Internationale Presseschau vom 31.10.2008
Der Ball der scheinheiligen Banker

Die internationale Wirtschaftspresse führt eine kontroverse Debatte über die Quartalszahlen und die neuen Bilanzierungsregeln der Deutschen Bank. Die Weltwoche wirft Peer Steinbrück bei der Jagd auf Steuersünder "DDR-Methoden" vor. Der Nouvel Observateur berichtet von einer möglichen neuen Affäre à la Jérôme Kerviel. Fundstück: Dancing with the Bush.
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Die Süddeutsche Zeitung hinterfragt die vergleichsweise guten Quartalszahlen der Deutschen Bank, die es dem Banken-Chef Josef Ackermann ermöglichten, auf jene Konkurrenten herabzuschauen, die in die Arme des Staates gefallen seien. Doch ohne die zugrunde liegenden neuen Bilanzierungsregeln sowie andere Sondereffekte stünde die Deutsche Bank mit rund einer Milliarde Euro Verlust da. "Die Deutsche Bank wirtschaftet derzeit in ihrem Kerngeschäft, dem Investmentbanking, mit Verlust, auch die Vermögensverwaltung schreibt rote Zahlen", analysiert das Blatt. Deshalb müsse Ackermann den begonnen Umbau fortsetzen und die stabilen Geschäftsbereiche stärken - weg von rein rendite- und provisionsgetriebenen Geschäften hin zu Dienstleistung und Beratung. "Gelingt Ackermann der Umbau seiner Bank, kann er im Spätherbst seiner Ära vielleicht doch noch sein Image reparieren. Dazu müsste er allerdings seinen Fensterplatz da oben öfter verlassen und sich unten auf der Straße umhören."

"Warum sind wir auf diese Idee nicht gekommen", kommentiert Portfolio den Schachzug der Deutschen Bank, neue Bilanzierungsregeln zugrunde zu legen. In den USA haben sich nach Angaben des Wirtschaftsmagazins ebenfalls viele dafür ausgesprochen, die Bilanzierungsregeln zu ändern: Sowohl Blackstone-Chef Steve Schwarzman als auch Mitglieder des US-Kongresses hätten das Mark to market-Modell, das Finanzinstitute zwingt, zur Verbesserung der Transparenz bei der Bewertung von Aktiva Marktpreise einzusetzen, für die Turbulenzen auf den Kreditmärkten verantwortlich gemacht.

"Die Eröffnung des Balls der scheinheiligen Banker passt besser aufs Frankfurter Börsenparkett als auf die Straßen von Neapel", spottet Les Echos aus Frankreich. Mit ein paar Kniffen habe das Institut einen Riesenverlust in einen Gewinn verwandelt und dafür gesorgt, dass die Börse applaudiere. Der Ball passe zu Frankfurt, weil dort zuletzt der Autobauer Porsche, mit einer größeren Selbstsicherheit als die von der politischen Klasse gescholtenen Heuschrecken, mehrere Milliarden Euro straffrei auf dem Rücken der Arbitrageure "abgemäht" habe.

Marketwatch.com nimmt die Deutsche Bank zunächst in Schutz: Indem sie neue Bilanzierungsstandards zugrunde gelegt habe, nutze sie kein Schlupfloch - die Regeln seien absichtlich dahingehend verändert worden, dass Banken ihre Assets verschieben können. Das Institut habe sogar bei der Präsentation der Quartalszahlen das Volumen der Assets offengelegt, das umgeschichtet worden seien. Gleichwohl werde die neue Methode der Deutschen Bank, die bald von anderen Instituten wohl kopiert werde, dazu führen, dass das letzte Vertrauen hinsichtlich der Bilanzierungsregeln auf dem Finanzmarkt erodiere. Fazit: "Die kurzsichtige Welt der Bankenbuchhaltung wird noch trüber."

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