Internationale Presseschau vom 7. September 2009 G20-Treffen: „Im Westen nichts Neues“

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Ergebnisse des Treffens der G20-Finanzminister in London. La Tribune freut sich über eine mögliche Allianz zwischen PSA Peugeot und Mitsubishi Motors. Expansión kritisiert die halbherzigen Konjunkturmaßnahmen in Spanien. Fundstück: Krawatten fressen zu viel Strom.
  • Peggy Pfaff
Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

„Höheres Eigenkapital, Fokus auf systemische Risiken, antizyklisches Handeln zum Aufbau von Kapitalpuffern, bessere Anreize und Boni - all diese Themen sind seit dem Treffen der G20 in Washington im vergangenen November bekannt“, konstatiert der Economist. Das Problem des jetzigen Treffens der Finanzminister sei deshalb gewesen, irgendetwas Neues finden und sagen zu können. „Und das wird auch das Problem in Pittsburgh, beim richtigen Gipfel sein. Doch ist das wirklich relevant? Eigentlich nicht, denn das Weltfinanzsystem zu reformieren, braucht nun mal Zeit.“ Dennoch lauerten einige Gefahren: Das Treffen in London habe beunruhigende Gräben zwischen den USA und Großbritannien auf der einen und Europa auf der anderen Seite offenbart. Und durchaus sinnvolle Forderungen müssten in nachhaltige Änderungen münden. „Außerdem handelt es sich bei eingen Reformansätzen um ziemlich trockene Materie: Es ist sicher einfacher, über die Entlohung von Bankern zu sprechen als über die Eigenkapitalquote.“ Das Treffen habe somit nur den Ball am Rollen gehalten, mehr nicht.

Eine Eingung auf genereller Basis, viele Fragen offen - so lautet das Fazit des Wall Street Journals zu den Ergebnissen des Treffens der G20-Finanzminister. So sei man zwar überein gekommen, die Boni der Banker zu beschränken, wie genau das umgesetzt werden könne, sei aber vollkommen offen - genauso wie die Frage nach neuen Regeln für die Banken oder nach dem besten Zeitpunkt für den Ausstieg aus Stimuluspaketen: „Es solle gemeinsame, koordinierte Strategien für die Einstellung von Förderprogrammen geben, gleichzeitig wurde aber betont, dass Umfang, Zeitpunkt und Ablauf der Maßnahmen dazu von Land zu Land variieren könnten.“ Das höre sich nach Koordination an, aber in der Realität werde es womöglich keine Koordination geben. „Das heißt, dass Zentralbanken ihre Leitzinssätze zu unterschiedlichen Zeiten anheben und Regierungen aus ihren Förderprogrammen aussteigen könnten - was Wechselkurse und Gewinne aus Anleihen in unvorhersehbarer Weise beeinflussen würde“, warnt das Blatt. So viele Details hätten die Minister vermissen lassen, dass alle Erwartungen und Hoffnungen nun an den Gipfel am 24. und 25. September in Pittsburgh geknüpft werden müssten.

Die Financial Times bewertet das vorliegende Ergebnis bei aller Kritik positiv: „Die Finanzminister haben eine weit reichende Vereinbarung zum Schutz des globalen Bankensystems gegen systemische Schocks verabschiedet.“ Nun müssten sich die Regierungen lediglich an die Arbeit machen und die Details festlegen, denn vieles sei noch ungesagt, und so gebe es noch Raum für viele Verhandlungen. Insbesondere die Forderung von US-Finanzminister Timothy Geithner nach strengeren Eigenkapitalregeln werde nicht bei allen Ländern auf Vorliebe stoßen. Umstritten sei auch der Vorschlag, eine Gesamtverschuldungsgrenze für Banken festzulegen, die auch Aktivitäten berücksichtige, die nicht in der Bilanz auftauchen. „Das hätte Folgen für Darlehen, die Banken am Kapitalmarkt aufnehmen.“

Pragmatismus statt Protektionismus

„Strenge Regeln für ausländische Investoren“, fordert die Financial Post mit Blick auf die mögliche Übernahme zweier Ölsandprojekte im kanadischen Alberta durch PetroChina für 1,7 Milliarden Dollar. Zum einen könne der Deal den Amerikanern signalisieren, dass Asien kanadisches Öl kaufe, wenn sie es nicht tun. Zum anderen habe es in jüngster Vergangenheit negative Beispiele gegebenen, die die Einführung „strikter, neuer Regeln“ für ausländisches Engagement in der kanadischen Wirtschaft sinnvoll erscheinen lasse. So habe U.S. Steel in 2007 Stelco übernommen und trotz Versprechen, die Arbeitsplätze zu erhalten, einige Monate später die Schließung der kanadischen Standorte angekündigt. Derzeit laufe noch der Prozess gegen U.S. Steel. Der brasilianische Minenkonzern CVRD habe 2006 Inco erworben und müsse nun ebenfalls die Nichteinhaltung von Versprechen erklären. Ausländischen Investoren genau vorzugeben, wie und zu welchen Bedingungen sie kanadische Unternehmen übernehmen oder sich an ihnen beteiligen könnten, sei deshalb nicht protektionistisch, sondern pragmatisch.

