Internationale Presseschau vom 9.7.2009
IT-Branche: Wenn Giganten kämpfen

Die internationale Wirtschaftspresse meldet Zweifel an Googles Vorstoß auf den Markt für Betriebssysteme an. Nach der Kartellstrafe gegen Eon rechnet die WiWo mit einem Bruch der Freundschaft mit RWE. Vedomosti sieht den russischen Mobilfunkmarkt im Umbruch. Fortune beschreibt die Herausforderung des künftigen Fed-Chefs. Fundstück: Fette Beute für Heuschreckinnen.

Der Internetkonzern Google entwickelt ein eigenes Computer-Betriebssystem und greift damit das Kerngeschäft des Rivalen Microsoft an. Das Wall Street Journal meint, dass Google trotz des großen Erfolgs ein „one-hit wonder“ geblieben sei. Obwohl Google in den vergangenen drei Jahren sechs Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung ausgegeben habe, seien die Bemühungen, jenseits der Bezahlsuche-Goldmine zu expandieren und einen Verkaufsschlager zu finden, nicht erfolgreich gewesen. Vor diesem Hintergrund müssten Investoren skeptisch sein angesichts des Google-Betriebssystems. Zwar werde der Wettbewerbsdruck auf Microsoft erhöht und so Microsofts „Würgegriff“ auf den Markt gelockert. Dennoch werde es Jahre dauern, um Microsoft von der marktbeherrschenden Position zu verdrängen. Hinzu komme, dass es für den User verwirrend sei, dass Google neben Android jetzt ein weiteres Betriebssystem im Portfolio habe.

Der Economist glaubt nicht, dass die neue Google-Offensive wie der Abwurf einer Atombombe auf Microsoft (so das Blog TechCrunch) wirken werde. Vielmehr sei eine „langsame Explosion“ zu erwarten: Zunächst werde Chrome OS nur für Netbooks angeboten, außerdem werde es noch eine Zeit dauern, bis das System fertig sei. Für Microsoft sei der Angriff erwartbar gewesen, da er zu einem Zeitpunkt erfolge, da der Software-Gigant verletzbar sei: Windows Vista, die letzte Version des Betriebssystems, sei kein Erfolg gewesen, darüberhinaus seien die Vorstöße aufs Terrain von Google,Websuche und Onlinewerbung, ohne große Ausbeute gewesen. Unabhängig von der Frage, wer am Ende gewinnen werde, habe der Wettkampf etwas Gutes: „Der epische Kampf der beiden Giganten dürfte die Innovation beschleunigen. Und das benötigt die IT-Industrie, um die Rezession zu überstehen.“

Die Neue Zürcher Zeitung fragt nach den Motiven von Google und vermutet, dass die Kunden durch das Betriebssystem enger an sich gebunden werden sollen – als Anbieter von Internet-Suchdiensten sei Google einfach austauschbar. Microsoft auf diesem Feld direkt anzugreifen, erscheine jedoch aussichtslos. „Zahlreiche Firmen, die sich auf diesen Wettbewerb eingelassen hatten, erlitten schwere Niederlagen; selbst IBM musste sich geschlagen geben. Kleinere Firmen wie Netscape wurden trotz der technischen Überlegenheit ihrer Produkte rasch vom Markt verdrängt.“

Auch die Financial Times Deutschland zweifelt daran, dass Google mit Chrome OS kurz- bis mittelfristig eine Chance haben könnte, Windows als dominierendem PC-Betriebssystem ernsthaft Konkurrenz zu machen. Zwar sei die Vorstellung vom Cloud Computing faszinierend – doch die Programme im Internet führten bis auf Googles Gmail noch ein Nischendasein. „Und selbst wenn: Weil die Konsumenten sich am Schluss doch offen halten wollen, auf einem PC, einem Laptop oder sogar einem Netbook doch Zusatzsoftware installieren zu können, ist Microsofts Quasi-Monopol ungefährdet.“

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