Internationale Presseschau vom 7.11.2008
Die Vermessung der Welt

Die internationale Wirtschaftspresse stellt eine wirtschaftspolitische Agenda für Barack Obama auf, hofft dabei auf den Export und spekuliert über den neuen Finanzminister. Die Gulf Times fragt, ob die Finanzkrise im Kreml ein Reform-Katalysator sei. Der Dinero analysiert den Vormarsch von BMW in Lateinamerika. Fundstück: Teilauflage für die Tonne.

Fortune stellt eine wirtschaftspolitische Agenda für Obama auf. Angesichts kurzfristiger Gefahren wirke es zwar kontraproduktiv, die Bevölkerung auf langfristige Ziele einzustimmen - aber genau dies sei vonnöten. "So funktionieren großartige Organisationen, und das braucht dieses große Land derzeit dringend." Konkret fordert das Blatt, die "protektionistischen Impulse" beiseite zu schieben und den Wettbewerb mit der Welt aufzunehmen, um den Anteil des Exports am Bruttoinlandsprodukt von aktuell 12 auf 17 Prozent zu erhöhen - was realistisch sei, da der Anteil in Deutschland bei über einem Drittel liege. Dazu müsse das Department of Commerce in Department of Exports and Imports umbenannt und als Teil der Bundesregierung gestärkt werden. Außerdem solle Obama einen mit zehn Millionen Dollar dotierten Ideenwettbewerb unter den wichtigsten Unternehmensberatungsfirmen des Landes ausschreiben: Wie kommt das Land, Region für Region, Branche für Branche, weiter? Schließlich müssten die staatlichen Ausgaben für Forschung in der Industrie ausgeweitet werden.

Eigentlich könnte sich Barack Obama in Sachen Wirtschaftspolitik halbwegs beruhigt zurücklehnen, meint der Stern - unter einem Demokraten sei es der US-Wirtschaft bisher im Schnitt stets besser als unter einem Republikaner ergangen. Gleichwohl erforderten das enorme Haushaltsdefizit (mehr als 450 Milliarden Dollar in 2008) und die drohende Rezession schnelles Handeln. Obamas Rezepte seien im Wahlkampf deutlich geworden: mehr Staat, mehr Regulierung, Steuererleichterung für die Mittelschicht, Steuererhöhung für die Wohlhabenden. Ob der neue Präsident jedoch insbesondere die stärkere Beaufsichtigung von Finanzunternehmen, die Steuergelder erhalten, und die strengere Reglementierung des Wertpapierhandels durchsetzen könne, hänge vor allem vom künftigen Finanzminister ab, einer der Schlüsselpositionen in Obamas Kabinett.

The New Republic spekuliert über den künftigen Chef des US-Finanzministeriums: Als aussichtsreichste Kandidaten macht das Magazin den aktuellen Präsidenten der Federal Reserve Bank in New York, Tim Geithner, sowie den früheren Finanzminister in der Regierung von Bill Clinton, Larry Summers, aus. Obama hege, wie im Umfeld des designierten Präsidenten zu hören sei, beiden Kandidaten gegenüber "warme Gefühle". Die Unterschiede zwischen beiden Kandidaten sind nach Einschätzung des Politikmagazins klein: Summers wie auch Geithner hätten im Falle von Lehman Brothers ein energischeres Auftreten der Regierung und grundsätzlich eine systematischere Herangehensweise an die Finanzkrise favorisiert. Möglicherweise hätte sich Summers in der Position von Geithner lauter öffentlich zu Wort gemeldet oder Paulson und Bernanke auf sein Position gezogen - was vielleicht jedoch kontraproduktiv gewesen wäre, da die Märkte nicht gut auf Dissens unter Politikern reagierten.

Seite 1:

Die Vermessung der Welt

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%