Internationale Presseschau vom 4.9.2007
England sucht den Super-CEO

Blattauf, blattab widmen sich die Zeitungen der Fusion von Suez und Gaz de France. Die Herald Tribune sieht einen Sieg für Sarkozy, die Times erwartet trotz erster Kursverluste gute Gewinne. Forbes porträtiert Areva-Chefin Anne Lauvergeon. Der Guardian entlarvt amerikanische Textilkonzerne, die Washington Post feiert den US-Industriesektor. Die Times begibt sich derweil auf die Suche nach Englands fantastischstem CEO.

Fusion von Gaz de France und Suez

Der » Economist schreibt, dass Nicolas Sarkozy erneut bewiesen habe, dass er „industrielle Knoten“ lösen könne – ähnlich wie beim deutsch-französischen Gerangel um Airbus. Die erste Bilanz von Sarkozy im Amt zeige jedoch ein „gemischtes Bild“. Einerseits habe er Reformen auf dem Arbeitsmarkt angestoßen und eine unternehmerfreundliche Steuerreform versprochen. Andererseits folge er in den Energie-, Raumfahrt- und Verteidigungs-Branchen einer Gaullistischen Politik der staatlichen Interventionen, weil nationale Interessen tangiert würden.

„Das Abkommen ist ein Sieg für Sarkozy, der seit langer Zeit als unerbittlicher Kämpfer für den staatlichen Einfluss auf nationale Champions in Schlüsselindustrien auftritt“, applaudiert die » Herald Tribune. Sarkozy, der als Finanzminister 2004 noch gegen eine Privatisierung von Gaz de France gewesen sei, habe geschickt verhandelt.

Die » Times versichert, dass – obwohl die Suez-Aktie im Anschluss an die Fusionsankündigung vier Prozent an Wert verloren habe – die Aussichten von GDF Suez gut seien. Der Energieriese werde viel dynamischer auftreten können als typische staatlich kontrollierte Firmen, und zwar besonders auf der internationalen Bühne. „Es könnte einen Zeitlang dauern, aber der heutige Deal wird signifikante Erlöse einbringen.“

Reaktionen aus Deutschland

Die » Süddeutsche erkennt neidlos an, dass im Nachbarland ohne großen Gegenwind „nationale Champions“ wie auf dem „Reißbrett“ entworfen werden. Jetzt gebe es mit EDF und GDF-Suez zwei staatlich dirigierte Monopole, die im eigenen Land subventionierte Tarife anböten und auch jenseits der Grenzen auf Kundenfang gehen könnten. Kritisch sieht sie die Auswirkungen der Fusion für die EU-Bürger: „Ein liberalisierter Energiemarkt, der auch den Verbrauchern in der EU Vorteile brächte, bleibt so ein Wunschgebilde.“

Auch für die » Financial Times Deutschland ist der Deal ein „Sieg für Sarkozy und den Protektionismus, ein Schlag ins Gesicht für die Europäische Union und ihre Liberalisierungsbemühungen.“ Jetzt erwartet die FTD, dass der Atomstromkonzern Areva mit dem Bergbaukonzern Eramat, dem Bauunternehmen Bouygues und dem Anlagenbauer Alstom verschmolzen werden könnte. „Dann könnte Frankreich – pardon, der neue Superkonzern – Atomkraftwerke samt komplettem Brennstoffkreislauf anbieten.“

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