Internationale Presseschau vom 8.8.2008
Not und Spiele

Die internationale Wirtschaftspresse erwartet mit gemischten Gefühlen die Eröffnung der Olympischen Spiele in China. Die Zeit zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Autobranche. Die Weltwoche hält eine Fusion von UBS und Credit Suisse für möglich. The New Statesman zeigt, wie Spione Umweltaktivisten aushorchen. Fundstück: Tausche Job gegen Ehemann.
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Newsweek untersucht das Engagement westlicher Firmen im olympischen China. Da sich dort bislang keine Marke ähnlich stark verbreiten konnte wie beispielsweise Wal-Mart in den USA, sähen die Sponsoren in den Olympischen Spielen die einmalige Chance, "den chinesischen Verbraucher zu fangen". Nach Schätzungen der US-Firma IEG, die Sponsoring-Aktivitäten weltweit auswertet, habe das Organisationskomitee 740 Millionen Dollar durch Sponsoring eingenommen - nur 56 Millionen Dollar weniger als die Athener Organisatoren 2004. Das Engagement von Adidas, Coca-Cola & Co. werde sich auszahlen, meint das Magazin. Der Umsatz mit Sportkleidung in China werde beispielsweise 2009 drei mal höher ausfallen als noch 2005. "Die Investitionen sind riesig, aber die Belohnung für Firmen auf diesem größtenteils noch nicht erschlossenen Markt könnte olympisch sein", jubelt Newsweek.

Le Monde kritisiert die Teilnahme von Nicolas Sarkozy an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Im März habe der Regierungschef dies abgelehnt und noch am 10. Juli vor dem EU-Parlament erklärt, sich nicht seinen Terminkalender und seine Treffen von China vorschreiben zu lassen. Jetzt sei es lediglich seine Gattin Carla Bruni, die den Dalai Lama bei dessen Frankreich-Besuch treffe. "Sicher ist Berlin im Dialog mit Peking in einer komfortableren Situation als Paris", räumt das Blatt ein. "China benötigt Maschinen-Teile, die Deutschland verkauft, das zwingt die chinesischen Führer dazu, die Kritik an den Menschenrechtsverletzungen von Angela Merkel zu akzeptieren." Sarkozy fühle sich demgegenüber verpflichtet, an der Eröffnung teilzunehmen, um die belasteten Beziehungen zu China zu verbessern. Fazit von Le Monde: Jetzt müsse Sarkozy negative Schlagzeilen weltweit in Kauf nehmen. "Der Gang nach Canossa wäre ihm erspart geblieben, hätte er sich vor Wochen nicht so sehr aufgeblasen."

Aus Sicht des Wall Street Journal sind die Olympischen Spiele in erster Linie eine Gelegenheit für China, das eigene wirtschaftliche Wachstum zu präsentieren, das noch vor 30 Jahren undenkbar gewesen sei. Das Verhältnis der USA zu China basiere auf der langfristigen Wette, dass mehr wirtschaftliche Freiheit schließlich auch zu mehr politischer Freiheit führen wird. "Wir glauben, dass sich diese Wette auszahlen wird, auch wenn der Lauf länger ausfallen könnte als ein Sprint", zeigt sich das Blatt zuversichtlich.

In einem Gastkommentar in der Financial Times Deutschland lobt Jörg Wuttke , Präsident der europäischen Handelskammer in Peking, die Errungenschaften der chinesischen Führung, die es nicht nur geschafft habe, in den vergangenen Jahrzehnten 400 Millionen Menschen aus absoluter Armut zu befreien, sondern dem Land auch einen Reichtum und Frieden gebracht habe. Dies legitimiere wiederum die Regierung bei breiten Teilen der Bevölkerung - wären heute Wahlen, versichert der Autor, würde die Kommunistische Partei sie gewinnen. "Doch die Welt scheint undankbar zu sein. Die Olympia-Gastgeber versprachen grüne Spiele und kämpfen nun mit kurzfristigen Methoden gegen die Tatsache an, dass die Kehrseite des wirtschaftlichen Booms ein Raubbau an der Natur ist", so Wuttke. Die "zumeist berechtigte" Kritik westlicher Medien und Politiker an Chinas Umwelt- und Menschenrechtspolitik führe aber in den seltensten Fällen zu Verbesserungen, sondern nutze oft nur den Nationalisten.

Die Japan Times blickt hinter die glänzende Fassade der Olympischen Spiele. Die zahlreichen öffentlichen Proteste zeigten die Frustration der Chinesen, besonders in abgelegenen Regionen, wo Korruption und Machtmissbrauch regierten und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werde. "Während China als Ganzes ein hohes Wirtschaftswachstum hingelegt hat, hinken ganze Regionen ökonomisch hinterher. Nach der Pekinger Olympiade wartet die große Aufgabe auf China, das Problem der inneren Spaltung zu lösen."

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