Presseschau: Bei Lehman wird weiter gezockt

Presseschau
Bei Lehman wird weiter gezockt

Die internationale Wirtschaftspresse erinnert an den Zusammenbruch und die Übernahme der Bank Lehman Brothers, deren Insolvenz vor zwei Jahren beantragt wurde. Reuters hinterfragt die Strategie des US-Biotech-Konzerns Genzyme in den Übernahmeverhandlungen mit Sanofi-Aventis. Business Times und Les Echos untersuchen die Krise bei Nokia. Fundstück: Zehn Karrierekiller von Frauen.
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Die britische Financial Times blickt zurück auf die Erfolgsgeschichte der bayerischen Firmengründer, die als Migranten in den USA reüssiert, bevor die "Wall-Street-Typen" alles vermasselt hätten. Das Blatt zieht dabei die Lehren aus dem Kollaps der Bank. "Immer einen Ausweg bereit halten" - während die Firmengründer insofern flexibel gewesen seien, als sie, auf der Flucht vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, ihr Baumwollgeschäft aufgegeben und in New York ins Bankengeschäft eingestiegen seien, habe Bankenchef Dick Fuld im September 2008 alternativenlos auf die "Zerstörung" gewartet. Weiteres Manko: Die alten Lehman-Brüder hätten mit wertvollen Waren gehandelt, die Erben hätten jedoch "Müll verkauft" und die Bank so in den Tod geführt.

Börse Online zeigt, wie der US-Anwalt Bryan Marsal im Auftrag von Gläubigern und Insolvenzgericht das Rumpfgeschäft von Lehman Brothers fortführt und alten Konkurrenten das Leben schwer macht. Bis dato habe seine Kanzlei Alvarez & Marsal 326 Millionen Dollar für ihren Dienst bei Lehman eingestrichen - und stelle bis zu 850 Dollar pro Stunde in Rechnung. Der 59-jährige "Baum von einem Mann" werde als Herr über die ehemals viertgrößte Investmentbank der Welt nun daran gemessen, wie viel Geld er für die Lehman-Gläubiger bergen könne, darunter Finanzinstitute wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank sowie die Zeichner von Lehman-Anleihen. Um am Ende einen höheren Preis bei einem Verkauf zu erzielen und den Gläubigern eine höhere Quote zu bescheren, werde auch zwei Jahre nach der Insolvenz noch immer mit Derivaten wie Zins-Swaps gezockt oder in Immobilien investiert - das Geschäft, das die Bank einst in Schieflage gebracht habe. Außerdem überziehe Marsal Institute wie JP Morgan und Barclays mit Milliardenklagen - laut Marsal habe sich Barclays als Käufer von Teilen der Bank mehr Vermögenswerte gesichert, als rechtens gewesen wäre.

Das Wall Street Journal bilanziert die Übernahme des US-amerikanischen Geschäfts von Lehman Brothers durch Barclays. "Die Firma Lehman mag zwar tot sein, aber ihre US-Einheit hat Barclays verändert. Die Investmentbanking-Schiene der britischen Bank hat sich von einem Hinterbänkler zum Powerplayer entwickelt", schreibt das Blatt. Und führt mehrere Belege an: Während die Briten 2007 nur ein Drittel der Umsätze in Amerika erwirtschaftet hätten, liege der Anteil in diesem Jahr bei 63 Prozent - der höchste Anteil unter den europäischen Banken. Das M&A-Geschäft habe 2007 nur ein Prozent des Umsatzes ausgemacht, in diesem Jahr dagegen 22 Prozent. Der Umsatzanteil durch Kapitalaufnahmen bei der Investmentbank von Barclays sei von fünf auf 18 Prozent gestiegen.

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