Internationale Presseschau vom 6.2.2009
Schwache Bilanz, starke Botschaft

Die internationale Wirtschaftspresse findet trotz Rekordverlust lobende Worte für die Deutsche Bank. Die Welt beschreibt das Ringen um den Posten des Bahn-Chefs in der Bundesregierung. L'Expansion sieht Christian Streiff bei PSA in der Bredouille. Laut Türkiye Gazetesi will Istanbul weltweite Finanzmetropole Nummer eins werden. Fundstück: Hendl am Bosporus.

Die Deutsche Bank hat gestern den ersten Jahresverlust seit dem Zweiten Weltkrieg für 2008 ausgewiesen. Die Neue Zürcher Zeitung lobt das Institut dafür, dass es als letzte deutsche Großbank ihr Schicksal noch selbst bestimme könne. Zum einen schaffe sie rasch Remedur, wenn sie Fehler – wie im Eigenhandel – erkannt habe; außerdem habe sie ihre kritischen Wertpapierbestände nach dem Motto „Weg mit Schaden“ radikal abgebaut. Schließlich sei sie weiterhin ohne Staatshilfe unterwegs – ein Pfund, mit dem sie wuchern könne, denn sie gestalte ihr Geschäftsmodell so, wie sie das für richtig halte. „Während andere Banken Risiken mit spitzen Fingern anfassen, hält Ackermann dabei an der zentralen Rolle des Investment Banking fest. Dass seine Rechnung aufgeht, mag mancher nach dem miserablen Vorjahr bezweifeln“, setzt das Blatt einen kritischen Schlusspunkt.

Der Focus singt ein Loblied auf Josef Ackermann, der zwar immer wieder ins öffentliche Fettnäpfchen trete, das Image der Deutschen Bank als „unantastbaren Champion der deutschen Bankenlandschaft“ aber damit nie beschädigt habe – dieses Image sei das vielleicht größte Vermögen, das Ackermann in dieser Finanzkrise besitze. Man müsse Ackermanns Strategie der starken und selbstbewussten Botschaften nicht mögen, aber sie gehe voll auf. „Allein in Deutschland hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 420.000 neue Kunden gewonnen. Weltweit waren es 800.000, die insgesamt 15 Milliarden Euro neue Einlagen mitbrachten. Ein erstaunlich hoher Wert. Offenbar betrachten diese Menschen die Bank tatsächlich als sicheren Hafen.“

Nachdem Mitte Januar gemeldet wurde, dass Boaz Weinstein, Co-Leiter des Kredithandels bei der Deutschen Bank, das Institut verlassen werde, um einen eigenen Hedge-Fonds zu gründen, beschreibt das Wall Street Journal minutiös den Niedergang eines der „heißesten Händler der Wall Street“. Als „Schach-Meister, Poker- und Blackjack-Liebhaber“ sowie Top-Trader habe Weinstein große Wetten mit komplexen Finanz-Instrumenten abgeschlossen und der Bank große Gewinne sowie sich selbst ein Jahresgehalt von 40 Millionen Dollar beschert. 2008 habe sein Unternehmensbereich allerdings dem Institut einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar eingebracht und somit einen großen Teil zum Jahresverlust beigesteuert. Die Verluste, schreibt das WSJ, seien die „jüngste Erinnerung an die Herausforderungen der neuen Ordnung in der Finanzwelt“. Während die Wall-Street-Firmen früher einen großen Teil ihrer Profite durch das hochriskante Geschäft aggressiver Händler erwirtschaftet hätten, seien sie nun auf der Suche nach neuen Erlösquellen. Trotz der jüngsten Bauchlandung hielten Investoren Weinstein die Stange und engagierten sich bei seinem neuen Fonds – im Sommer wolle Weinstein loslegen.

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