BusinessWeek mag trotz guter Zahlen keine Entwarnung für den US-Immobilienmarkt geben. Forbes fordert die Zerschlagung von Goldman Sachs & Co. Die Business Times gratuliert mutigen Anlegern. Fundstück: Boris Johnson stöbert in Lagerhäusern.

"Die Finanzkrise ist endgültig vorbei!", schlussfolgert die Börsen-Zeitung vor der heutigen Aufsichtsratssitzung bei der Deutschen Bank. Denn anders sei kaum zu deuten, dass an der Spitze des Finanzinstituts zwei Männer anscheinend keine größeren Probleme haben als jenes, wie sie sich gegenseitig zerstören könnten. Der Konflikt sei eindeutig eskaliert - und habe unappetitliche Formen angenommen. Die jüngsten Verlautbarungen in der Öffentlichkeit und auf ungeklärtem Wege veröffentlichte Dokumente erweckten den Eindruck, dass einer der beiden eine "diabolische Inszenierung" auf die Bühne bringe, die den Abschuss des anderen zum Ziel habe. Zwar sei dieser Eindruck nicht richtig, doch derartige Feinheiten würden mindestens einem der Beteiligten nicht mehr helfen: "So erbittert, wie die Matadore sich bekriegen, bleibt bestenfalls die Highlander-Lösung: Es kann nur einen geben." Wenn es dumm laufe, gehe in den Frankfurter Highlands aber sogar ein Zweiter mit, "wiewohl heutige Vorstandsmitglieder, soweit bekannt, nicht in die anrüchigen Aktivitäten verstrickt oder auch nur darüber informiert waren."

Die WirtschaftsWoche zieht nach dem Zwischenbericht der Deutschen Bank zur Spitzelaffäre eine nüchterne Bilanz: Er lasse bei den Beteiligten noch Fragen offen. "So hat die Bank dem Leiter der deutschen Konzernsicherheit und dem Chef der Investor-Relations-Abteilung fristlos gekündigt, obwohl es nur bei den beauftragten Detekteien Anhaltspunkte für direktes Fehlverhalten gebe." Beide hätten ihre Kompetenzen überschritten, heiße es im Umfeld der Bank. Konzerninsider bezweifeltn dies und hielten die Betroffenen für "Bauernopfer". Es halte sich das Gerücht, der Bericht solle den Aufsichtsratschef Clemens Börsig beschädigen, der als Ackermann-Gegner gelte. Die Ermittlungen des Regierungspräsidiums in Darmstadt und der Staatsanwaltschaft Frankfurt liefen, ein Ergebnis werde in drei Wochen erwartet. Unabhängig davon laufe die Sonderprüfung der Finanzaufsicht BaFin.

Die Financial Times Deutschland erwartet auf der heutigen Aufsichtsratssitzung einen Showdown, der der Karriere von Aufsichtsratschef Clemens Börsig einen "tiefen Knick" verleihen könnte. Bislang habe er an seinem einflussreichen und prestigeträchtigen Posten festhalten können, und auch sein öffentliches Mitteilungsbedürfnis halte sich in Grenzen: "Obwohl er seit Monaten dem medialen Trommelfeuer ausgeliefert ist, tut er selbst nichts, um sich zu rechtfertigen." Er kämpfe nicht öffentlich um seine Ehre oder lege seine Sicht der Dinge dar, er strafe seine Kritiker mit Nichtbeachtung. Nun aber komme die Spitzelaffäre hinzu, seine Verwicklung darin müsse er heute erklären. "Von dem Institut selbst kann er keine Rückendeckung erwarten: Sein Verhältnis zu Ackermann gilt als gestört."

Seite 1:

Deutsche Bank: Unappetitlicher Zweikampf

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%