Internationale Presseschau vom 5. Januar 2009
Schaukampf für die Europäische Union

Die internationale Wirtschaftspresse sieht im Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine vor allem einen Kampf um die Durchsetzung von Eigeninteressen. Der Observer erklärt den Erfolg des US-Discounters Wal-Mart in der aktuellen Rezession. Corriere della Sera hält die Lufthansa für den besseren Alitalia-Partner. Fundstück: Miss France ist ihren Landsleuten Wurst.

Als "Schaukampf" für Europa bewertet die Frankfurter Rundschau den aktuellen Streit zwischen Russland und der Ukraine: "Bei allem Gezänk hat man das Gefühl, dass die Herren von Gazprom und Naftogas Ukraine unter Wut zerknitterten Augenbrauen schelmische Seitenblicke Richtung Westen werfen." Die feindlichen, ostslawischen Brüder spekulierten wohl auf sehr eigennützige Nebeneffekte. Die von der Weltwirtschaftskrise gebeutelte Ukraine hoffe auf finanzielle Hilfe durch die Europäische Union, die Russen hingegen lärmten, um die massiven ökologischen und finanziellen Bedenken vieler Europäer gegen die beiden Unterwasserpipelines Nord Stream und South Stream durch Ostsee und Schwarzes Meer zu zerstreuen. "Die Europäische Union sollte tunlichst aufpassen, dass sie am Ende nicht für die Eigeninteressen beider Streithähne heftig zur Kasse gebeten wird."

In einer "Gas-Zwickmühle" wähnt die Presse aus Wien die europäischen Staaten: "Der Gasstreit, der fast schon traditionell im Jänner zwischen Russland und der Ukraine eskaliert, sollte eine Warnung sein. Auch wenn zu einem Konflikt immer zwei Parteien gehören, sieht man, dass sich Russland seiner Gasmacht bewusst ist." Bei ernsten politischen Differenzen könne Moskau durchaus auch westlicheren Ländern als der Ukraine mit kalten Wohnzimmern drohen, warnt die Zeitung. Deshalb dürfe sich Europa, auch angesichts des ständig steigenden Bedarfs, nicht mehr auf die Gutmütigkeit des russischen Bären verlassen. Projekte, um an alternative Gaslieferanten zu kommen - wie die Nabucco-Pipeline, Flüssiggas-Terminals oder Überlegungen zu einer Kooperation mit dem Iran - sollten mit Hochdruck vorangetrieben werden. Sinnvoll sei aber in jedem Fall, den grundsätzlichen Zugang zum Energieverbrauch neu zu überdenken. "Eine effizientere Nutzung ist zwar mühsam und bedeutet mitunter Änderungen alter Gewohnheiten. Damit könnte Europa jedoch seine Abhängigkeit reduzieren."

BusinessWeek glaubt, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine länger dauern wird als im Januar 2006. Während sich die beiden Kontrahenten damals innerhalb von drei Tagen geeinigt hätten, könnten dieses Mal politische wie ökonomische Überlegungen einem raschen Ende des Streits im Wege stehen. Beide Staaten hätten stark unter dem globalen Abschwung gelitten. "Die Ukraine hat im November ein 16-Milliarden-Dollar-Darlehen vom Internationalen Währungsfonds erhalten, doch noch immer ist die Regierung wie gelähmt, die Wirtschaft steckt in einer tiefen Rezession." Russland gehe es nicht besser und Gazprom habe enorme Schulden, die Aktienwerte seien seit September 2008 um 76 Prozent gefallen. "Mit dem Streit versucht Russland offenbar, die heimische Bevölkerung von den Problemen abzulenken und die politische Instabilität der Ukraine kommerziell für sich zu nutzen." Doch dieses Mal sei Europa besser vorbereitet. Aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs sei die Nachfrage nach Erdgas gesunken, viele Länder hätten Reserven angelegt. Und die Hoffnung Russlands, europäische Hilfe beim Bau neuer Pipelines zu bekommen, mache gerade dieser Abschwung vorerst zunichte.

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