Presseschau
„Apple war unschlagbar und unerreichbar“

Die internationalen Wirtschaftsmedien überbieten sich bei ihrem Abschied von Apple-Chef Steve Jobs mit Lobpreisungen. Letztlich trauen sie dem Konzern aber auch ohne seinen großen Visionär eine gute Zukunft zu.
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Der gesundheitlich schwer angeschlagene Apple-Chef Steve Jobs ist zurückgetreten. Als Nachfolger empfiehlt Jobs seinen Kronprinzen Tim Cook, der bisher das operative Geschäft leitet.

Die New York Times geht davon aus, dass Apple unter der neuen Führung wieder mehr Übernahmen einfädeln wird. Jobs habe die Rolle des Deal-Makers nicht ausgefüllt, seit seiner Rückkehr 1997 und der Übernahme von NeXT Inc. habe Apple lediglich 18 Firmen übernommen; in den vergangenen Jahren habe es mit den Übernahmen der Chip-Hersteller PA Semi und Intrinsity nur kleine Deals gegeben. Dabei habe Apple mit einer Kriegskasse, die mit 76 Milliarden Dollar gefüllt sei, die besten Voraussetzungen – angeblich könnte das Unternehmen damit sogar die Bank of America schlucken.

Jobs sei einer der größten Geschäftsleute der Nachkriegsära, schreibt die Financial Times – wenn nicht sogar der größte. Er habe nicht nur für technologischen Wandel gesorgt, sondern sogar die Welt mit seiner Ästhetik geprägt. „Er hat den Bildersturm und die Kreativität eines rebellischen Unternehmers mit der Fähigkeit verbunden, hinter ihm ein schlagkräftiges Herstellungs-, Design- und Marketing-Team zu versammeln.“ In den vergangenen Jahren sei Apple nicht nur unschlagbar, sondern auch unerreichbar gewesen, was die Wettbewerber in Frustration gestürzt habe.

Das US-Magazin Fortune widmet sich in einem großen Porträt dem voraussichtlichen Jobs-Nachfolger Tim Cook, aktuell Chief Operating Officer bei Apple. Cook sei zwar im operativen Geschäft hochangesehen, doch sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens zeigten sich die Beobachter unsicher, ob er auch ein guter CEO sein würde. Nach Einschätzung von Fortune – und Rücksprache mit zwei Dutzend Menschen, die bisher direkt mit Cook zu tun hatten – ist das „unbeschriebene Blatt“ genauso „besessen“ und pedantisch in seinem Job wie Jobs. Da Cook de facto schon seit Jahren einen Großteil der Firma gelenkt habe, werde Apple in den kommenden Jahren zumindest „stabil“ sein.

Der Mann, der nach Einschätzung früherer Arbeitskollegen als Tyrann und Kontrollfreak sogar einen guten König von Frankreich abgeben würde, sei einer der brillianten Unternehmenschefs im Silicon Valley, verabschiedet Marketwatch den Apple-Chef. Die Wall Street Journal-Schwester vergleicht Jobs mit Legenden wie Thomas Edison und Walt Disney, erinnert an Jobs’ turbulente Geschichte und schließt: „Man kann ihn lieben oder hassen, dies ist ein trauriger Tag für Apple, die Aktionäre und das Silicon Valley.“

Apple habe auch ohne Jobs eine absehbar gute Zukunft, als eine der profitabelsten Firmen der Welt, kommentiert Reuters. Zwar habe Jobs für die Firma Unglaubliches geleistet, dennoch stehe hinter ihm ein supertalentiertes Team, das genau wisse, was von ihm erwartet werde. „Apple ist heute eine dominante Firma und als solche groß genug, einen Führungswechsel auszuhalten.“

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