Internationale Presseschau vom 29.8.2008
Rocker im Politikerpelz

Die Wirtschaftspresse ist mehrheitlich überzeugt von der Rede Barack Obamas beim Parteitag der Demokraten - entscheidend sei jetzt, ob er die Arbeiterklasse erreiche. Der Focus attackiert Telekom-Chef René Obermann. Le Monde verteidigt den Plan von Nicolas Sarkozy zur Einführung einer Steuer auf Kapitaleinkünfte. Fundstück: Klogang nur mit Kreditkarte.
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Die US-Presse ist größtenteils angetan von der Rede Barack Obamas beim Parteitag der Demokraten. Nach der Analyse des Wall Street Journal hat Obama das Rennen der Präsidentschaftskandidaten als Referendum zu den ökonomischen Ängsten der Mittelschicht dargestellt. Dabei habe er konventionelle demokratische Vorschläge zur Wirtschaftspolitik - Steuererleichterungen für die Mittelschicht, ein staatliches Investitionspaket in Höhe von 150 Milliarden Dollar für alternative Energien - neu verpackt: zugeschnitten auf die Mittelschicht und zukunftsträchtiger als diejenigen der Republikaner. Einmal mehr habe sich Obama dafür ausgesprochen, die Abhängigkeit von Öl aus dem Mittleren Osten zu beenden. Im Kommentar wiederholt das Blatt seine Position, dass Obamas Person und Ziele weiterhin unklar bleiben. Widersprüchlich sei besonders, dass er sich einerseits als post-ideologischer Politiker der Mitte präsentiere, andererseits jedoch das liberalste Programm eines demokratischen Kandidaten seit 1972 vorstelle.

Die Baltimore Sun schreibt, dass Obama seine Zuhörer einmal mehr durch die Verknüpfung konventioneller Politik mit Rock-Star-Pyrotechnik überzeugt habe. Die Bühne in Denver habe der als elitär und abgehoben geltende Obama benutzt, um bodenständig, "dreckig" und - mit Blick auf McCain - hart zuschlagend herüberzukommen. Jetzt bleibe abzuwarten, ob Obama jenseits des Stadions in Denver auch die Arbeiterviertel in Ohio, Michigan, Indiana sowie andere Schlachtfelder, die von ihm in der Rede berührt worden seien, erreiche - davon werde es abhängen, ob sein historischer Wahlkampf erfolgreich abgeschlossen werden könne.

"Das war eine tiefsubstanzielle Rede, voller politische Details, reich an Personen außer dem Kandidaten, überwältigend fokussiert auf wirtschaftliche Ängste", jubelt The Atlantic. Obama habe jeden einzelnen Angriff von McCain aufgenommen und umgekehrt, er habe nicht nur bewiesen, dass er die Erfahrungen der US-Mittelklasse verstehe, sondern auch verstanden, wie diese Schicht von den Republikanern "geschmiert" wurde. "Ich wurde aus meinem ideologischen Komfortbereich geholt, weil dieser Mann anders wirkt, und dieser historische Moment wirkt anders auf mich", erklärt der Kolumnist. "Ich weiß nicht, ob wir noch viele Chancen haben, unsere Abhängigkeit von ausländischem Öl zu beenden. (...) Die USA wären dumm, sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen."

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