Internationale Presseschau vom 29.5.2009
Opel steuert auf Lose-Lose-Situation

Die internationale Wirtschaftspresse blickt auf die US-Autoindustrie nach einem GM-Insolvenzverfahren und untersucht, was für deutsche Politiker im Wahljahr auf dem Spiel steht. Bloomberg verfolgt zwei Fälle von Insiderhandel bei der US-Börsenaufsicht. El Economista sieht Hansenet kurz vor der Übernahme durch Telefónica. Fundstück: Pillenposse um Heino.

Die britische Financial Times gibt ein Update zum Schicksal von GM in den USA: Am heutigen Freitag treffe das Board des Autobauers zusammen, um den Eintritt ins Insolvenzverfahren zu finalisieren. Zuvor hätten die Anleihegläubiger dem neuen GM-Angebot zugestimmt, einen Anteil von 25 statt 10 Prozent am restrukturierten Konzern zu erhalten – die Grundlage dafür, dass GM nur kurz unter Chapter 11-Schutz verweilen müsse. Die US-Regierung habe eingewilligt, zusätzliche 30 Milliarden Dollar bereitzustellen, um das operative Geschäft von GM während des Insolvenzverfahrens zu sichern.

Das Wall Street Journal erweitert den Fokus und entwirft das Szenario der US-Autoindustrie nach der große Krise. „Statt den Crash zu verhindern, besteht die Herausforderung darin, vorne zu bleiben in einem Rennen mit verschärftem Wettbewerb“, rät das Blatt. Zwar würden ausländische Autobauer, unbefleckt durch Insolvenzverfahren und ausgestattet mit mehr energieeffizienten Modellen, Marktanteile gewinnen. Andererseits werde ihr Kosten-Vorteil aufgrund niedrigerem gewerkschaftlichen Organisationsgrad größtenteils verschwinden. Auch die Zulieferer profitierten von einer schlankeren Autoindustrie, da die Hersteller weniger Druck verspürten, diese „auszuquetschen“.

Aus Sicht der Börsen-Zeitung machen die deutschen Opel-Matadoren – Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Finanzminister Peer Steinbrück und Hessens Ministerpräsident Roland Koch – keine gute Figur. Sie hätten sich von der amerikanischen Seite, General Motors und US-Finanzministerium, vorführen lassen. „Da hat man in Berlin ,Deadlines' gesetzt, und aus den Staaten werden Emissäre ohne Entscheidungskompetenz geschickt. Ein Gespräch auf Augenhöhe sieht anders aus!“ Vor diesem Hintergrund sei fragwürdig, ob die neue, letzte Frist aus Berlin bis heute 14 Uhr Eindruck mache. „Das heißt keineswegs, dass GM und der US-Regierung das Schicksal von Opel & Co. gleichgültig ist. Ganz im Gegenteil. Wenn GM in neuer Gestalt eine Zukunft in Eigenständigkeit haben soll, ist Zugriff auf das europäische Know-how unabdingbar.“

Das Wirtschaftsblatt aus Österreich rückt in seinem Leitartikel die Fallhöhe der deutschen Politiker in den Blick. Für die deutsche Bundesregierung gehe es ums eigene Überleben – eine Regierungspartei, die den Opel-Deal verbocke und zigtausend Arbeitsplätze in den Opel-Werken den Bach runtergehen lasse, brauche im Herbst zu den Bundestags wahlen gar nicht mehr anzutreten. Anders als für die Koalition gehe es für GM um kaum noch etwas: Am Montag werde wohl Gläubigerschutz beantragt, zum Schaden von Lieferanten, Gläubigern, Belegschaft und Staat, die zwecks Entschuldung zur Kasse gebeten werden. „GM ist also fein raus, den Europäern droht im schlimmsten Fall ein Desaster: Wenn die Deutschen schlecht verhandeln, geht ein Großteil der Opel-Arbeitsplätze den Bach runter. Verhandeln sie zu gut, könnte Opel samt Übernehmer in ein paar Monaten oder Jahren GM in die Insolvenz folgen. Und dann ist Opel wirklich tot. Eine echte Lose-Lose-Situation.“

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