Presseschau
Banken können Haircut verkraften

Im Vorfeld des nächsten EU-Gipfels plädiert die internationale Wirtschaftspresse für einen freiwilligen Forderungsverzicht der Banken - und für eine bessere Kapitalausstattung.  
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Das Wirtschaftsblatt aus Österreich sieht in den Fragen der Neugestaltung des EU-Rettungsschirms EFSF und der krisenfesten Kapitalausstattung der Banken die Knackpunkte, an denen eine Einigung der europäischen Regierungschefs hakt. „Das Problem der Kapitalausstattung hätte längst gelöst sein können“, schreibt das Blatt. Europas Banker hätten genug Zeit gehabt, um sich am Kapitalmarkt mit frischem Eigenkapital einzudecken. Zwischen November 2010 und Juli 2011 sei die Zeit für Kapitalerhöhungen ideal gewesen. Während intelligente Vertreter der Branche die Zeit genutzt hätten, hätten wenige Schlaue sie einfach verpennt. „Der nun von Bankern posaunte Widerstand gegen Zwangskapitalisierungen ist daher wenig Mitleid erregend“, kommentiert die Zeitung. Die dünnen Kapitaldecken seien hausgemacht, genauso wie die schlechte Stimmung am Markt.

Die Financial Times Deutschland fordert die Banken zu einem Forderungsverzicht gegenüber Griechenland auf. Dieser Schritt wäre nicht nur lindernd für die Hellenen, sondern auch hilfreich für die Euro-Staaten, die alleine aus Gründen der Verteilungsgerechtigkeit auf einer Haftung des Bankensektors bestehen müssten. Seit der Lehman-Pleite gehe es den meisten Banken sehr gut, einigen sogar prächtig. „Trotz oft gegenteiliger Behauptungen können sie einen Forderungsverzicht von 50 oder 60 Prozent gegenüber Griechenland verkraften“, meint das Blatt. Wichtig sei zudem, dass alle Banken mitmachten, weil ansonsten Zwangsmaßnahmen der EU drohten und der Forderungsverzicht noch höher ausfallen könnte. Damit der Schuldenschnitt kontrolliert verlaufe, müssten die Geldhäuser mit einer stärkeren Kapitaldecke ausgestattet werden.

Die kanadische The Globe and Mail sieht die europäischen Bankenchefs vor einer gewaltigen Aufgabe, mehr Eigenkapital zu beschaffen. Die üblichen Methoden – Verkauf von Aktiva oder Emission von Aktien – seien momentan kaum zugänglich, da auf den Märkten nur wenige Käufer vorhanden seien. Die Aktienkurse europäischer Banken seien seit Februar ohnehin um etwa 40 Prozent gefallen. Unter diesen Umständen sei ein staatlicher Bailout nach Vorbild des TARP-Programms in den USA, als die Regierung Geldinstitute im Tausch für Aktien stützte, ein wahrscheinliches Szenario. Tiefe politische Gräben in Europa insbesondere zwischen Frankreich und Deutschland könnten eine schnelle Einigung diesbezüglich jedoch verhindern. Doch auch die Bereitschaft der sonstigen Staaten, eine solche Lösung zu schultern, sei fraglich. Schließlich würde dies die Schuldensituation in einigen Staaten nur verschlimmern.

Für die russische Zeitung Vedomosti ist die Unfähigkeit der europäischen Regierungen, sich auf eine Lösung zu einigen, eine Farce. Immerhin könne es als Fortschritt gewertet werden, dass die Regierungschefs genug Mut gefasst hätten, um den privaten Gläubigern zu signalisieren, dass nicht nur 20 Prozent der griechischen Schulden abgeschrieben werden müssten, sondern ganze 50 bis 60 Prozent. Hinzu komme die Einigung, dass Banken mit 110 Milliarden Euro rekapitalisiert werden müssten, um die Verluste tragen zu können. „Anders gesagt, wurde jetzt endlich offiziell die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands anerkannt“, meint das Blatt. Abgesehen davon, sei es erstaunlich, dass Europas Politiker noch immer ausnahmslos alle Mitglieder retten wollten. Es gebe wohl kaum noch einen Ökonomen, der nicht sage, dass Europa mindestens ein Opfer bringen müsse, um sich zu retten. „Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone und ein Default des Landes ist dabei das kleinste Übel“, kommentiert die Zeitung.

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