Internationale Presseschau vom 7.10.2009
Australien: Avantgarde der Weltwirtschaft

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Entscheidung der Australischen Reservebank, als erstes G20-Land die Leitzinsen wieder anzuheben. Il sole 24 Ore untersucht den deutschen Fiat-Boom. Veckans Affärer verfolgt skeptisch Microsofts Aufholjagd auf dem Handymarkt. Braucht die Welt die G7 noch, fragt Business Times. Fundstück: Der irische Klopapiertiger.
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Die Entscheidung der Australischen Zentralbank, den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf 3,25 Prozent anzuheben, markiere einen bedeutenden Moment in der Entwicklung der globalen Finanzkrise, kommentiert das Wall Street Journal. Australien sei nicht nur das erste G20-Land, das diesen Schritt wage. Interessanter seien vor allem die Gründe für diesen Schritt, die gewisse Rückschlüsse auf die erwartete Welle der Zinssteigerungen in verschiedenen Ländern im kommenden Jahr erlaube. "Der Grund dürfte im rasanten Anstieg der Immobilienpreise liegen", glaubt das Blatt. Auch Norwegen und einige asiatische Staaten wie Indien, Südkorea und Taiwan hätten schwer mit der überschüssigen Liquidität zu kämpfen. Am Beispiel Australiens könnten auch diese Staaten bald "gegen den Strom schwimmen" und dem Überschwang mit Zinserhöhungen ein Ende bereiten.

Für die Financial Times kommt der Schritt der Australischen Zentralbank unerwartet. Zwar seien die Wirtschaftsdaten des Landes durchaus ermutigend, allerdings sei es schwierig, echtes Wachstum von einer staatlich befeuerten Nachfrage zu unterscheiden. Die staatliche Finanzhilfe sei zum Beispiel in Australien im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt am höchsten im Vergleich der Industrienationen. Auch die Währung habe die Anhebung um 0,25 Prozentpunkte nicht benötigt. Allerdings sei die vorherige Senkung um mehr als vier Prozentpunkte auf drei Prozent auch eine Notfallmaßnahme gewesen. "Dieser Notfall scheint überwunden zu sein", analysiert das Blatt. Das Land scheine die globale Krise in nur einem Quartal mit sinkender Wirtschaftsleistung überwunden zu haben.

Die Zinserhöhung der Zentralbank sei verfrüht und gefährlich, poltert der Business Spectator aus Australien. Zwar sei das Land deutlich glimpflicher davon gekommen als andere entwickelte Staaten und habe vom chinesischen Boom profitiert. Trotzdem hänge Australien sehr stark von den USA und dem Rest der Weltwirtschaft ab. "Australien lebt nicht in einem Immunitätsvakuum", schreibt das Blatt. "Warum hat das Land mit der Zinserhöhung demonstriert, dass das Schlimmste vorbei ist, obwohl die USA nach Ansicht vieler Ökonomen vor weiteren dicken Problemen stehen", fragt das Blatt. Der Schritt stehe vor allem zu den massiven Staatshilfen im Widerspruch, durch die Australien bisher die Krise gemeistert habe. "Es scheint, als lehne die Zentralbank den potenziellen Einfluss einer Verschlechterung der Lage in den USA auf Australien ab", kritisiert dir Zeitung.

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