Internationale Presseschau vom 30.3.2009
China und das Dollar-Dilemma

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert Chinas Vorschlag, vom Dollar als globale Reservewährung abzurücken. Die Financial Times hat am Vorabend zum G20-Gipfel in London den US-Präsidenten Barack Obama interviewt. Laut Vedomosti hat sich Gazprom die Erdgasvorkommen Aserbaidschans vor den Europäern gesichert. Fundstück: Das passende Baby zum BILLY-Regal.

In einem Interview mit dem Magazin Newsweek unterstützt Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz die Forderung der Poeple?s Bank of China, statt des Dollars die Special Drawing Rights (SDRs) des Internationalen Währungsfonds zur Reservewährung zu machen. "Eine Reservewährung muss stabil sein, und das ist der Dollar nun mal seit geraumer Zeit nicht: Die Bilanz der US-Notenbank ist surreal, die Fed hat sich auf unerforschtes Terrain begeben, wir müssen uns ernsthaft Sorgen machen um die Inflation und ihre Folgen für den Dollar." Die Bedenken Chinas seien somit nachvollziehbar, und letztlich sei das ganze System ungerecht: "Arme Länder leihen den USA Geld zu niedrigsten Zinssätzen." Ein neues, auf den SDRs basierendes System könne funktionieren: "Man müsste das SDR-Volumen verdoppeln und den Ländern anbieten. Statt ihr Geld in Dollarreserven zu pumpen, die nicht dazu beitragen, den Konsum anzukurbeln, könnten sie sich bei einem SDR-Fonds in Höhe von 42,8 Milliarden Dollar bedienen, ihre Einnahmen also ausgeben, statt sie irgendwo zu horten." China bezüglich der Infragestellung des Dollar aggressives Auftreten vorzuwerfen, sei nicht richtig: "China nimmt einfach eine aktivere Rolle ein. Immerhin ist das Land äußerst wettbewerbsfähig, und es hilft den weniger entwickelten Staaten."

Keine großen Erfolgschancen räumt dagegen der Economist dem Vorschlag der People?s Bank of China ein, die SDRs als internationale Reservewährung zu nutzen. Zwar werde der Vorschlag Unterstützung vor allem aus den Schwellenländern erhalten, doch er sei in nicht in naher Zukunft realisierbar. "Es würde Jahre dauern, bis SDRs weithin akzeptiert würden." Derzeit betrage der Wert der SDR-Reserven 32 Milliarden Dollar, weniger als zwei Prozent der chinesischen Devisenreserven - im Vergleich zu elf Billionen Dollar, die China in Form von Wertpapieren des US-Finanzministeriums halte. "Doch es gibt auch politische Hürden: Die USA würden sich dagegen wehren, weil der Verlust des Reservewährungsstatus des Dollars die Kosten für die Finanzierung des Haushalts und des aktuellen Defizits hochtreiben würde." Schließlich habe der Chef der People?s Bank of China selbst John Maynard Keynes? Vorschlag für eine internationale Währung aus 1940 zitiert. "Dieser beinhaltet auch, dass Länder, die große Devisenreserven anhäufen, mit einer Steuer belegt werden, um die Binnennachfrage anzukurbeln."

Der Business Standard aus Indien wirft China vor, das "Dollar-Dilemma" selbst mit verursacht zu haben: "Asien ist ein Negativbeispiel dafür, wie Reichtum vernichtet wird. Die China Investment Corporation (CIC), die massiv in Anleihen des US-Finanzministeriums investiert hat, wird zurecht kritisiert, hat sie doch große Verluste gemacht." Doch nicht der Wert des Dollars sei das eigentliche Problem, sondern die Sicherheit der erworbenen Wertpapiere. "Chinas Exportindustrie hat bereits 20 Millionen Arbeitsplätze verloren, und das Land kann keine weitere Aufwertung des Yuan verkraften. Klar, dass sich China Sorgen macht wegen seiner Abhängigkeit von Dollar-Wertpapieren." Doch verkaufen komme nicht in Frage: Würde China seine Devisenreserven in Dollar ab- und in anderen Währungen wieder aufbauen, würde der Dollar abstürzen. "Außerdem brauchen die USA die Importe aus China und die Investitionen, um ihre Inflation und ihre Zinssätze niedrig zu halten." Die Lösung könne die Beseitigung des Ungleichgewichts beim Sparen bzw. Anlegen sein: "Die Amerikaner müssen mehr Geld sparen, und die Chinesen müssen mehr konsumieren. Nur so kann das globale Ungleichgewicht auf ein verträgliches Niveau gebracht werden. Alles andere wird unweigerlich dazu führen, dass China große Verluste bei seinen Devisenreserven macht."

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