Vorsichtige Allianz in der Autobranche

Über eine zukunftsweisende Nachricht aus der von Krisen erschütterten Automobilbranche freut sich La Tribune: PSA Peugeot und Mitsubishi Motors ziehen eine Allianz in Erwägung. Zwar seien beide in den roten Zahlen (die Franzosen zuletzt mit ein bis zwei Milliarden Euro, die Japaner zuletzt mit 430 Millionen Euro), doch keiner der beiden Hersteller sei verloren. „Auch wenn PSA Peugeot dreimal so viele Autos verkauft wie Mitsubishi, würden sich ihre Modellpaletten gut ergänzen: Der eine baut kleine und kompakte Autos und Diesel, der andere baut Allrad-Modelle und hat Zugang zu Märkten in Asien und den USA.“ Beide seien längst Partner, ihr nächstes gemeinsames Projekt sei der iMiev, das erste Auto mit Elektroantrieb, das Mitsubishi baue. „Eine Allianz zwischen den beiden, die formaler und stärker auf gemeinsame Ziele ausgerichtet ist, erinnert an den Coup von Renault, die 1999 bei Nissan eingestiegen sind, nur diese Allianz wäre nicht so risikoreich. Die Vorsicht, für die die Familie Peugeot bekannt ist, sie ist kein leeres Wort.“

Kritik an halbherzigen Konjunkturmaßnahmen

Die spanische Wirtschaftszeitung Expansión blickt wehmütig nach Deutschland, Frankreich und die USA. Dort habe die Wirtschaftskrise allem Anschein nach ihre Talsohle durchschritten und die Menschen blickten optimistisch in die Zukunft. Selbst in Portugal und Griechenland gehe es langsam wieder bergauf. Allein in Spanien könne trotz der euphorischen Haltung der Regierung von Aufschwung keine Rede sein. Im Gegenteil: Der Sparkassenverband rechne mit über 20 Prozent Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr. Sämtliche Konjunktur belebende Maßnahmen der Regierung hätten versagt. Die spanische Wirtschaft habe mit mehreren Problemen gleichzeitig zu kämpfen. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, schwache Exportzahlen und ein falsches Wachstumsmodell gehörten dazu. Die größten Probleme verursache allerdings die Regierung selbst, indem sie durch ihre kurzfristig angelegten, halbherzigen Konjunkturmaßnahmen das Vertrauen der Bürger verspiele, kommentiert die Zeitung.

Kleinaktien behindern Spitzenpapiere an der Börse

„Die Kleinaktien haben das Ruder übernommen“, rekapituliert die Business Times aus Singapur das Börsengeschehen der vergangenen Woche: Während preiswerte Papiere und Anlagen im Wert gestiegen seien, hätten sich die so genannten Blue Chips – die Spitzenpapiere – kaum bewegt. Außerdem habe die Wall Street Mitte der Woche eine Talfahrt erlebt, was auch an den asiatische Börsen zu heftigen Einbrüchen geführt habe. Das zeige einmal mehr, dass der amerikanische Markt immer noch die herausragende Rolle für den täglichen Handel spiele, auch wenn China im Moment vielleicht „das Sagen“ habe. Ohnehin sei der Aktienhandel in den USA gerade von einer wachsenden Skepsis gekennzeichnet. So zweifele man an der Dauer des Aufschwungs auf dem Arbeitsmarkt. Was die asiatischen Märkte angehe, so bescheinige ihnen der Finanzdienstleister Credit Suisse, dass sie aus dem tiefsten Tal heraus seien, jedoch noch mehr Schwung nötig sei.

Fundstück: Krawatten fressen zu viel Strom

Casual Friday heißt es künftig jeden Tag bei Büroangestellen in Bangaldesh: Wie das New York Times-Blog Freakonomics berichtet, hat die Premieministerin des Landes, Sheikh Hasina, einen neuen Dress Code formuliert, um Strom zu sparen. „Es macht keinen ökonomischen Sinn, im heißen Sommer Bangaldeshs Anzüge und Krawatten zu tragen, um dann im Büro die Klimanalage auf Hochtouren zu drehen, damit einem wieder kühl wird.“ In Zukunft reiche es deshalb, wenn die Männer kurzärmelige Hemden tragen; die Regierungsangestellten gingen bereits mit gutem Beispiel voran. Bangladesh leide seit Jahren unter Stromausfällen, deren Ursache im Verbrauch von Betrieben liege. Vergangenen Monat habe die Regierung ein sechs Milliarden Dollar schweres Programm zum Bau von Stromkraftwerken verabschiedet, um dem Problem wiederholter Ausfälle zu begegnen. Bis dahin heißt es: Krawatten zuhause lassen.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer.

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