Internationale Presseschau vom 4.8.2009
Autoboom: Strohfeuer oder Anfang vom Krisenende?

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert mit Hoffnung und Skepsis die guten Zahlen der Autobauer weltweit und hinterfragt staatliche Hilfsprogramme. Börsen-Zeitung und Wirtschaftsblatt kommentieren den Einstieg von Bosch bei Aleo Solarim. Vedomosti berichtet von der steigenden Öl- und Gasförderung in Russland. Fundstück: Merkel singt für Autobauer.

Das Wall Street Journal kritisiert die Abwrackprämie der US-Regierung. Es sei erstens nicht klar, ob das Programm die Verkäufe erhöht habe – viele Käufer hätten in Erwartung des Programms ihren Autokauf schlicht aufgeschoben und seien mit der Einführung in die Autohäuser gestürmt. Zweitens sei das Programm unterfinanziert gewesen. Die Kunden hätten das begriffen und versuchten, sich schnellstmöglich eine Abwrackprämie zu sichern. „Was die meisten außer Acht lassen, ist, dass das Interesse an dem Programm abflauen wird, sobald die Finanzierung auf lange Sicht gesichert ist“, so das Blatt. Eine ironische Konsequenz der Abwrackprämie sei der Preisanstieg bei energieeffizienten Kleinwagen, da die Nachfrage extrem gestiegen sei – sodass die Kunden am Ende doch wieder verstärkt Autos mit hohem Benzinverbrauch kauften. „Insgesamt heißt deshalb die Empfehlung an die Regierung, kein weiteres Geld in die Abwrackprämie zu stecken“, resümiert das Blatt.

Die Nachrichten über steigende Absätze bei den Autobauern aus Detroit klingen nur auf den ersten Blick gut, analysiert Daily Finance. Die Verkäufe von Chrysler seien zwar im Vergleich zum Vormonat um 30 Prozent gestiegen, was allerdings an der neuen Abwrackprämie in den USA und einer groß angelegten Rabattaktion liege. Ohnehin könne das Absatz-Plus kaum als Erfolg, sondern eher als Mindestvoraussetzung für das weitere Bestehen des Autobauers gesehen werden. „Verglichen mit dem gleichen Monat im vergangenen Jahr sind die Verkäufe von Chrysler sogar um neun Prozent gesunken“, dämpft das Portal die Euphorie. Noch schlechter sei es General Motors ergangen. „Allein Ford, der letzte Detroiter Autokonzern ohne Staatsbeteiligung, konnte auch im Jahresvergleich mehr Autos verkaufen“, so das Blatt.

Positiver sieht die Lage dagegen der Business Spectator aus Australien. „Glauben Sie es oder nicht, aber es ist ausgerechnet die Autoindustrie, die die Weltwirtschaft aus der Rezession führt“, versichert das Blatt. Die Fahrzeugmärkte in Europa, USA und Asien boomten. Die Volkswirte von Morgan Stanley hätten errechnet, dass die guten Zahlen der Autobauer auch das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Amerika im laufenden Quartal in den positiven Bereich hieven könnten. Ähnliches gelte auch für Europa. Ursachen des Positivtrends seien staatliche Hilfsprogramme sowie die Steuererleichterungen für Kompaktwagen in China.

The Globe and Mail aus Kanada sieht demgegenüber die US-amerikanische Abwrackprämie als vollen Erfolg und führt die guten Zahlen von Ford auf das staatliche Programm zurück. Vor allem umweltfreundliche Fahrzeuge wie der Ford Fusion, Ford Focus und der Pontiac Vibe von GM hätten sich gut verkauft. Die Umweltprämie setze voraus, dass das neue Fahrzeug sparsamer sei als das alte. Hyundai habe noch in keinem Juli zuvor so viele Autos verkauft wie in diesem Jahr; auch Lexus habe einen Rekordmonat hinter sich gebracht; Volkswagen habe in Kanada seinen Absatz um beinahe 15 Prozent gesteigert.

Mint aus Indien beobachtet auch in Indien einen Absatzboom bei Autos. Seit Januar können die indischen Autobauer zweistellige Zuwachsraten verzeichnen. Der größte Hersteller Tata habe sogar ein Viertel mehr Autos verkauft. Auch Honda, als größter Motorradhersteller in Indien, habe ein kräftiges Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gemeldet „Die Branche hat das Schlimmste bereits hinter sich“, zitiert das Blatt einen Analysten. Ein wichtiger Grund für das Wachstum sei die staatliche Unterstützung in Form einer Steuersenkung.

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