Internationale Presseschau vom 8.9.2009
Kraft Cadbury: Auftakt zum süßen Bieterkrieg

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die von Kraft geplante Übernahme des britischen Süßwarenherstellers Cadbury und die überfällige Konsolidierung auf dem Markt. Forbes warnt vor einer politischen Einflussnahme durch Walmart. Cinco Días applaudiert einer Allianz von Telefónica in China. Fundstück: Zu Gast in Madoffs Domizil.

Der weltweit zweitgrößte Lebensmittelkonzern Kraft will den britischen Süßwarenhersteller Cadbury für 11,7 Milliarden Euro übernehmen - und mit dem Übernahmeversuch Nestlé als Nummer eins angreifen. Während die Briten das Kaufangebot als zu niedrig zurückgewiesen haben, applaudiert die Financial Times Deutschland zur möglichen Fusion. Einerseits sei eine Allianz betriebswirtschaftlich sinnvoll, da Cadbury sehr vieles von dem habe, was Kraft fehle: "Die Briten sind nicht nur in ihrer Heimat stark, sondern auch in Commonwealth Staaten wie Indien und Australien und den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Gleichzeitig ist Cadbury schwach in Märkten wie USA und China, in denen Kraft stark ist." Auch die Produktpalette passe zusammen. Fazit: Eine Fusion "markiert auch das Erwachen eines neuen Konkurrenten für Mars, den bisherigen Weltmarktführer bei vielen Schokoladenprodukten."

Das Wall Street Journal erwartet nach der Ablehnung durch Cadbury einen "Bieterkrieg" - in einer fragmentierten Industrie, in der eine Konsolidierung längst überfällig sei. Am wahrscheinlichsten seien Angebote von Hershey und Nestlé, die möglicherweise sogar im Schulterschluss einen Gegenangebot für Cadbury abgeben könnten. Nestlé sei besonders an der Kaugummi-Sparte von Cadbury interessiert; eine Übernahme des gesamten Süßwarengeschäfts durch Nestlé könnte jedoch an den Kartellwächtern scheitern. Schließlich seien Pepsi und Mars/Wrigley mögliche Interessenten.

Die Börsen-Zeitung rechnet nicht damit, dass Weltmarktprimus Nestlé in einen teuren Bieterkampf um Cadbury einsteigt. Aus Sicht der Schweizer könne es sich nämlich lohnen, abzuwarten und zu schauen, was daraus werde, wenn sich zwei Rivalen zerfleischten-und welche Brocken am Ende dabei abfielen. Der Fall Cadbury demonstriere deutlicher als die "Hängepartien im Rohstoffsektor" die Zuversicht von Bankern und Managern angesichts dessen, dass die Bewertungen den Boden gefunden hätten und sich aus schierer Größe eben doch Vorteile ziehen ließe. "Der Wahn vergangener Tage kehrt zurück. Es ist die Hybris von Managern gewesen, die große Übernahmen letztlich scheitern ließ und gewaltige Werte vernichtete. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass sich die Krise mit Schokolade oder Kaugummis versüßen lässt."

Der Economist rekapituliert die jüngste Schwächephase von Cadbury. Nach der Übernahme des US-Kaugummiherstellers Adams, mit der Cadbury wieder zur Nummer eins unter den Süßwarenherstellern avancieren und das Mars-Wrigley-Duo verdrängen wollte, habe Cadbury versucht, das eigene Geschäft zu rationalisieren. Doch der Verkauf der Dr Pepper Snapple Group, des US-Softdrink-Arms, sei mit der Kreditkrise zusammengefallen. Folge: Ein lukrativer Verkauf an eine Private-Equity-Firma sei gescheitert, stattdessen sei vergleichsweise wenig erlöst worden. Der Erfolg von Cadbury, sich zu profilieren, mache die Briten gleichwohl zu einem "saftigen Ziel". Die Perpektive von Kraft, durch die Fusion jährlich über 625 Millionen Dollar einsparen zu können, werde ein höheres Angebot von Kraft folgen lassen, prognostiziert das Magazin.

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