Internationale Presseschau
Was das Ausland vom Bundestagswahlkampf hält

Die internationale Wirtschaftspresse ist sich in ihrem Urteil zum deutschen Wahlkampf einig: Dieser falle überraschend langweilig aus – trotz der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte. Sicher sei: Angela Merkel bleibe Kanzlerin, während sich die SPD nach der Wahl der Verzweiflung hingeben werde. Fundstück: Merkel ist die wahre Schlämmer.

Zweierlei sei nach der Bundestagswahl am Sonntag sicher, prognostiziert das Wirtschaftsmagazin Forbes: Zum einen werde Angela Merkel Bundeskanzlerin bleiben, und zum anderen werde sich die SPD der Verzweiflung hingeben, egal ob in der Regierung oder nicht – in einer Großen Koalition verliere der Juniorpartner stets an Profil. Obwohl die Krise mit sozialdemokratischen Ideen gemeistert worden sei, streiche die Bundeskanzlerin die Lorbeeren ein. Trotzdem wolle die SPD ihrer Selbstzerstörung kein Ende setzen. „Es ist die Verführung der Macht, der die Partei erliegt“, glaubt das Blatt. Sollte die FDP weiter abrutschen, sei eine Große Koalition durchaus wahrscheinlich – die SPD habe diese nicht ausgeschlossen. Unter dem Strich seien keine großen Veränderungen in Deutschland zu erwarten. Merkel jedenfalls werde auf dem G20-Gipfel in Pittsburgh so stark auftreten wie noch nie.

Angela Merkel fehle der Rückhalt in Ostdeutschland, analysiert das Wall Street Journal – und verweist auf Umfragen, in denen die CDU gleichauf mit den Nachfolgern der kommunistischen SED und knapp vor den Sozialdemokraten liege. Obwohl der Osten seit der Wiedervereinigung einen weiten Weg zurückgelegt habe, sei die Wirtschaft, von einigen Inseln des Wohlstandes abgesehen, in einem desolaten Zustand, forscht das Blatt nach Ursachen. Deutschlands Wahlvolk bleibe gespalten. „Merkel führt zwar im Westen, dies könnte jedoch nicht reichen, um eine Koalition ohne die Sozialdemokraten bilden zu können“, vermutet die Zeitung. Den Menschen in den neuen Bundesländern habe es bisher nicht geholfen, dass eine Ostdeutsche Bundeskanzlerin ist – jeder zehnte Ostdeutsche wünsche die Mauer zurück.

Auch wenn das Plakat mit den Dekolletés der Kanzlerin und einer Parteigenossin einer der wenigen Höhepunkte des Wahlkampfes gewesen sei – unwichtig sei die Wahl am Sonntag dennoch nicht, meint die britische Financial Times. „Selbst falls sicher ist, dass Merkel Kanzlerin bleibt, wie die Regierungskoalition aussehen wird, ist unklar“, schreibt die Zeitung. Kürzliche Zugewinne der linksgerichteten Parteien könnten Merkels Wunschkoalition mit den marktliberalen Freien Demokraten torpedieren. Vom Ergebnis der Wahl hänge ab, wie schnell sich Deutschland von der Krise erholen werde. „Das bessere und wahrscheinlichere Ergebnis ist eine Koalition aus CDU und FDP“, kommentiert das Blatt. In diesem Falle stünden Steuererleichterungen für Privatpersonen und eine vereinfachte Besteuerung für Unternehmen auf der Agenda. Die SPD könnte in der Regierung dagegen auf Steuererhöhungen drängen, um das Haushaltsdefizit zu stopfen, vermutet die FT.

Die deutschen Kollegen der Financial Times Deutschland hatten bereits am Montag ihr Kreuz bei der CDU gemacht.

Die Welt hält nicht gerade den Atem an, bemerkt die französische Wirtschaftszeitung Les Echos mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl. Das Problem der Bundeskanzlerin bestehe alleine darin, sich für einen der beiden möglichen Koalitionspartner, also die SPD oder FDP, zu entscheiden. Paradox beim diesjährigen Wahlgang sei, dass keine der beiden großen Volksparteien die Fortführung des bestehenden Bündnisses wünsche, obwohl die Alliannz das Land erfolgreich durch die Wirtschaftskrise geführt habe. Entsprechend langweilig sei der Wahlkampf und auch das „Fernsehduett“ der beiden Kandidaten der Großparteien gewesen, schreibt die Zeitung. Einzig die Frage, ob sich die SPD nach elf Jahren an der Macht in die Opposition verabschieden müsse, sei noch offen und verspreche bis zum Wahlgang spannend zu bleiben.

Seite 1:

Was das Ausland vom Bundestagswahlkampf hält

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%