Internationale Presseschau vom 9.4.2009
Autowelt auf Dumpingkurs

Abwrackprämie boomt, Karman insolvent, Daimler und Magna unter Druck – die internationale Wirtschaftspresse beobachtet die Umwälzungen in der Autobranche. Les Echos kommentiert den historischen Verlust der französischen Staatsbank CDC. Das Wall Street Journal warnt vor einer Regulierung von Venture Capital. Fundstück: Finger weg von der Queen.

Aus Sicht der Financial Times zeigt sich der Druck in der Autoindustrie besonders an der Tatsache, dass erstmals seit über 30 Jahren neue Modelle wie der Vauxhall/Opel Corsa oder Mazda 6 dank aggressiver Rabatte von Herstellern oder Autohändlern inzwischen fast 1000 Pfund günstiger angeboten werden als gut erhaltene Gebrauchtwagen. Als Ursachen erkennt das Blatt die Strategie der Hersteller, ihren Lagerbestand angesichts der Absatzeinbrüche gering zu halten, die finanziellen Nöte der Autohändler sowie den scharfen Wettbewerb durch Auto-Supermärkte und Broker, die den Preis gedrückt hätten. Als Beispiel verweist die FT auf den Online-Broker Drivethedeal.com, der einen neuen Citroën Xsara Picasso für 7997 Pfund anbiete – 50% des Listenpreises.

Das Wirtschaftsblatt beschreibt das Krisenmanagement beim bisher wichtigsten Karman-Wettbewerber Magna. Der austro-kanadische Autozulieferer versuche, mit allen Mitteln gegen die Krise zu steuern. Um die rund 12.000 Jobs in Österreich zu erhalten, hätten die Magna-Chefs Siegfried Wolf und Donald Walker von ihren angestellten Mitarbeitern eine (freiwillige) Gehaltsreduktion zwischen fünf und 20 Prozent angeregt, während die Chefs selbst von 2007 bis 2009 auf 56 Prozent ihrer Entlohnung verzichtet hätten. Aus einer unternehmensinternen Präsentation von Magna Europe-CEO Siegfried Wolf gehe hervor, dass es neben bisher bekannten Schwierigkeiten wie der „Kurzarbeit für bis zu 1250 Magna Steyr-Mitarbeiter“ in der Produktion des BMW-Geländewagens X3 neue, unerfreuliche Baustellen für den Zulieferkonzern gebe, die durch Schichtreduktionen und Produktionseinbrüche bei BMW, VW, Porsche und Audi bedingt seien.

Die Börsen-Zeitung zeichnet ein differenziertes Bild der deutschen Abwrackprämie, die einerseits dem Steuerzahler teuer zu stehen komme – insgesamt müssten fünf Milliarden Euro für maximal zwei Millionen Fahrzeugkäufe bereitgestellt werden, von denen Premiumanbieter wie Audi, BMW und Mercedes kaum profitierten. Andererseits wären Produktionskürzungen, Kurzarbeit und Entlassungen sowie Insolvenzen in der Autoindustrie, aber auch bei den Zulieferern aus der Elektronik-, Kunststoff- und der Maschinenindustrie ohne Abwrackprämie noch weit gravierender ausgefallen als ohnehin schon, meint das Blatt. Letztlich werde aber das Auslandsgeschäft und nicht die Abwrackprämie darüber entscheiden, ob die Kapazitäten in Deutschland wieder ausgelastet werden können, da nur etwa ein Fünftel der weltweiten Autoproduktion deutscher Hersteller im Inland abgesetzt werde. „So, wie die deutschen Exporteure derzeit mit am stärksten unter dem Absturz der Nachfrage leiden, so werden sie bei einer Stabilisierung oder gar Wiederbelebung der Auslandsmärkte auch wieder überdurchschnittlich profitieren.“

Die Wirtschaftswoche zweifelt an den Plänen von Daimler, 2012 ein neues Werk in Ungarn in Betrieb zu nehmen. Wenn das Jahr 2009 weiterhin so schlecht laufe, werde Daimler in diesem Jahr vielleicht gut eine Million Fahrzeuge produzieren – inklusive Ungarn läge die installierte Produktionskapazität aber bei rund 1,6 Millionen Fahrzeugen. „Übersetzt bedeutet das: Für eine vernünftige Auslastung müsste Daimlers Absatz in den kommenden Jahren schon gewaltig anziehen.“ Zwar sei die Logik hinter der Entscheidung für Kecskemet nachvollziehbar: Die aktuellen Modelle der A- und B-Klasse müssten in ihren künftigen Generationen mit höherer Stückzahl bei gleichzeitig niedrigeren Lohnkosten endlich profitabel werden. „Dennoch: Als die Entscheidung für Kecskemet gefallen ist, sah die Autowelt noch anders aus. Der weltweite Autoabsatz zeigte eine leichte Delle, aber vom Absatzeinbruch der letzten Monate waren wir noch weit entfernt. Wann sich der Automarkt wieder erholt und zumindest das Niveau von 2007 wieder erreicht, vermag derzeit niemand zu sagen.“

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