Internationale Presseschau von 17.7.2008
Die Geburt eines Riesen

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert das grüne Licht für den französischen Energie-Giganten GDF-Suez. In der FTD stimmt Joseph Stiglitz einen Abgesang auf den Neoliberalismus an. Die Zeit beruhigt Conti-Arbeitnehmer. Im Wall Street Journal erkennt Karl Rove in der Fannie-Freddie-Krise ein gefundenes Fressen für Obama und McCain. Fundstück: Kampf um die Kuh.
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Nachdem die Aktionäre von Gaz de France (GDF) und Suez gestern grünes Licht für den Zusammenschluss der beiden Energiekonzerne gegeben haben, feiert Les Echos den "neuen französischen Champion". Zwar zeichneten sich die Vorteile des Schulterschlusses kurzfristig angesichts der hohen Energiepreise noch nicht ab. "Das Gas bleibt erstmal teuer, aber immerhin wird es Gas geben! Als Gigant in einer Welt der Riesen kann das GDF-Suez-Tandem (...) seine langfristige Belieferung in der Zukunft viel besser mit Titanen wie Gazprom absichern und verhandeln", applaudiert die Finanzzeitung der Fusion. Auch im Ausland sorge die Geburt eines weiteren Champions - nach Total im Benzin-, EDF im Elektrizitäts- und Areva im Nuklear-Bereich - für gute Schlagzeilen. "Die Energie entwickelt sich zu einem Trumpf ,made in France'", frohlockt Les Echos.

Die Frankfurter Rundschau untersucht die Rolle des französischen Staates im neuen Mega-Unternehmen (Börsenkapitalisierung: knapp 100 Milliarden Euro) - über andere Anteile, die etwa der nationale Atomkonzern Areva an GDF-Suez halte, komme der Staat auf 40 Prozent der Stimmen. Dass die privaten Aktionäre gestern dennoch zustimmten, habe seinen Grund vor allem in der Gefahr durch andere Übernahmen: 2006 habe die italienische Enel Interesse an Suez angemeldet, woraufhin der damalige Premierminister Dominique Villepin das alte Fusionsprojekt mit GDF zur Abwehr aus der Schublade gezogen habe. "Das zeigte, dass Paris trotz aller schönen Worte keineswegs gewillt ist, europäische Energiekonzerne zu schaffen, um die EU gegen die Bedrohung durch die russischen Energieproduzenten zu wappnen. Tatsächlich wird GDF - Suez einer von zahlreichen ,nationalen Champions', die Präsident Nicolas Sarkozy schon vor Jahren vorschwebten."

Der Nachrichtensender France24 erinnert an die Bedenken von EU-Regulatoren, die sich für grenzüberschreitenden Wettbewerb und Transparenz auf dem europäischen Energiesektor einsetzen. Zwar betonten GDF und Suez, dass sie weder politischen noch finanziellen, sondern ausschließlich industriellen Interessen folgten. "Sie merken an, dass ihr Ziel darin besteht, ein neues Gebilde zu formen, das die Energieversorgung in der Schönen Neuen Energie-Welt sichert. Die Frage bleibt jedoch, warum ein solcher Mammut wirklich nötig ist - und ob er ein schwerer Brummer wird, der jeglichen Wettbewerb auf seinem Weg zerstößt." Schon heute sei der Konzern mit 22 Millionen Kunden und 200.000 Mitarbeitern ein großes "Biest".

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