Internationale Presseschau vom 30.10.2008
Schluss mit den Talk-Shows

Mit Blick auf die VW-Kurskapriolen und den Weltfinanzgipfel fordert die internationale Wirtschaftspresse den raschen Aufbau eines globalen Systems der Regulierung. Die Washington Post reitet eine Attacke gegen Alpha-Manager. Die Prawda sieht die Dollar-Welt am Ende. Der Corriere träumt von einem Italien ohne Steuersünder. Fundstück: Big Mac mit Buffett.
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Der britische Independent reitet eine Attacke gegen die Hedgefonds-Manager, die, nachdem sie in Deutschland den rasanten Höhenflug der VW-Aktie ausgelöst hätten, jetzt "Foul" riefen und sich über die mangelnde Transparenz des deutschen Aktienmarktes beschwerten. "Diese Heuchelei ist immens. Kein Akteur auf den Finanzmärkten agiert weniger transparent als Hedgefonds, die niemals ihre Holdings offenbaren und beinahe mit religiösem Eifer gegen stärkere Regulierung Front machen." Das eigentliche Problem sei jedoch die "massive Kontraktion des Schatten-Bankensystems" und seine Risiken für das weltweite Finanzsystem. Hedgefonds seien inzwischen so mächtig, dass sie im Alleingang ganze Märkte antreiben und die Währungen in Schwellenländern destabilisieren könnten. "Wir können nicht noch einmal zulassen, dass ein unbeaufsichtigtes und inhärent unstabiles Schatten-Bankensystem die Gesundheit der globalen Wirtschaft aufs Spiel setzt. Bessere Regulierung und genauere Prüfung sind unverzichtbar", mahnt die Zeitung.

Der Indian Express moniert, dass es in den vergangenen Wochen zwar etliche Treffen von Staatenlenkern gegeben habe, die auch begriffen hätten, dass dies keine "Nullachtfünfzehn-Krise" sei, sondern ein konzertiertes internationales Vorgehen erfordere. Gleichwohl sei der beispielsweise von Gordon Brown vorgeschlagene internationale regulatorische Rahmen noch nicht ansatzweise konzipiert worden. Vor diesem Hintergrund müsse sich der Weltfinanzgipfel am 15. November in Washington dringend von den bisherigen "Talk-Shows" unterscheiden. Dass die Bush-Regierung, wie angekündigt, dort jedoch nur über "Prinzipien" diskutieren wolle - vermutlich, weil Bush zum Abschluss seiner Amtszeit nicht die Eigenständigkeit des Landes beschränken wolle -, sei inakzeptabel. Es sei die Pflicht der teilnehmenden Länder sicherzustellen, dass die internationale Krisen-Agenda nicht als "Geisel der Innenpolitik" genommen werde, sondern stattdessen am Ende ein Entwurf für die angestrebte Reform vorliege. "Indien sitzt jetzt mit am hohen Tisch. Es muss Details verlangen", fordert das Blatt.

Anders als der Independent glaubt Les Echos aus Frankreich nicht, dass die aktuelle Phase der Krise primär auf ein Scheitern bei der Regulierung von Hedgefonds, Private Equity oder Derivate-Händlern zurückgeht. Gescheitert sei die Regulierung des von allen Wirtschaftssektoren ohnehin schon am stärksten kontrollierten Bereichs: der Banken - weshalb jetzt eine "Regulierung der Banken-Regulierer" erforderlich sei. Diese hätten es mangels Kompetenz versäumt, die Risiken des Schatten-Bankings außerhalb der Banken-Bilanzen zu erkennen. Außerdem habe die "Balkanisierung" der Regulierung - in den europäischen Ländern gebe es jeweils Regulierer für Banken, Finanzmärkte und Versicherungen - zur Schwächung der Kontrolle geführt. Fazit: Beim Weltfinanzgipfel müssten die Regierungschefs schnellstmöglich eine paneuropäische gemeinsame Regulierung für den Finanzmarkt und die Banken beschließen; diese müsse an die Europäische Zentralbank angedockt werden, damit diese Zugang zur Liquidität habe.

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