Internationale Presseschau vom 6.8.2009
Oppenheim: Offenbarungseid und Selbstverleugnung

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt den möglichen Einstieg der Deutschen Bank bei Sal. Oppenheim. Laut Süddeutscher Zeitung plant Wirtschaftsminister zu Guttenberg eine Zwangsverwaltung für Banken. Fortune sagt den TARP-Geldern Adieu. Vedomosti erklärt das Absatz-Plus bei Lada. Fundstück: Krise, Kirche und Credit.

Nachdem gestern bekannt wurde, dass Sal. Oppenheim mit der Deutschen Bank über einen Einstieg - zunächst geht es offenbar um 35 bis 45 Prozent - verhandelt und eine spätere Mehrheitsübernahme nicht ausgeschlossen wird, schlägt die Meldung hohe Wellen in der Presse. Aus Sicht der Börsen-Zeitung ist die Ausweitung des Geschäfts mit der „margenträchtigen Randgruppe der Superreichen“ für die Deutsche Bank durch den Einstieg bei Oppenheim ein Quantensprung: Europas führendes Privatbankhaus habe Ende 2008 Kundenvermögen von 132 Milliarden Euro betreut, unwesentlich weniger als die 164 Milliarden Euro der Deutschen Bank im Private Wealth Management. Für Oppenheim werde es indes schwer, die jüngste „Kulturrevolution“, besonders den Verlust der Unabhängigkeit – das stets alles überragende Ziel der seit Gründung im Familienbesitz befindlichen Bank –, den Kunden zu vermitteln. Dass die Bank ihre jahrhundertelang verinnerlichte Unternehmensphilosophie derart radikal, bis hart an die Grenze zur Selbstverleugnung, umschreibe, müsse durch die große Not bedingt sein. Zuletzt sei Oppenheim immer öfter auf dem falschen Gleis gefahren: Die Börsen-Zeitung verweist auf das „Riesenrad“, das an den Finanzmärkten gedreht worden sei, das Abenteuer mit den Industriebeteiligungen sowie die etwas „halbseidene“ Fondskonstruktionen.

Die britische Financial Times schreibt, die Bank habe turbulente Episoden in ihrer Geschichte überstanden – der mögliche Einstieg der Deutschen Bank wäre eine weitere Revolution für die 1789 gegründete Bank. „Überließe sie der Deutschen Bank eine Minderheitsbeteiligung oder sogar die Kontrolle, wäre dies das Ende der Prahlerei von einer stolzen Unabhängigkeit, die sie als eine ihrer Hauptattraktionen für die Kunden bezeichnet.“ Gleichwohl gebe es einige in Deutschland, für die eine Beteiligung der Deutschen Bank der logische Schluss nach einigen „glühenden“ Monaten der Bank sei. So habe Oppenheim 2008, nach einem Jahr mit Rekordgewinn, erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg einen Verlust ausgewiesen – analog zur Deutschen Bank. Zuletzt habe die Ratingagentur Fitch wichtige Bonitätsnoten der Privatbank und ihrer Tochter BHF-Bank gesenkt.

Die Neue Zürcher Zeitung untersucht den im vergangenen Dezember in Gang gesetzten Konsolidierungsprozess im Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft, bei dem sich klar verteilte Rollen abzeichneten: In Schwierigkeiten geratene ausländische Finanzgruppen versilberten in der Not ihre von der Schweiz aus operierenden Privatbanken an Akteure, die sich rechtzeitig auf das veränderte Umfeld eingestellt und ihre operative Ertragskraft gewahrt hätten. So werde mit der Muttergesellschaft auch die in Zürich ansässige Bank Sal. Oppenheim (Schweiz) die Hand wechseln. Zuvor hätten bereits die Commerzbank, Dresdner Bank und die angeschlagene Versicherungsgruppe AIG ihre Schweizer Töchter abgestoßen. „Anders als in vergangenen Boomjahren ist die Zeit für solche Arrondierungen günstig. Die Preise sind so tief (1% bis 2% der verwalteten Vermögen) wie schon lange nicht mehr.“

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