Internationale Presseschau vom 9.10.2009
Zentralbanken: Déjà-vu mit Blasengefahr

Nachdem die EZB und Bank of England ihre Leitzinsen konstant gehalten haben, fordert die internationale Wirtschaftspresse einen Strategiewechsel. Die FTD warnt vor einer zentralisierten Aufsicht bei der Bundesbank. Cinco Días bejubelt eine Sparkassen-Fusion. Neue Modelle, kaputtes Image – BusinessWeek untersucht die Nöte von GM. Fundstück: Madoffs Meister aus Gaza.
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Die Wall Street Journal-Schwester MarketWatch rechnet zwar nicht damit, dass die Zentralbanken – ein Jahr, nachdem sie im Schulterschluss die Leitzinsen gesenkt haben – in den kommenden Monaten gemeinsam die Zinsen wieder erhöhen werden. Gleichwohl wäre ein solches koordiniertes Vorgehen von Vorteil: Dieses wäre eine „Erklärung der Normalität, eine wichtige symbolische Markierung auf dem Weg zur Erholung“. Auch der schwächelnde Dollar würde von einer gemeinsamen Zinserhöhung profitieren. „Der Zyklus kann nicht solange warten, bis die globale Wirtschaft wieder als komplett gesund bezeichnet werden kann (...). Aber spätestens wenn der Zyklus beginnt, sollten die wichtigsten Spieler zusammen das Pedal treten“, fordert MarketWatch.

Das Manager Magazin warnt vor dem Szenario, dass die Lage bei den Banken weiterhin angespannt bleibe und gleichzeitig die Inflationsgefahren stiegen. In dieser Situation müssten die Zentralbanken eigentlich die Zinsen anheben, um die Inflationsgefahren einzudämmen – was aber den Zusammenbruch weiterer Banken provozieren würde. Andererseits benötigten die Banken aber weitere Liquiditätsspritzen – wodurch eine Verfestigung der Inflationserwartungen zugelassen werde. Doch die Notenbanken handelten in diesem Entscheidungsdilemma offenbar lieber gar nicht. „Es besteht die Gefahr, dass sich erklärte ,Falken' wie Jürgen Stark und Bundesbank-Chef Axel Weber (...) mit einer harten Linie nicht werden durchsetzen können“, fürchtet das Blatt. Und warnt vor einer neuen Blase auf dem Finanzmarkt: „Die Aktienkurse sind, gemessen an den Unternehmensgewinnen, wieder sehr hoch. Anleihen, auch Unternehmensbonds ausgesprochen mäßiger Bonität, sind abermals so gefragt, dass die Renditen kaum noch über denen von (bislang) sicheren Staatsbonds liegen. Ein übles Déjà-vu: Sieht das nicht alles ähnlich aus, wie zu den Zeiten des höchst ungesunden Booms Mitte der 2000er Jahre?“

Bloomberg rechnet damit, dass die Zentralbanken schon in Kürze einen Strategiewechsel einleiten und die Liquidität auf dem Markt abschöpfen. Darauf ließen Aussagen von Thomas Hoenig, Chef der Federal Reserve Bank in Kansas City, sowie des Fed-Governors Kevin Warsh schließen. Doch die Wahl des Exit-Zeitpunkts erscheine schwierig, ähnlich wie bei einer Party: „Geht man zu früh, verpasst man vielleicht eine Menge Spaß. Bis zum Morgen durchzutanzen, birgt das Risiko, dass der Kater einen lähmt.“ Aktuell sei die Gefahr groß, dass die „Musik plötzlich stoppt, sobald die Zentralbanken, die das Herz und die Seele der Genesungsparty waren, alle auf einmal zum Ausgang eilen“.

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