Presseschau: Bernanke ist der „Dummkopf unter der Dusche“

Presseschau
Bernanke ist der „Dummkopf unter der Dusche“

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Niedrigzinspolitik der Fed für die kommenden Jahre und fürchtet, dass die US-Notenbank über das Ziel hinausschießt. Oder aber eine neue Blase auf den Märkten hervorruft.

Nachdem der Offenmarktausschuss der US-Notenbank entschieden hat, den Leitzins bis Ende Jahr 2014 hinein niedrig zu halten und ihre Geldpolitik an einem konkreten Inflationsziel zu orientieren, fragt das Wall Street Journal, warum der Chef der Federal Reserve, Ben Bernanke, eine so weit reichende Zinsprognose gewagt habe. Schließlich sei es schon problematisch, Vorhersagen über die Zukunft in drei Monaten zu treffen, geschweige denn in drei Jahren. Ein Grund sei wohl, dass die Fed nichts zu verlieren habe. Sollte es der Wirtschaft 2014 immer noch schlecht gehen, würde ein niedriger Leitzins helfen. Sollte sich die Wirtschaft bis dahin grundlegend erholt haben und die Fed gezwungen sein, ihre Taktik zu überdenken, werde sie ohnehin in einer sehr günstigen Position ein. Die Ankündigung habe bereits dafür gesorgt, dass Zinsen auf kurzfristige und langfristige Anleihen gesunken seien. Außerdem habe die Zusage, Inflation bei hoher Arbeitslosigkeit in Kauf zu nehmen, den Anlegern einen Grund zur Freude gegeben. Beide Dinge dürften der Wirtschaft ein bisschen mehr Schwung verleihen, was es wahrscheinlicher erscheinen lasse, dass die Prognose der Fed zu pessimistisch sei.

Die Wirtschaftsagentur Bloomberg meint, dass die Fed mit ihren Niedrigzinsen die Wirtschaft während der aktuellen Erholung genauso stark stimuliere wie im Krisenjahr 2008. „Das stellt eine drastische Veränderung der Politik zu früheren Chefs der Notenbank dar“, vergleicht Bloomberg. Die Geldpolitik werde, solange die Wirtschaft noch schwächelt, weiter gelockert. Der Nobelpreisträger Milton Friedman habe das Phänomen als „Dummkopf unter der Dusche“ bezeichnet. Diesem sei das Wasser zu kalt, daher drehe er nur das heiße auf, um sich wenige Sekunden später zu verbrühen. Soll heißen: Niedrige Zinsen seien nur so lange gut, wie sie Investition, Beschäftigung und Produktion förderten. Oft seien sie jedoch zuviel des Guten und führten zu einer Fehlallokation von Kapital. Oder die Wall Street schaffe Abhilfe durch risikoreichere Produkte mit höheren Zinsen. „Warum sollte diesmal das Ergebnis anders ausfallen als beim letzten Mal, als die Fed die Zinsen 2003 und 2004 zu lange niedrig gehalten und eine Immobilienblase gefördert hat?“, fragt Bloomberg.

Das US-Magazin Forbes sieht in der Niedrigzinspolitik der Federal Reserve eine ungerechte Umverteilung des Geldes von der älteren Generation hin zur jüngeren. Bernankes Theorie sei, dass niedrige Zinsen die Wirtschaft stützten. In Wirklichkeit würden sie jedoch nur die Kaufkraft von Schuldnern steigern und die Kaufkraft von Gläubigern im gleichen Maße absenken. Mit künstlich niedrigen Zinsen würden Kreditnehmer etwa zum Kauf von Autos animiert. Die Sparer, zum größten Teil ältere Menschen, würden nicht zu einem solchen Kauf ermutigt. Der Netto-Stimulus sei nicht besonders groß. „Vielleicht ist das auch der Grund, warum es der Wirtschaft nach vier Jahren Gelddruckens noch immer schlecht geht“, ätzt das Magazin. Für Sparer würde bei einem Zins von drei Prozent und einer Inflation von zwei Prozent, wie von der Fed angepeilt, fast nichts übrigbleiben. Es sei fast so, als würde die Fed ihre Agenten losschicken und Rentner aus ihren Häusern werfen, um sie durch junge Menschen zu ersetzen. „Das ist eine bewusste Gesellschaftssteuerung“, schimpft das Blatt.

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