Presseschau
BayernLB und das Alpe-Desaster

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Verstaatlichung der Hypo Group Alpe Adria und die Rolle der Bayern bei der skandalträchtigen Rettungsaktion. Wall Street Journal und die Financial Times geben keine Entwarnung für Dubai. Laut Vedomosti könnte ICQ bald einem russischen Oligarch gehören. Fundstück: Weihnachtshymne zum Nahtoderlebnis.
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Der österreichische Finanzminister Josef Pröll hat die Bank Hypo Alpe Adria verstaatlicht und Kärnten und Bayern dabei noch eine Milliarde Euro "herausgerissen", schreibt das Wirtschaftsblatt aus Österreich. Dies sei ein großer Erfolg, schließlich habe der Staat keine Wahl gehabt, als das Institut zu jedem Preis aufzufangen. "Das schöne an der Verstaatlichung ist, dass die Republik nun über Bankprüfer, Finanzmarktaufsicht und Staatsanwälte in Ruhe prüfen kann, wie Kontrollsysteme dermaßen versagen konnten", kommentiert die Zeitung. Österreich werde sich nun damit auseinandersetzen, ob es die Finanzhoheit der Länder künftig einschränkt. Das Land Kärnten stecke tief in der Krise, weil "wesentliche Assets in den vergangenen Jahren versilbert oder beliehen wurden" - das, was mit der Hypo nun passiere, blühe dem ganzen Bundesland.

Auch die Financial Times Deutschland lobt den österreichischen Finanzminister Pröll dafür, dass er es geschafft habe, seinen bayerischen Kollegen 825 Millionen Euro für die Hypo Group Alpe Adria "aus dem Kreuz zu leiern" - so teuer sind die Forderungen, auf die Bayern verzichte. Schließlich habe BayernLB-Verwaltungschef und Finanzminister Georg Fahrenschon beim Pokern um das Kärntner Institut ganz genau gewusst, wie viel für die Alpenrepublik auf dem Spiel stehe. "Ein Insolvenzantrag der sechstgrößten Bank des Landes hätte nicht nur Österreich in übelste Turbulenzen gestürzt, sondern auch zahlreiche Balkanländer, in denen die Hypo eine Macht ist", erklärt die Zeitung. Immerhin sei jetzt ein Schlussstrich gezogen unter das ebenso kurze wie verlustträchtige Kapitel Hypo - "die Aufarbeitung des Desasters hat aber gerade erst begonnen", meint das Blatt und verweist auf Ermittlungen gegen den Ex-Chef der BayernLB Werner Schmidt.

Die Börsen-Zeitung begrüßt grundsätzlich den Abschied von BayernLB-Chef Michael Kemmer. "Derartige Bußrituale haben ihren symbolischen und teilweise tatsächlichen Sinn - schließlich verlassen auch Hinz und Kunz ihren Arbeitsplatz, wenn Entscheidungen zu einem gravierenden finanziellen Schaden in ihrem Unternehmen führen." Gleichwohl gehe die "Empörungsmaschinerie" in der Öffentlichkeit am Kern des Problems vorbei. Kemmer habe die Fehleinschätzung bei der Hypo Alpe Adria mitzuverantworten, sei aber ein überaus fähiger Integrator, der der Bank im weitergehenden Umbau fehlen werde. Zweitens müssten nicht personelle, sondern strukturelle Schwächen beseitigt werden. "Die Bank muss saniert werden, ein profitables Geschäftsmodell finden und eine Fusion vorbereiten. Dafür braucht sie den vollen Rückhalt aller Eigentümer." Kemmer habe es in der Begründung seines Rücktritts nur vorsichtig angedeutet: Dies sei bisher nicht der Fall gewesen. "Ein Unding", schimpft das Blatt. Die Politik des Scherbenhaufens dürfe nicht fortgesetzt werden.

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