Internationale Presseschau vom 7.7.2009
GM im Zwiespalt zwischen Staat und Markt

Die internationale Wirtschaftspresse nimmt die Zukunftsaussichten des „neuen“ General-Motors-Konzern genauer unter die Lupe. Fortune porträtiert den Technologieinvestor Marc Andreessen. Les Echos sieht Herbststürme bei EDF aufziehen. Vedomosti empfiehlt, den russischen Autobauer VAZ in die Insolvenz zu schicken. Fundstück: Madoff reicht an Monte Christo nicht heran.

Nach der richterlichen Genehmigung des Restrukturierungsplans für General Motors (GM) und der nun anstehenden Gründung der „neuen“ GM, zieht die Financial Times eine Bilanz der ersten 100 Tage von CEO Fritz Henderson. „Nur wenige würden bestreiten, dass er seinem Mantra ‚Wir müssen mehr tun, und wir müssen es schneller tun‘ gerecht geworden ist.“ Dennoch sei nicht jeder überzeugt, dass Henderson auch in Zukunft der Richtige sei: „Es ist schwer zu sagen, ob Henderson GM ändert, oder ob die derzeitigen Umstände das Unternehmen dazu zwingen.“ Immerhin habe Henderson den Konkurs gewagt, ein Schritt, den sein Vorgänger Rick Wagoner nicht gehen wollte. Auch habe der Autobauer seine Kapazitäten in Einklang mit sinkenden Absatzzahlen und Marktanteilen gebracht, Marken geschlossen, Verträge mit Händlern nicht verlängert. „Das neue Unternehmen wird in einem guten Zustand sein, mit effizient arbeitenden Fabriken und global integrierten Produktentwicklungsprozessen”, führten die Henderson-Befürworter an. Die einzige Unbekannte sei die Nachfrage der Verbraucher. Andere meinten dagegen, dass GM noch immer nicht realisiert habe, dass sich die Firma selbst in diese Krise gefahren habe. Ein Indiz dafür sei Opel: „Noch immer insistiert GM bei den Verhandlungen mit potenziellen Käufern auf ein Rückkaufrecht seiner Anteile.“

Das Wall Street Journal rückt die Forderung, GM müsse sich nun in ein „grünes Unternehmen“ wandeln, in den Fokus. „Nicht nur die Frage, welche neuen Autos GM herstellen wird, ist von Bedeutung, sondern auch die Frage, wo diese Autos hergestellt werden.“ So habe sich GM gerade entschieden, eine neue Fabrik in Michigan zu bauen, weil diese eine bessere CO2-Bilanz aufweise als Mitbewerber aus Tennessee und Wisconsin. „Das Gezerre um den Standort spiegelt GMs Kampf wider, den Umweltzielen der neuen Besitzer – der US-Regierung – in Einklang mit den Realitäten am Markt zu bringen.“ Umweltgründe für eine Standortentscheidung zu zitieren, erscheine merkwürdig für eine Firma, die gerade dabei sei, wieder auf die Füße zu kommen. Ähnliches sei auch zur Herstellung Kraftstoff sparender Modelle zu konstatieren: „Sie werden GM nicht das Überleben sichern, und nicht nur, weil die Benzinpreise in den USA immer noch günstiger sind als in anderen Regionen: Sie rechnen sich einfach nicht.“ So bezweifelten Analysten, dass der Bau kleiner Kompaktautos in den USA Sinn mache: „Die Handelsspannen sind aufgrund der Konkurrenz zu Toyota oder Honda hauchdünn, weil die Arbeitskosten in den asiatischen Staaten niedriger sind.“

In einer Zwickmühle sieht BusinessWeek das Detroiter Traditionsunternehmen hinsichtlich seines Korea-Geschäfts: „GM Daewoo hat 2008 einen Verlust von 702 Millionen Dollar gemacht, die Absatzzahlen haben sich im ersten Halbjahr 2009 auf 261.000 verkaufte Autos halbiert. Insider gehen davon aus, dass Daewoo ernsthaft in einen Engpass geraten könnte.“ Dennoch könne es sich GM nicht leisten, die Korea-Abteilung einfach aufzugeben: „Die Koreaner haben das Know How zur Entwicklung kleiner Autos, und die braucht GM unbedingt in seiner Palette.“ Außerdem sei der Standort wichtig für die Niederlassungen in China. Und schließlich stelle Daewoo einen neuen Chevy Compact her, den GM ins Rennen gegen den Toyota Corolla und den Honda Civic schicken wolle. Daewoo spiele somit eine bedeutende Rolle in der neuen GM-Geschäftsstrategie. Die Korea Development Bank, die bereits 28 Prozent an Daewoo halte, komme GM mit Stundungen entgegen. Denn auch Seoul wolle nicht, dass die GM-Dependance schließt, Tausende von Jobs hängen daran. „Für Korea ist Daewoo ein guter Zwischenweg zwischen den qualitativ hochwertigen, aber teuren Autos aus Japan und den preiswerten aus China.“ Ein neuer Deal zwischen GM und der KDB sei deshalb wahrscheinlich: „Beide können es sich nicht leisten, Daewoo in den Ruin zu schicken.“

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