Internationale Presseschau vom 29.10.2009
Oppenheim-Deal deutet Fusionswelle an

Die internationale Wirtschaftspresse bilanziert die Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank – der Anfang eines Übernahme-Reigens in Europa? Les Echos glaubt, dass Wolfgang Schäuble als Finanzminister unbequem für Angela Merkel werden könnte. Laut Cinco Dias sind die Opelaner in Spanien erleichtert. Fundstück: Arnies verschlüsselte Rache.
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Mit dem Rückkehr der Profite komme Bewegung in den europäischen Bankenmarkt, stellt die französische Wirtschaftszeitung La Tribune fest. Die Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank sei nur der Anfang eines Übernahme-Reigens, der, begünstigt durch die Auflagen der europäischen Kommission, die Bankenlandschaft verändern werde. Um wieder mehr Wettbewerb in den geschrumpften britischen Bankensektor zu bringen, erwäge die britische Regierung beispielsweise, aus den in Staatseigentum übergegangenenen Banken drei neue Institute hervorgehen zu lassen. Konkret sei geplant, die großen britischen Banken im Bieterverfahren um die zum Verkauf stehenden Teilbereiche der Northern Rock, der Royal Bank of Scotland und der Lloyds Banking Group auszuschließen. Dabei könnten neue Markteilteilnehmer wie Tesco oder Virgin Money zum Zug kommen, die ihrerseits bestrebt seien, im Bankenmarkt Fuß zu fassen.

Die Börsen-Zeitung beschreibt die Lage bei Oppenheim als „dramatisch“. Wenn eine Bank, die im August ein Eigenkapital von 2,1 Milliarden Euro ausgewiesen habe, jetzt für eine Milliarde Euro – also zu einem Preis-Buchwert-Verhältnis deutlich unter 0,5 – über den Tisch gehe, dann sei damit über die Verfassung des Kaufobjekts fast alles gesagt. Vor diesem Hintergrund sei die Verhandlungsposition der mit dem Rücken zur Wand stehenden Oppenheimer schwach gewesen. Dem stehe jedoch ein Drohpotenzial auf der Oppenheim-Seite gegenüber: Die Deutsche Bank hätte als größter Finanzier der Einlagensicherung bei einer Pleite der Kölner „einen schweren Schlag abgekriegt“.

Aus Sicht der Financial Times Deutschland steht die schwierigste Aufgabe für die Deutsche Bank noch bevor: die Integration von Oppenheim. So mancher Oppenheim-Kunde werde die Nase darüber rümpfen, künftig von einem Megakonzern betreut zu werden. Die Frankfurter müssten sich überlegen, wie viel Oppenheim sie behalten wollten und wie viel sie lieber loswerden sollten. Beim Spitzenpersonal rät die FTD, sich vom bisherigen Bankenchef Matthias Graf von Krockow, der Sal. Oppenheim mit halsbrecherischen Geschäften in die Krise gestürzt habe, zu trennen; den zweiten Mann der Bank, Christopher Freiherr von Oppenheim, werde man dagegen schon wegen des guten Familiennamens behalten müssen. Für die Deutsche Bank sei es außerdem sinnvoll, mehr Eigenkapital aufzubauen. „Denn Übernahmen wie die von Oppenheim zehren am Kapital. Zudem werden die gesetzlichen Anforderungen mittelfristig steigen. Die Gelegenheit, frisches Geld aufzunehmen, ist derzeit günstig. Warum also noch warten?“

Das Manager Magazin sammelt Reaktionen zur Übernahme von Sal. Oppenheim unter der unabhängigen Privatbanken. Bei den „einschlägigen Adressen“ in Hamburg und Frankfurt sei weniger Schadenfreude als viel mehr Schadensbegrenzung angesagt. „Das Geschäftsmodell der Privatbanken ist angesichts dieser Vorkommnisse viel erklärungsbedürftiger geworden“, zitiert das Manager Magazin einen Insider. Da viele Oppenheim-Kunden ihr Geld höchst illiquide angelegt hätten, sei eine schnelle Flucht von der künftigen Deutsche-Bank-Filiale zur Konkurrenz gar nicht möglich – und somit nicht mit starken „Kannibalisierungsgewinnen“ zu rechnen. Gleichwohl zeigen sich Privatbanker wie die Berenberg Bank, Metzler oder Hauck & Aufhäuser teilweise optimistisch, weil die Finanzkrise verstimmte Großbankkunden in ihre Reihen lotsen würden.

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