Internationale Presseschau vom 7.5.2009
Porsche, VW: Weißer Rauch über Salzburg

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die geplante Fusion von Porsche und VW. Laut Financial Times wird der Stress-Test für die kontrollierten Banken teuer. Kommersant gibt dem russischen Opel-Interessenten GAZ eine miserable Note. CincoDías fordert staatliche Hilfen für die spanische Autobranche. Fundstück: Veronica erobert Google.

Nachdem die Übernahme von VW durch Porsche wegen des hohen Schuldenbergs beim Sportwagenbauer gescheitert ist, streben die Autohersteller eine Fusion zu einem integrierten Konzern an. Aus Sicht der Financial Times Deutschland klingt der Plan, eine einheitliche Führungsgesellschaft zu bilden, in der zehn Marken nebeneinander existieren, konkreter, als er es tatsächlich sei. Offen bleibe, wie weit Porsches Eigenständigkeit in einer solchen Konstruktion reichen werde. "Sinn des Zusammenschlusses ist ja gerade, durch intensive Kooperation Produktionskosten zu senken. (...) An einer stärkeren Zusammenarbeit und dem teilweisen Verlust der technologischen Eigenständigkeit der Marken führt daher kein Weg vorbei." Mit Blick auf die künftigen Eigentumsverhältnisse rechnet die FTD mit weiteren Konflikten unter den Familienclans Porsche und Piëch: So bleibe unklar, ob die Porsche-Holding in der Volkswagen AG aufgehen oder die Zuffenhausener eine Sonderrolle beanspruchen werden.

Die New York Times geht davon aus, dass angesichts der Sonderrolle von Porsche inmitten der zehn Marken unter dem neuen Konzerndach ein weiterer Machtkampf mit VW wahrscheinlich sei. Doch immerhin hätten sich die Familien offenbar geeinigt, wodurch das größte Hindernis in einer von Europas längsten Unternehmensfehden ausgeräumt worden sei. Im neuen Unternehmen werde Wiedeking, wie aus Unternehmenskreisen zu hören gewesen sei, eine dominantere Rolle als bisher spielen.

Nach der Analyse der Süddeutschen Zeitung hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking beim Versuch der Übernahme von VW eine Rochade zu viel unternommen. Bei der am Schach-Spiel orientierten Strategie - taktisch klug vorgehen und nie den nächsten Schritt verraten - hätten Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter lange Zeit erfolgreich operiert und VW-Aktien bis zu einem Anteil von inzwischen 50,2 Prozent zusammengekauft: durch ein schwer zu durchschauendes System vieler kleinerer Einzelgeschäfte mit verschiedenen Laufzeiten, die lange unauffällig platziert worden seien. "Mit solchen raffinierten Schachzügen waren Wiedeking und Härter erfolgreich, sie machten sich damit aber keine Freunde", rekapitulieren die Münchner. Denn in der Finanzkrise seien die Banken misstrauisch, weshalb aus den Finanziers Feinde geworden seien, "die fragten statt zahlten, die zögerten und finassierten - so wie es zuvor die Drahtzieher von Porsche getan hatten."

Dass sich beide Familienzweige zusammenraufen würden, war nach Einschätzung der Presse allein aus formalen Gründen abzusehen. "Denn ähnlich wie bei einer Papstwahl musste die Familie früher oder später zu einer Einigung finden, die sie im Aufsichtsrat mit einer Stimme sprechen lässt. Dazu hatten sie sich vertraglich verpflichtet." Unabhängig von der Ausgestaltung des "integrierten Autokonzerns", würden Wolfsburg und Stuttgart künftig weit näher zusammenrücken, prognostiziert das Blatt. "Der VW-Konzern dürfte davon profitieren, wenn er vom kaufmännischen Geschick des profitabelsten aller Autobauer lernen kann. Porsche wiederum spürt den Gegenwind der schärferen EU-Abgasregeln und braucht das Know-how von VW bei neuen Antriebstechnologien, deren Entwicklung für den Sportwagenbauer allein zu teuer wäre." Fazit: VW und Porsche sei, unter welcher Ägide auch immer, eine sinnvolle Liaison, bei der alles in der Familie bleibe. "Seit gestern scheint erst einmal gesichert, dass sich diese nicht vorher zerfleischt."

Seite 1:

Porsche, VW: Weißer Rauch über Salzburg

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%