Internationale Pressestimmen Kapital aus dem Chaos

Die Times schreibt über einen Fernsehskandal um den Sender ITV. Die deutschen Zeitungen gehen scharf mit Michael Glos ins Gericht. Die Asia Times aus Hong Kong analysiert die Spätfolgen der Asienkrise und das Fundstück aus dem Wall Street Journal schildert, wie sich ein cleverer indischer Geschäftsmann die Liebe seiner Landsleute zum Chaos zunutze macht. Einblicke in den internationalen Blätterwald.

Großbritannien

Den öffentlichkeitswirksamen Kniefall von ITV-Boss Michael Grade beobachtet die »  Londoner Times. Der Fernsehsender-Chef hat gestern eingeräumt, dass Zuschauer bei Telefon-Quizspielen monatelang betrogen worden sind. Als Folge seien die Einnahmen durch die interaktiven Quizspiele um 21 Millionen Pfund gesunken, berichtet die Times. Im » Kommentar begüßt das Blatt die "robusten Methoden" den Senderchefs, der die Unternehmensberatung Deloitte mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt und außerdem darauf hingewiesen habe, dass andere Sender beim Mitmach-Fernsehen keine weißere Weste hätten.

Meldepflicht

Die deutschen Zeitungen gehen hart mit dem Vorschlag von Wirtschaftsminister Michael Glos ins Gericht, eine Meldepflicht für die Übernahme deutscher Firmen durch ausländische Investoren einzuführen. "Das ist kein guter Plan, denn er beschneidet den freien Handel", schimpft die »  Frankfurter Allgemeine Zeitung und fürchtet: "Der Anzeigepflicht folgt die Kontrolle, das amtliche Verbot ist da nicht mehr weit."

Noch schärfer verurteilt die »  Financial Times Deutschland die Glos'schen Ideen. "Sie sind entweder nur heiße Luft - oder aber der Vorbote einer aberwitzigen Gesetzgebung, die gerade der Wirtschaftsminister auf das Entschiedenste bekämpfen müsste." Schon sei zu hören, man könne ja das Außenwirtschaftsgesetz so ändern, dass das Vetorecht der Regierung nicht mehr nur für den Rüstungssektor gelte. "Das wäre der Einstieg in eine desaströse Politisierung der Wirtschaft, die Deutschland bisher stets aus gutem Grund vermieden hat."

Private Equity

Die »  Businessweek berichtet von einer hochkarätige besetzten Podiumsdiskussion über Private Equity in Philadelphia. Dort habe der Home-Depot-Mitgründer und Milliarden-Investor Kenneth Langone das Geschäft der Heuschrecken entmystifiziert: Dabei gehe es nur darum, "mehr Saft aus einer Zitrone zu quetschen". Strategie- und Managementfragen, Alpha und Beta? "Das ist wie Sex - alles nichts Neues". Demgegenüber habe sich der Harvard-Ökonom Michael Jensen besorgt darüber gezeigt, dass etliche Unternehmen in jüngster Zeit nach der Übernahme von dem Kurs abgewichen seien, der sie erfolgreich gemacht habe.

Asienkrise

Zehn Jahre nach der Asienkrise analysiert die »  Asia Times aus Hong Kong, der Zusammenbruch von 1997 habe unauslöschliche Spuren in den Volkswirtschaften Südostasiens hinterlassen: Das Wachstum habe nicht wieder die vorherige Stärke erreicht, "es gibt größere Armut, Ungleichheit und soziale Instabilität". Staaten wie Thailand und Südkorea hätten die akute Krise auf sehr unterschiedliche Weise bewältigt. Gemeinsam sei ihnen aber, dass sie die Rolle als Vorreiter der wirtschaftlichen Entwicklung an China verloren hätten. "In ihrem geschwächten Zustand sind die kleineren Volkswirtschaften Ost- und Südost-Asiens in eine wachsende Abhängigkeit von der Dynamik ihres gigantischen Nachbarn geraten", meint die Asia Times.

Stromkosten

Die »  Herald Tribune berichtet von den Bemühungen von Firmen wie Hewlett-Packard oder IBM, "grün zu werden". "Die extrem klimatisierten Rechner-Farmen oder Daten-Zentren sind die sprit-fressenden Autos der Technologie-Welt", schreibt die Zeitung. Nur 30 bis 40 Prozent des Stroms werde eingesetzt, um die Computer zu betreiben, der Rest fließe in die Kühlung der Hardware. Ein 1-Megawatt-Rechenzentrum verschlinge so in zehn Jahren 17 Millionen Dollar an Stromkosten. Als Gegenmaßnahme versuchten die grünen Techniker nun, mehr Frischluft von draußen in die Räume zu leiten und die Luftzirkulation in ihnen zu verbessern.

Lokführerstreik

"Äußerst fragwürdig" findet die Financial Times Deutschland das Urteil des Nürnberger Arbeitsgerichts, das den für heute geplanten Lokführerstreik untersagt hat. Wer diesen Arbeitskampf wegen möglicher volkswirtschaftlicher Schäden verbiete, der müsse "auch Streiks in der Metallbranche, der wichtigsten Exportbranche, verbieten", meint die FTD. Auch das Prinzip der Tarifeinheit rechtfertige ein Verbot nicht, denn schließlich hätten auch Piloten und Krankenhausärzte schon eigene Tarifverträge durchgesetzt.

Fundstück

Das »  Wall Street Journal blickt nach Indien, wo der Einzelhändler Kishore Biyani mit einer Chaos-Theorie Erfolge feiert. Nachdem Biyani gemerkt habe, dass die Kunden seiner wohlsortierten und klinisch sauberen Supermärkte immer weniger kauften, habe er eingelenkt: Den Store in Bombay habe er für 50.000 Dollar umgerüstet, nur um enge und verwinkelte statt der bislang breiten Regalgänge bauen zu lassen. Habe der Kunde nach längerem Suchen das Produkt gefunden und saubere Zwiebeln aus einem Sack mit schmutzigen Zwiebeln herausgefischt, verspüre er ein "Gefühl des Sieges", erklärt der Selfmade-Multimillionär sein Erfolgsrezept. Biyanis "Wirwarr" hat sich laut WSJ ausgezahlt: Seine Firma Pantaloon Retail (India) habe das Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 875 Milionen Dollar als größter Einzelhändler der Nation abgeschlossen.

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