Internationale Presseschau vom 4.5.2009
US-Banken: Unnötiger Stress mit Stresstests

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert angesichts des möglichen Kapitalbedarfs von 150 Milliarden Dollar bei der Citigroup Sinn und Zweck der US-amerikanischen Stresstests. Die New York Times kritisiert das Schweizer Angebot eines bilateralen Steuerabkommens mit den USA. Die NZZ sieht viele Fragezeichen hinter einer Fusion von VW und Porsche. Fundstück: Eine Ära ohne Neid und Gier.

Fortune geht mit den Kritikern der Stresstests hart ins Gericht: "Fundierte Diskussionen sind sicher richtig, doch das Tauziehen hinter den Kulissen zwischen US-Regierung und Banken kratzt an der ohnehin dünnen Glaubwürdigkeit der ganzen Übung." Stresstests habe es schon immer gegeben. Die aktuelle Krise zeige, dass sie unzureichend waren oder in einigen Fällen schlicht ignoriert wurden. Nun hätten die Behörden eine große Anzahl von Banken auf ihre Stresstest-Liste gesetzt, und sicher stehe viel auf dem Spiel, würden die Ergebnisse doch darüber entscheiden, ob eine Bank mehr Privatkapital einwerben müsse oder Staatshilfen erhalte. "Doch selbst die ungünstigsten Szenarien, die bei den Tests vorausgesetzt werden, beruhen letztlich auf Einschätzungen der Banken. Zudem geben Banker selbst zu, dass sie der Regierung nur wenige Informationen geben können, die sie nicht schon habe." Die Risikomanager würden die Stresstests als Trick der Regierung sehen, mit der sie die Finanzinstitute zwinge, sich anzupassen. "Doch die Behörden müssen keine Rechtfertigungen erfinden für angemessene Regulierungen." Wenn diese sich nun über die Ergebnisse der Stresstests streiten, zeige das nur, dass sie sich selbst nicht zutrauten, die Finanzinstitute zu durchschauen: "Das gibt den Banken zu viel Macht."

Für Gelassenheit plädiert das Wall Street Journal: "Investoren fühlen sich aufgrund von Meldungen, dass einige Banken gegen die Ergebnisse der Stresstest protestiert haben, beunruhigt. Ihre Sorge ist verständlich, testet die Regierung doch ihren Kreditbestand, um einschätzen zu können, ob die Banken ausreichend Kapital für zwei Verlustjahre haben." Die Tests seien dementsprechend hart, doch selbst wenn der Kapitalbedarf hoch ausfalle - US-Finanzminister Timothy Geithner habe recht milde Bedingungen formuliert, unter denen die Bilanzen aufgestockt werden können. "Die US-Regierung hat zum einen schon die Preise festgelegt, zu denen sie Stammaktien kaufen würde. Zum anderen ist es unwahrscheinlich, dass die US-Regierung eine Stimmenmehrheit an einer großen Bank erwirbt." Immerhin hätten die betroffenen Banken Möglichkeiten, den Stammaktienanteil der US-Regierung zu begrenzen, zum Beispiel indem sie Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln oder durch Zwangswandelanleihen ersetzen. "Welche negative Überraschung halten die Stresstests also bereit? Nur die, dass eine Bank weit mehr Stammkapital einwerben muss, als der Markt selbst erwartet." Die kommende Woche werde tatsächlich eine Testphase für einige Banken, aber sicher nicht für alle.

Nach Auffassung der Financial Times werden die Ergebnisse der Stresstests maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg der ersten 100 Tage von US-Präsident Barack Obama entscheiden. Nach der Bekanntgabe der Tests im Februar hätten die Aktienmärkte eine erfreulich positive Entwicklung genommen, doch für US-Finanzminister Timothy Geithner würden die Testergebnisse zum Balanceakt. "Ihm stehen nur noch 110 Milliarden Dollar zur Verfügung, um angeschlagenen Banken zu helfen. Der US-Kongress hat deutlich gemacht, dass er in nächster Zukunft kein weiteres Geld mehr genehmigt." Insider gingen deshalb davon aus, dass die Behörden bei den Tests sicher stellen, dass nicht mehr Kapitalbedarf festgestellt wird, als der US-Regierung noch zur Verfügung steht. "Letztlich sind die Urteile darüber, ob eine Bank einen weiteren Abschwung aushält oder nicht, nur so gut wie die Annahmen dahinter, und die bestehen aus Prognosen etwa zum Wachstum oder zur Arbeitslosigkeit." Auch hätten einige der betroffenen 19 Banken gute Ergebnisse für das erste Quartal 2009 erzielt. Analysten gingen davon aus, dass die Ergebnisse von "wenig Kapitalbedarf und viel Nachsicht" geprägt sein werden. "Wenn alles gut geht, wird Geithner gefeiert. Wenn es schlecht läuft, wird Obama erneut mit Forderungen nach der zeitlich begrenzten Verstaatlichung von Banken konfrontiert werden."

Seite 1:

US-Banken: Unnötiger Stress mit Stresstests

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%