Internationale Presseschau vom 6.4.2009
USA: Schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg

Vor dem Hintergrund der US-Rekordarbeitslosenzahlen versucht sich die internationale Wirtschaftspresse an Prognosen zur weiteren Entwicklung der Rezession. Forbes glaubt, dass Robert Murdoch Google vor Gericht bringen will. Economist und Expansión analysieren den Zustand des spanischen Bankenmarktes. Fundstück: Geld verdienen mit Mrs. Obama.

Noch in der letzten Woche habe man glauben können, es gehe möglicherweise bergauf mit der Wirtschaft, doch die US-Arbeitslosenquote für März habe alle Hoffnungen zunichte gemacht, meint die New York Times : "663.000 weniger Jobs, das macht zwei Millionen weniger in 2009, und 5,1 Millionen weniger seit Dezember 2007. Es gibt nun keinen Zweifel mehr: Die aktuelle Rezession wird die längste in Amerika sein seit dem Zweiten Weltkrieg." Die beiden dringendsten Fragen sei nun, wie lange die Rezession andauern und wie schlimm sie werden könne. "Die traditionellen Wege sind versperrt. Ein Aufschwung wird im Allgemeinen durch den Immobilienmarkt getragen, doch dieses Mal wird dieser Sektor wohl kaum den zündenden Funken liefern." Auch auf den Export könne man nicht hoffen, werde dieser doch von der Automobilindustrie dominiert. Und schließlich könne auch das im Februar verabschiedete Rettungspaket der Regierung Obama nicht so viele neue Jobs schaffen, die nötig wären, um die aktuelle Entwicklung umzukehren. "Der Staat muss noch mehr Anreize schaffen, gezielt etwas für die Mittelklasse tun und progressive Arbeitsmarktpolitik betreiben", fordert das Blatt.

"Bullenmarkt bei der Regierung" übertitelt das Wall Street Journal eine Analyse über Ursachen und Folgen des Rekordhochs der Arbeitslosenzahlen: "Ziemlich jeder private Industriesektor hat im letzten Monat Arbeitsplätze angebaut. Es scheint, als ob nur noch die Regierung in diesen Tagen neue Leute einstellt. Zwar hat sie im März auch 5000 Stellen abgebaut, aber seit Februar 2008 immerhin 97.000 Arbeitsplätze geschaffen." Das sei zwar löblich, doch es dränge sich die Frage auf, woher das neuerliche Wachstum im Privatsektor überhaupt kommen solle. "Barack Obamas Stimulusplan hilft nicht gerade den strauchelnden Industriezweigen, und die höheren Einkommenssteuern hindern kleinere Unternehmen, zu expandieren und zusätzlich Jobs zu schaffen." Problem seien die Keynesianer, die die Obama-Administration bevölkerten, sie glaubten, dass öffentliche Ausgaben die Wirtschaft ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen. "Doch all diese Ausgaben der Regierung müssen irgendwoher kommen, und das heißt, entweder über Steuern oder über Darlehen von privaten, risikofreudigen Unternehmern, die die ultimativ letzte Quellen für neuen Reichtum und neue Jobs sind. Je länger wir diese Tatsache ignorieren, um so länger wird die Rezession auf dem Arbeitsmarkt andauern."

Nicht nur Hoffnung schöpft dagegen die Süddeutsche Zeitung aus der aktuellen Entwicklung in den USA - trotz Rekordarbeitslosenzahlen. Die Zeitung meint sogar, dass die schlimmste Phase der Rezession dort vorbei sein könnte, denn nach "einer alten Regel laufen die Börsen der Realität voraus." Selbst wenn sich der Aufschwung an den Börsen als "Bärenfalle" entpuppen sollte, gebe es einige positive Anzeichen: So sei der Absatz in der Autoindustrie im März um 37 Prozent zurückgegangen; im Februar habe das Minus noch bei 41 Prozent gelegen: "Insgesamt wurden 857 735 Autos verkauft, so viele wie seit September nicht mehr." Die Industrieproduktion schrumpfe zwar weiter, aber das Tempo gehe seit Januar zurück. Auch das Konsumklima scheine sich zu stabilisieren. Dennoch seien die meisten Ökonomen vorsichtig, alle Prognosen seien mit Risiken behaftet. "Und auch wenn sich die allgemeine Lage verbessert, die Arbeitslosigkeit wird bis in den Herbst hinein auf jeden Fall weiter steigen. Der Arbeitsmarkt läuft der allgemeinen Konjunktur immer hinterher."

Seite 1:

USA: Schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%