Internationale Presseschau vom 3.9.2008
Weltmaschine macht mobil

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den von Google eröffneten Krieg der Browser. Das Manager Magazin analysiert die Krise bei Arcandor. Laut Les Echos blüht Alcatel-Lucent das gleiche Schicksal wie EADS. Gazeta.ru fürchtet keine weitere Abkühlung der europäisch-russischen Beziehungen. Fundstück: Japanische Firmenkrieger mit Hornissen im Hintern.
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Spiegel Online sieht nach der Präsentation des Google-Browsers "Chrome" einmal mehr Microsoft in der Defensive: Alt-Konkurrent Apple habe mehr als fünf Prozent Anteil am Betriebssystem-Weltmarkt zurückerobert, Open-Source-Programme punkteten in allen Bereichen, außerdem würden das Betriebssystem Windows und die Office-Softwarepakete, die bisher die Geldmaschinen des Konzerns gewesen seien, unwichtiger. Zwar sehe Microsoft seine finanzielle Zukunft vor allem im Netz, doch die Firma drohe dort keine große Rolle mehr zu spielen: "weil das Monopol des Internet Explorers allmählich schwindet und Microsoft keine Suchmaschine hat, also am lukrativsten der Internet-Märkte kaum Anteil hat."

Cyberpresse.ca aus Kanada wundert sich, dass Google im Vorfeld der Browser-Präsentation noch einen Kooperationsvertrag mit Firefox bis 2011 abgeschlossen hat. Ebenso fragwürdig sei die Hoffnung von Google, sich mit dem eigenen Browser etablieren zu können, obwohl es selbst Firefox nach fünf Jahren nicht gelungen sei, einen Marktanteil von über 20 Prozent zu erlangen. Kritisch sei "Chrome" auch vor dem Hintergrund des Schutzes privater Daten zu sehen. Google sei schon heute ein "unumgängliches Monster" im Web, das viele Informationen über die Nutzer sammele. "Wollen wir wirklich, dass sein Einfluss im Internet noch größer wird? Dass Google noch mächtiger wird als Microsoft?"

Der Technologie-Journalist Nicholas Carr , der unlängst für The Atlantic die vom Spiegel adaptierte Titelgeschichte "Is Google Making Us Stupid?" geschrieben hat, vermutet in seinem Blog, dass der Suchmaschinen-Gigant nicht primär Microsoft attackieren wolle: Ihm sei klar, dass seine Zukunft davon abhängt, die Nützlichkeit des Internet rapide zu verbessern, was wiederum von der rapiden Ausweitung der Fähigkeiten von webbasierten Applikationen und somit der Verbesserung von Web-Browsern abhänge. "Für Google ist der Browser zu einem (...) Nadelöhr geworden, durch das die riesigen Daten-Zentren des Unternehmens gelangen müssen, um den Nutzer zu erreichen - als Resultat muss der Browser überdacht, aufpoliert, neu ausgerüstet und modernisiert werden." Das langfristige Ziel von Google sei dabei nicht, einen "Browser-Krieg" zu gewinnen, sondern die Wettbewerber zu animieren, ihre Browser zu verbessern, damit diese wiederum Googles Web-Programme unterstützen.

Mit Chrome lege der Internet-Konzern den Grundstein für ein "gefährliches Monopol", warnt die Financial Times Deutschland . Das Verheerende sei nämlich, dass alles, was die "Weltmaschine" tue, so verdammt nützlich sei: "So nützlich, dass Milliarden Menschen auf der Welt nicht auf die Dienste des Internet-Konzerns verzichten möchten, und Millionen Unternehmen Google dafür bezahlen, kleine Textanzeigen zu platzieren." Die Konkurrenz müsse sich jetzt die Philosophie von Google - Dienstleistungen, deren Nutzen jeder sofort einsehe - zu Herzen nehmen. "Sonst wird die ehemalige Suchmaschine zu einem alles beherrschenden Moloch, wie es Microsoft einst war. Allerdings ein Monopol, das von seinen Nutzern geliebt wird - eine gefährliche Kombination."

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