Presseschau
Basel III hilft nicht gegen Kernschmelze

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert weiter, ob die Basel-Regeln eine neue Finanzkrise verhindern können. Börsen-Zeitung und FTD ziehen den Hut vor der Kapitalerhöhung der Deutschen Bank, während die Wirtschaftswoche skeptisch ist. Cinco Dias untersucht die baskische Banken-Konsolidierung. Fundstück: Pazifisten der Arbeitsfront.
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Die britische Financial Times zeigt sich unzufrieden mit dem neuen Basel-III-Abkommen. Auch wenn es an der Vereinbarung darüber, wie viel Kapital die Banken künftig vorhalten müssen, viel zu bewundern gebe, sie sei nicht ideal. „Die neuen Quoten sind geringer, als sie hätten sein können und werden vor 2019 nicht umgesetzt“, kritisiert das Blatt. Die lange Anlaufzeit sei ein Zugeständnis an kleinere Banken vor allem aus Deutschland gewesen, denen es schwer fallen würde, die Regeln sofort zu erfüllen. Dies sei jedoch unklug. „Wenn Banken unterkapitalisiert sind, dann sollten sie nicht fast ein Jahrzehnt warten, um das Problem zu lösen“, mahnt das Blatt. Dies seien nicht die einzigen Zugeständnisse. Höhere Kapitalquoten allein reichten nicht aus, um künftige Krisen zu vermeiden. Die Regulierer müssten sich bewusst sein, dass Risiken auch in den Bereich der so genannten Schattenbanken wie etwa Hedge-Fonds abwanderten. Das Dodd-Frank Gesetz gebe den US-Behörden die Macht, jedes Institut als systemrelevant zu betrachten. Die bald entstehende European Systemic Risk Board solle versuchen, eine ähnliche Funktion zu erfüllen.

Auch dasWall Street Journal zweifelt daran, dass die neuen Basel-Regeln die Welt von Finanzkrisen befreien werden. „Angesichts der politischen Umstände ist eine solche Idee äußerst zweifelhaft“, konstatiert das Blatt. Die finanzielle Kernschmelze 2008 sei nicht das Ergebnis mangelnder Regulierung, sondern des Missbrauchs des amerikanischen Finanzsystems durch die politische Klasse in Washington gewesen. Die Basel-Regeln hätten einzig helfen können, wenn sie auch auf die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac genauso wie auf Banken angewendet worden wären. Präsident Bill Clinton habe die beiden jedoch von den strengen Kapitalisierungsregeln nach dem Basel-Abkommen ausgenommen, weil Fannie und Freddie die Hauptinstrumente einer Politik gewesen seien, die vielen Menschen mit geringem Einkommen zum Immobilieneigentum verholfen habe. „Ein edles Ziel, das schließlich die Wohnungsbau– und Bankenindustrie zerstörte“, erinnert das Blatt. Die Politik habe aus dem Jahrzehnt nichts gelernt, daher sei es wahrscheinlich, dass die nächste Krise ihren Ursprung in der amerikanischen Bundespolitik haben werde, resümiert das Blatt

Für das US-Magazin Fortune sind die neuen Regeln ebenfalls unzureichend, um künftige Krisen zu verhindern. Dafür übergehe das Regelwerk zwei wichtige Kennziffern, nämlich die kurz- und langfristige Liquiditätsvorsorge (net liquidity ratio und net stable fund ratio). Die beiden wichtigsten Zahlen in der Krise würden jedoch erst ab dem nächsten Jahr „beobachtet“ wie es heiße, und erst Jahre später umgesetzt . „In einer Krise braucht die Bank nicht nur Eigenkapital sondern auch Bargeld, um die Kunden gegebenenfalls auszuzahlen“, schreibt das Magazin. Das Blatt zitiert dazu ein Papier des Basel-Komitees: „Während der Krise haben viele Banken es schwer gehabt, angemessene Liquiditätsniveaus zu halten“. Die Krise sei auf eine Ära üppiger Liquidität gefolgt, als Liquiditätsrisiken in den Hintergrund gerückt seien. „Die Finanzkrise hat gezeigt, wie schnell sich ein solches Risiko kristallisieren kann“, schreibt das Blatt.

 

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