Internationale Presseschau vom 5. Oktober 2009
Mohn: Unternehmer und Managementphilosoph

Die internationale Wirtschaftspresse würdigt den verstorbenen Unternehmer Reinhard Mohn und blickt in die Zukunft von Bertelsmann. Report on Business beleuchtet Bombardiers Erfolgskonzept in China. Der Economist sieht Anzeichen der Erholung auf dem Immobilienmarkt. Die Business Times will die Sirenengesänge der Banker nicht hören. Fundstück: Starbucks ist nicht länger romantisch.

Als "Jahrhundertunternehmer", "Managementphilosoph" und "Wirtschaftsweisen" würdigt das manager magazin den verstorbenen Unternehmer und Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn. "Wie kein zweiter Manager in Deutschland stellte er sich den Fragen nach der gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmers und entwickelte einen Wertekanon, dessen ethische Prinzipien nach allgemeiner Gültigkeit strebten und heute zum Allgemeingut moderner Unternehmensführung gehören." Die Selbstverwirklichung eines jeden Mitarbeiters habe er als Ziel gesehen, die Maximen des gewinnorientierten Kapitalismus und der Sozialverpflichtung des Eigentums miteinander zu versöhnen versucht. Und bei der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH (BVG) habe er darauf geachtet, nicht nur Familienmitglieder als Gesellschafter zuzulassen, sondern als Korrektiv auch den amtierenden Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG bzw. einen Mitarbeitervertreter. "In seinen letzten Lebensjahren machte Mohn allerdings einiges davon wieder rückgängig." Mark Wössner musste gehen, weil er offenkundig die Bedeutung der Familie für den alternden Patriachen unterschätzt hatte, und Thomas Middelhoffs Börsenpläne hatten einen spürbaren Mißmut bei Mohn ausgelöst. Der Verlust, den sein Tod für die Bertelsmann AG darstelle, die sich in wirtschaftlich schwieriger Lage befinde, lasse sich nicht ermessen. Mohn sei Stifter und Ideengeber, Identifikations- und Integrationsfigur gewesen, er habe sich unersetzlich gemacht. "Die Zukunft wird zeigen, welche Rolle seine Tochter Brigitte, die er in seinem letzten Buch zu seiner geistesverwandten Nachfolgerin gekürt hat, künftig spielen wird."

Reinhard Mohn und seine Frau Liz hätten all die Jahre die Firma fest im Griff gehabt und ihren Charakter und ihre Ausrichtung bestimmt, schreibt die Financial Times . Das habe sowohl Mark Wössner als auch Thomas Middelhoff den Job gekostet, aber auch zu den Strukuren geführt, die dem Bertelsmann-Konzern bis heute die Unabhängigkeit sichern. "Dennoch: Bertelsmann konnte den Problemen, mit denen alle Medienunternehmen weltweit konfrontiert werden, nicht entkommen, der ganze Sektor erfährt grundlegende, strukturelle Veränderungen." Vorstandsvorsitzender Hartmut Ostrowski versuche derzeit, das Unternehmen strategisch neu zu positionieren. So habe die Sony-Gruppe aus Japan die 50 Prozent an Sony BMG übernommen, die Bertelsmann bislang gehalten habe: "Reinhard Mohn hat diese Entwicklung bis zuletzt begleitet und ist im Unternehmen immer präsent geblieben."

Ein "großes Vermächtnis", aber auch eine "gewaltige Hypothek" hinterlässt Reinhard Mohn nach Meinung der Süddeutschen Zeitung. Das Wachstum stocke, im ersten Halbjahr habe Bertelsmann einen Verlust von 333 Millionen Euro gemacht. In allen Unternehmensbereichen werde kräftig gespart, auch in der Zentrale würden Stellen abgebaut. "Mohn war eine wahre Identifikationsfigur, heißt es im Konzern. Die wird fehlen - gerade in den schwierigen Zeiten der großen Umbrüche und bei der Suche nach der Strategie." Zwar habe Mohn vorgesorgt: Der Konzern mit mehr als 100.000 Beschäftigten in 50 Ländern dürfte jetzt, nach seinem Tode, nicht so schnell zum Übernahmekandidaten werden. Doch die Perspektiven seien düster: "Mohn ließ Bertelsmann vor drei Jahren vom belgischen Investor Albert Frère 25,1 Prozent der Anteile zurückkaufen. Die Familie verhinderte damit einen Börsengang des Konzerns und sicherte ihren vollen Einfluss. Doch der Konzern musste auch die gewaltige Summe von 4,5 Milliarden Euro an Frère zahlen und leidet seitdem unter hohen Schulden." Der Spielraum von Konzernchef Hartmut Ostrowski und Finanzchef Thomas Rabe sei damit ziemlich begrenzt. "Ostrowski hat bei seinem Amtsantritt Anfang 2008 den Mohns Wachstum versprochen. Doch die Konjunktur lahmt, und Ostrowski muss sanieren." Viele im Konzern fürchteten nun, dass Ostrowski sich künftig auf die lukrativen Dienstleistungsbereiche konzentriert - und das Mediengeschäft vernachlässigt.

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