Internationale Presseschau vom 4.2.2009
Zulieferer sind Verlierer im Schuldenspiel

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht nach der Edscha-Pleite die Krise der Autozulieferer. La Repubblica ist erschüttert von den Rekord-Einbußen italienischer Autobauer. Les Echos meint, Angela Merkel führe Deutschland in eine DDR light. Stargazetesi zeigt, dass der Skandal in Davos der Türkei Investitionen beschert. Fundstück: warten und sparen.

Nachdem der Remscheider Autozulieferer Edscha gestern Insolvenz angemeldet hat, befürchtet die Süddeutsche Zeitung einen "gefährlichen Dominoeffekt". Der endgültige Zusammenbruch von Autozulieferern, so die Münchner, könnte schnell erhebliche Probleme auch für die Autokonzerne nach sich ziehen. Ein Grund für die Krise der Zulieferer: Sie seien in den vergangenen Jahren von den Konzernen "ausgepresst" worden, die Preise seien immer stärker gedrückt und gleichzeitig Risiken abgewälzt worden. "Die Renditen sind teilweise gering, das Eigenkapital der meist mittelständischen Betriebe ist knapp. Und die Banken geben auch kein Geld mehr. Ein deutlicher und plötzlicher Rückgang der Aufträge führt dann schnell ins Verderben." Weder der Staat, der sich angesichts der Probleme schnell übernehmen könnte, noch die Autohersteller, deren eigenen Probleme zu groß seien, könnten den Zulieferern in dieser Situation helfen.

Die Rheinische Post bilanziert, dass in nur zwei Monaten vier große Zulieferer aus NRW Insolvenz angemeldet hätten: Tedrive, TMD, Henniges und gestern Edscha. Weiteres Unheil drohe, da die Absatzeinbrüche von Autobauern in der Regel erst nach drei Monaten bei den Zulieferern ankämen. Ursache der Pleitewelle sei die Tendenz, dass die Autobauer teure Hightech-Entwicklungen wie ABS, Einspritzpumpen oder Kurvenfahrlicht an die Zulieferer ausgelagert hätten. "Deshalb sind ihre Kosten so hoch, deshalb trifft sie die Krise so hart", so die Düsseldorfer. Hinzu komme die Bankenkrise, deretwegen die Banken derzeit nicht einmal Top-Unternehmen Kredite einräumten. "Das ist ein Skandal. Denn um genau das zu verhindern, hat der Steuerzahler ihnen ja gerade erst einen 500 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm gespannt", schimpft die RP.

Die Frankfurter Rundschau gibt dem "Schuldenspiel" der Heuschrecken die Schuld an der Krise von Edscha & Co. Statt in den guten Jahren Reserven aufzubauen, die in den dürren Zeiten abgetragen werden, hätten die Finanzinvestoren gerade die guten Jahre dazu genutzt, die Verschuldung in den Unternehmen bis an die Schmerzgrenze zu erhöhen und so die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital in die Höhe getrieben. Der Trost, dass der "fatale Fehler im Geschäftmodell" inzwischen den Verantwortlichen dämmere - so etwa Thomas Pütter, Chef von Allianz Capital Partners - sei schwach. "Der Fehler der Politik war es, betäubt vom Glauben an die Effizienz der unregulierten Kapitalmärkte, dem Schuldenspiel untätig zugesehen zu haben."

Seite 1:

Zulieferer sind Verlierer im Schuldenspiel

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%