Internationale Presseschau vom 29.6.2009
Kleinliches Gezerre bei Porsche VW

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den bizarren Machtkampf zwischen Porsche und VW und lotet die Zukunftsaussichten des Sportwagenherstellers aus. La Tribune ärgert sich über Russlands Haltung gegenüber westlichen Unternehmen. Der Business Spectator attestiert China einen gekonnten Umgang mit WHO-Regeln. Fundstück: Die peinlichen Pleiten der Millionäre.

Für das Wall Street Journal ist nach dem neuerlichen Streit und Vorwurf der Erpressung klar, dass das Schicksal von Porsche mit den Verhandlungen mit Katar steht und fällt: „Eine Kapitalspritze der Qatar Investment Authority wäre der entscheidende Schritt, um die Bilanzen des deutschen Autobauers zu stützen und ihn mit mehr Verhandlungsmacht auszustatten, um eine Einigung mit VW zu erzielen.“ Doch sei nach wie vor unklar, ob Katar tatsächlich Porsche-Anteile erwerbe oder Porsche-Optionen an VW übernehme oder eine Kombination von beidem. Porsche sei bemüht, der Öffentlichkeit zu signalisieren, dass die Verhandlungen für einen möglichen Deal mit Katar nicht, wie von vielen vermutet, ins Stocken geraten seien.

Die Financial Times Deutschland moniert das „Chaos mit der VW-Aktie“. „Über kaum eine Aktie weiß der normale Anleger so wenig wie über Volkswagen. Seit Porsche seinen Versuch gestartet hat, den deutlich größeren VW-Konzern zu übernehmen, bewegt sich der Kurs der VW-Stammaktien weitgehend unabhängig von Geschäftszahlen – und oft genug gegenläufig zum Aktienindex Dax.“ Mit dem Emirat Katar werde die Lage weiter verkompliziert, denn ein dritter Großaktionär neben Porsche und dem Land Niedersachsen würde das Chaos komplett machen: „Weil der Streubesitz sinken würde, müsste die VW-Aktie womöglich sogar aus dem Dax weichen. Im Sinne von Transparenz und Fairness wäre das überfällig.“ Bei den einzelnen Spielern, wie etwa den beteiligten Banken, habe sich ein Insiderwissen angesammelt, das – missbräuchlich genutzt – nicht nur die Entwicklung der VW-Aktie, sondern die des gesamten Dax vorhersehen lasse: „Wer den nächsten Zug im Machtpoker zwischen VW und Porsche kennt, der hat einen milliardenschweren Wissensvorsprung.“ Die Kapriolen der Aktie würden ein schlechtes Licht auf die deutschen Kapitalmarktregeln werfen. Schon lange gebe es Überlegungen der Finanzaufsicht, stärkere Transparenzpflichten für Aktienoptionen einzuführen, die Anschleichmanöver wie das von Porsche bei Volkswagen unmöglich machen. „Durchgesetzt hat sich diese Forderung leider nicht.“

Bizarr mutet der Machtkampf zwischen Porsche und VW aus Sicht der Süddeutschen Zeitung an. Dass VW Porsche unter Zugzwang setze, sei neu, hätten doch bisher die Porsche-Manager bestimmt, „jedenfalls so lange, bis die Wirtschaftskrise ihre VW-Übernahme zum finanziellen Abenteuer machte.“ Dennoch sei das Verhalten von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Finanzmanager Holger Härter zu kritisieren: Sie agierten wie Schachspieler, schwiegen sich weiterhin über ihre nächsten Züge aus: Angeblich führten sie exklusive Gespräche mit dem Emir von Katar, sondierten aber trotzdem, ob der Stuttgarter Nachbar Daimler als Retter in Frage komme. Und auch die Banker seien sauer wegen der Tricksereien, bei denen einige viel Geld verloren hätten. Mit dieser Heimlichtuerei zerstörten Wiedeking und Härter Vertrauen. Denn selbst wenn die beiden Männer die gegenwärtige Finanzlücke füllen können, blieben zwei Probleme: „Solange das VW-Gesetz gilt, braucht Porsche im Aufsichtsrat des Autokonzerns für Entscheidungen etwa über Werks-Standorte die Zustimmung des Landes Niedersachsen und der Arbeitnehmervertreter.“ Auf die endgültige Abschaffung des VW-Gesetzes könne Wiedeking lange warten. Das andere Problem: Die Zukunft von Porsche ohne VW sehe nicht gut aus, denn ohne Unterstützung durch Volkswagen könne der Sportwagen-Hersteller die Umwelt-Anforderungen der EU nie erfüllen. „Man sollte sich nicht länger etwas vormachen: Volkswagen braucht nicht unbedingt Porsche. Porsche aber braucht VW.“ Wolfgang Porsche sollte das Gezerre um die Unternehmen mit fast 400.000 Arbeitnehmern beenden und nicht „kleinlich“ ein Ultimatum beklagen, das es nach Angaben aus Wolfsburg ohnehin nie gegeben habe.

Seite 1:

Kleinliches Gezerre bei Porsche VW

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%