Internationale Presseschau vom 4.3.2009
„Eifersüchtig geschützte Unabhängigkeit“

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert zum Genfer Autosalon die Krise der Autobauer und wundert sich über die ausbleibende Konsolidierung. Moskovskij Komsomolez sieht Chodorkowski als Bauernfigur kremlinterner Machtkämpfe. Wired fordert radikale finanzielle Transparenz. Laut Technology Review platzt die Blase 2.0. Fundstück: Rettet die Maiglöckchen.

Das Wall Street Journal beschreibt anlässlich des Genfer Autosalons den weltweiten Wettlauf der Autobauer um Staatshilfen. Gestern habe GM davor gewarnt, dass den europäischen Töchtern bereits im April oder Mai das Geld ausgehen könnte, sollten Deutschland und andere Länder die erbetene Unterstützung verweigern; GM sei inzwischen bereit, einen mehrheitlichen Anteil an Opel zu verkaufen, um sich die Staatshilfen zu sichern. In Japan indes habe die Finanzsparte von Toyota bei der staatlich abgesicherten Japan Bank for International Cooperation einen Kredit in Höhe von zwei Milliarden Dollar beantragt; zur Unterstützung einheimischer Unternehmen zapfe Japan seine Devisenreserven an: Die Japanische Bank für Internationale Zusammenarbeit erhalte fünf Milliarden Dollar, um damit Kredite an angeschlagene Firmen vergeben zu können. Noch in dieser Woche werde GM-Vize-Chef Fritz Henderson deutsche Regierungsvertreter treffen, außerdem sein ein Treffen von Bond-Anlegern mit der von US-Präsident Barack Obama installierten "Auto Task Force" geplant, um zu klären, ob die Regierung weitere Bonds zur Finanzierung des Restrukturierungsprogramms absichern werde.

Bloomberg wundert sich, dass die Autoindustrie trotz des Abbaus von einer halben Million Jobs, dem Verlust von vier Millionen Kunden und 50 Milliarden Dollar noch immer keinen Konsolidierungskurs eingeschlagen habe. "Milliarden Dollar an Staatshilfen haben die Firmen so weit abgepolstert, dass sie nicht den Druck empfinden zu fusionieren oder Bankrott zu gehen. Dadurch wird ihre eifersüchtig geschützte Unabhängigkeit finanziert und außerdem der Tag hinausgezögert, an dem sie operative Kontrolle an einen Rivalen abtreten müssen", kritisiert der Informationsdienst. Der Plan von Fiat, in der Produktion mit Chrysler zusammenzuarbeiten, komme einer Konsolidierung zweier Hersteller am nächsten. "Bei der Konsolierung geht es jetzt ums Überleben statt um Expansion", zitiert Bloomberg den UBS-Analysten Philippe Houchois.

Echo Online beschreibt die Endspiel-Stimmung der Autoindustrie in Genf. Der dort zur Schau gestellte Optimismus sei fast wie das Pfeifen im dunklen Wald. Dass die Hersteller bei der Autoschau mit Modellen wie dem Opel Ampera auf nachhaltige Mobilität setzten, sei löblich, aber riskant und teuer - allein für den Ampera seien rund vier Milliarden Euro Entwicklungskosten angefallen. Der Kunde verlange indes neue Technologie zum alten Preis. "Mehr ausgeben, um dann weniger einzunehmen - zumindest relativ - das kostet Rendite. Zusammen mit den massiven Überkapazitäten weltweit gibt das weiteren Rückenwind für den Konzentrationsprozess." Mit Blick auf die Bemerkung von GM-Europachef Carl-Peter Forster, dass drei GM-Werke in Europa verzichtbar wären, schreibt der Onlinedienst der Verlagsgruppe Darmstädter-Echo, dass dies den Politikern nicht gefallen werde. "Wenn schon Steuergelder fließen zur Opel-Rettung, dann soll das bitteschön auch für Jobs gelten. Denn dort arbeiten Wähler. Vielleicht sollte General Motors endlich ein schlüssiges Gesamtkonzept vorlegen und nicht häppchenweise daherkommen mit Neuigkeiten. Das wirkt hilflos und wird der kritischen Situation nun wahrlich nicht gerecht."

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