Internationale Presseschau vom 5.3.2009
Achse Berlin-Moskau spaltet Europa

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert das Joint-Venture von Siemens und der russischen Rosatom, bei dem die Atomkraft-Renaissance sekundär sei. focus.de sagt US-Finanzmogul Christopher Flowers höhnisch Adieu. Outlook India beschreibt die Panik in den arabischen Emiraten vor den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Fundstück: Küssen in Zeiten der Krise.

Les Echos aus Frankreich misst die politische Reichweite der Allianz von Siemens und dem russischen Nuklearausrüster Rosatom ab, die erstaunlicherweise hochoffiziell von Wladimir Putin und der deutschen Regierung bekannt gemacht worden sei. Für die Russen habe der Austausch der Achse Berlin-Paris gegen die Achse Berlin-Moskau nur Vorteile. So sei zuletzt eine Nuklear-Kooperation mit den USA nach dem Einmarsch in Georgien auf Eis gelegt worden. "Außerdem ist Putin nicht unzufrieden damit, die Europäer zu spalten", vermutet das Blatt. Für die Deutschen sei der Schulterschluss weniger revolutionär, als er erscheine, denn Berlin sei weit davon entfernt, der Wirtschaftspartner Nummer eins der Russen zu sein. Gleichwohl signalisiere das Joint-Venture, dass Deutschland die Verbindungen mit Moskau beim Thema Energie verbessern wolle und dass Berlin anerkannt habe, dass sich der Schwerpunkt Europas nach Osten verlagert habe. Für den französischen Weltmarktführer Areva sei die Entwicklung nicht alarmierend, denn viele hätten sich bereits bei der Zusammenarbeit mit Moskau die Zähne ausgebissen. Dennoch müsse der französische Konzern künftig ebenfalls weitere Allianzen schließen, rät Les Echos.

Das geplante Gemeinschaftsunternehmen könnte zu einem Global Player auf dem weltweiten Markt für Kernkraftwerke aufsteigen, schreibt die russische Tageszeitung Gazeta. Schließlich decke das Joint Venture als einziges das komplette Spektrum, von der Uranförderung über die Brennstab-Herstellung bis zum Bau und Betrieb eines Kernkraftwerks, ab. "Nicht umsonst ist der derzeitige Noch-Partner von Siemens - die französische Areva - sauer und verweist auf ein vertragliches Wettbewerbsverbot mit Siemens", schreibt die Zeitung.

Die Berliner Tageszeitung zweifelt an den Planzahlen von Siemens, nach denen bis zum Jahr 2030 weltweit 400 neue Atomreaktoren gebaut würden. "400 neue Meiler bis 2030, das würde bedeuten, dass ab sofort alle 20 Tage ein neues Atomkraftwerk gebaut werden müsste. Folglich hätten seit Jahresbeginn schon drei neue Reaktoren ans Netz gehen müssen - doch die Statistik weist null aus. Im gesamten Jahr 2008 ist weltweit kein einziger Neubau fertiggestellt worden", rechnen die Berliner vor. In Wirklichkeit setze Siemens nicht auf eine Atomkraftrenaissance, sondern auf die anderen Sparten des russischen Konzerns, der auch Geschäfte mit der Urangewinnung und der Ertüchtigung von Altanlagen mache. Bei derzeit 436 Reaktoren weltweit sei allein dies schon lukrativ genug; auch die Stilllegung und der Rückbau von Atomkraftwerken seien ein krisensicheres Metier.

Im Wall Street Journal warnt Garry Kasparov vor einer weiteren Annäherung des Westens an die Putin-Regierung. "Nach Jahren des kriminellen Missmanagements fällt die russische Wirtschaft derzeit schneller auseinander als jede andere industrialisierte Nation. (...) Es ist längst kein Tabu mehr in Russland, offen über eine Post-Putin-Ära zu sprechen - selbst unter den Regierungstreuen." Ausländische Politiker und Unternehmer müssten sich darauf einstellen, dass Putin nicht mehr lange an der Macht bleibe. Und dass die dubiosen Deals, die er und seine Freunde im Namen von Russland, aber zu ihrem eigenen Profit einfädelten, nach ihrem Abtritt zur Disposition stünden.

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