Presseschau
Angst vor der Billionenpleite

Das Zahlenspiel des Welt-Bankenverbandes zur unkontrollierten Griechenland-Pleite schlägt hohe Wellen in den Medien. Die fragen sich, warum die Kalkulation kurz vor der Schuldenschnitt-Deadline öffentlich wurde.
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Eine unkontrollierte Pleite Griechenlands wird nach Schätzungen des Welt-Bankenverbandes IIF mehr als eine Billion Euro kosten. Mit dem Schreiben untermauert der IIF seinen Appell an Banken, Versicherer und andere Anleihekäufer wie Hedge-Fonds, sich am Rettungspaket privater Gläubiger zu beteiligen, mit dem Griechenland um 100 Milliarden Euro Staatsschulden erleichtert werden soll. Nach Handelsblatt-Informationen spielen einige Banken bereits den Euro-Zerfall durch.

Bis Donnerstag haben die privaten Gläubiger Zeit, sich an dem dafür unabdingbaren Schuldenschnitt in Höhe von 53,5 Prozent zu beteiligen. Dementsprechend dürfte es kein Zufall sein, dass das Dokument des Welt-Bankverbandes so kurz vor diesem Termin an die Öffentlichkeit gelangt, schreibt die FTD.

Interaktive Infografik

Griechenland: Staatsverschuldung von 2007 bis 2011

in Mrd. Euro


Auch das griechische Finanzministerium erhöht wenige Tage vor Ablauf des Anleihentauschs für den Schuldenschnitt den Druck auf Gläubiger und droht mit einem Zahlungsstopp für Verweigerer. (Handelsblatt, Financial Times)

Ohne Zwangsmittel wird die griechische Regierung beim Schuldenschnitt mit ihren privaten Gläubigern laut Wall Street Journal Deutschland wohl nicht auskommen. Beim laufenden Umtausch ihrer Staatsanleihen werde mit einer Beteiligung von lediglich 75 bis 80 Prozent gerechnet, angestrebt wurden 90 Prozent. Es sei deshalb damit zu rechnen, dass die Regierung die nachträglich geschaffene gesetzliche Möglichkeit einer Zwangsumschuldung nutzen werde, schreibt das Blatt.

Bei einer griechischen Staatspleite drohen vor allem der Europäischen Zentralbank beträchtliche Verluste: Sie ist allein mit 177 Milliarden Euro in Griechenland engagiert – das sei mehr als das Doppelte ihrer Kapitalbasis, so die Welt.

Wegen des Umtausches wurde gestern der Handel mit allen griechischen Anleihen bis auf Weiteres eingestellt, meldet das Handelsblatt.

Der Spiegel beschreibt, wie solch ein Umtausch funktioniert, und zitiert aus dem Scheiben der Bank. „Nirgendwo ist von Schuldenerlass, drohender Pleite, Wertverlust oder ähnlichen Unerfreulichkeiten die Rede“. In dem Schreiben werden insgesamt vier neue Wertpapiere aufgelistet. Sie haben geheimnisvolle Namen wie „GDP-Linked-Notes“ oder „PSI Payment Notes“.

Die Zeit erinnert daran, dass sich die deutschen Milliarden-Hilfen rentieren: Griechenland hat Hunderte Millionen Euro Zinsen zurück überwiesen.

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  • @azaziel
    "'Kontrolle der Finanzmärkte'
    'Hochfrequenzhandel eindämmen'
    'gegen Hedge-Fonds und andere Finanz-Heuschrecken vorgehen' 'Ratingagenturen entmachten'
    Liberal hoerte sich frueher anders an, oder?"

    Nicht unbedingt. Auch früher schon haben die das Blaue vom Himmel heruntergelogen, nur um wieder an die Fleischtöpfe gewählt zu werden. Einziger Unterschied: Diesmal haben sie's wohl endgültig zu weit getrieben. Wer als 3%-Partei mit Regierungsverantwortung "gesegnet" nur noch Wahlkampfsprüche klopft, ohne auch nur den Anschein zu erwecken, die mit dem aktuell noch gültigen Mandat auch umzusetzen, dem glaubt keiner mehr.

  • Es steht ja noch das parlamentarische Abnicken des ESM- Rettungsschirmes bevor. Wer dagegen protestieren möchte sollte sich bei
    www.buendnis-buergerwille.de
    informieren und dort auch unterschreiben.
    Es sind zunächst die Gründer dieser Initiative aufgeführt und danach die weiteren Unterschriften.
    Neben den Gründern, die schon eine geballte Kompetenz darstellen, hat sich jetzt auch der "Bund der Steuerzahler" interessiert und wird unter seinen mehr als 300.000 Mitgliedern um Unterschriften werben. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt 100.000 Unterschriften zu erlangen und es fehlen noch viele !!

  • Röslers Acht-Punkte-Plan: “Kontrolle der Finanzmärkte”, “Hochfrequenzhandel eindämmen”, “gegen Hedge-Fonds und andere Finanz-Heuschrecken vorgehen”, “Ratingagenturen entmachten”. Liberal hoerte sich frueher anders an, oder?

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