Internationale Presseschau vom 30.9.2009
„Staatsknete ist verdammt teuer“

Die internationale Wirtschaftspresse begrüßt das Vorhaben der französischen Bank BNP Paribas, die Beteiligung des Staates zu reduzieren. Aus Sicht von Vedomosti ist die neue Privatisierungsrunde in Russland keine marktwirtschaftliche Reform. ilsole24ore berichtet von der Renaissance der Abwrackprämie. Fundstück: Ich hasse Weihnachten.

Die Bereitschaft der Investoren, der französischen Bank BNB Paribas, 4,3 Milliarden Euro frisches Kapital zu geben, um den französischen Staat auszuzahlen, zeuge von wenig Vertrauen in den Staat als Eigentümer und von viel Vertrauen in die Zukunft der Banken, analysiert die Financial Times . Die krisenbedingten staatlichen Beteiligungen seien mit Bedingungen und politischen Druck verbunden: Die Banken müssten ihr Kreditangebot ausweiten und Gehaltsobergrenzen einhalten, unabhängig von der Marktlage. Ergo werde die französische Bank nicht die letzte Bank sein, die nach einem Fluchtweg suche. Für die Anleger seien Banken momentan ein "Jack-Pot". "Die extrem lockere Geldpolitik sorgt für geringe Kapitalkosten und breitere Margen", meint die Zeitung.

Nachdem Banken wie BNP Paribas, UBS, Lloyds Banking Group und die Royal Bank of Scotland bereits erste Schritte unternommen hätten, um den Staat als Aktionär und Eigenkapitalgeber loszuwerden, fragt die Börsen-Zeitung, wann endlich auch die Commerzbank handelt. Die staatliche Hilfe, so dringend die Institute darauf angewiesen gewesen seien, bringe nämlich mindestens drei gravierende Nachteile mit sich: "Die Staatsknete ist verdammt teuer, die Politik regiert in die Bank und nicht zuletzt in deren Vergütungspraktiken hinein, und der Reputation ist es auch alles andere als zuträglich, wenn eine einst stolze private Bank plötzlich zum Volkseigenen Betrieb mutiert", schreibt das Blatt. Da nutze man doch gerne das günstige Klima am Primärmarkt und beschaffe sich frisches Kapital von privaten Investoren, um den Staat zumindest teilweise wieder herauszudrängen, schlägt das Blatt vor.

Der Schritt, die staatlichen Gelder an Frankreich wieder zurückzuzahlen, sei sinnvoll, meint das Wall Street Journal. So entziehe sich die Bank dem geplanten Anstieg der Dividenden an den Staat ab Juni 2010. Sobald Paris aus dem Aktionärsverzeichnis der Bank gestrichen sei, habe der Staat auch keinen Vorwand mehr, um auf Unternehmensstrategie und das Management Einfluss zu nehmen. Seit dem Einstieg des Staates seien die Finanzmärkte kräftig gewachsen. Der Wert der BNP-Aktien habe sich seit dem Einstieg des Staates verdoppelt. Kurioserweise habe die Bank nicht die Möglichkeit genutzt, die Kapitalkennziffern zu verbessern; der Anteil von sehr guten Vermögenswerten sei unterdurchschnittlich. "Das spricht für das Selbstbewusstsein der Bank, die als eine der wenigen auch während der Krise profitabel geblieben ist", analysiert die Zeitung.

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