Presseschau
Besetzt Mainhattan

Die internationale Wirtschaftspresse macht sich Sorgen um Europas Banken, entwirft Szenarien einer möglichen Rettung – und fordert die Bevölkerung dazu auf, der „Occupy Wall Street“-Bewegung zu folgen - in Deutschland.
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„Die Bankenkrise, die zu einer Staatenkrise wurde, ist wieder zu einer Bankenkrise geworden“, beschreibt das österreichische Wirtschaftsblatt die aktuelle Lage in Europa. In Form von Abschreibungen und Verlusten bei der Erste Group habe diese nun früher als befürchtet Österreich erreicht. Dabei sei die Bankenkrise nie weg gewesen. Die versuchte Rettung Griechenlands sei schon immer eine verkappte Bankenrettung gewesen. Endgültig demaskiert hätten diesen Zusammenhang Merkel und Sarkozy, die sich auf eine Rettung des europäischen Finanzsektors geeinigt hätten. „Steht ein solches Paket, kann man Griechenland opfern“, meint die Zeitung. Die Regel, dass Staatsanleihen im Gegensatz zu privaten Krediten kein Kernkapital gegenübergestellt werden müsse, habe Banken dazu verleitet, Bonds ins Portfolio aufzunehmen. „Inzwischen wissen wir, dass Staatsanleihen alles außer einem sind: Risikolos“.

Die britische Financial Times zeigt auf, wie eine Bankenrettung in Europa funktionieren könnte, die auch von den Wählern leichter akzeptiert würde als eine Übernahme der Schulden von Pleitestaaten. Eine mögliche Lösung bestehe darin, die Mittel aus dem EFSF-Fonds zu verwenden, um Banken gegenüber Garantien auszusprechen, falls diese eine freiwillige Verlängerung der Anleihenlaufzeit akzeptierten. Das Gute dabei sei, dass Staatsanleihen kein Kapital bei den Banken binden würden, sodass dieses für Kreditvergabe zur Verfügung stünde. „Damit werden die Schulden in den Bilanzen quasi eingezäunt“, meint das Blatt. Dies erlaube es Ländern, über eine Umstrukturierung als Alternative zu selbstzerstörerischen Sparprogrammen nachzudenken, ohne eine Kreditklemme auszulösen.

Hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy seinerzeit die Titanic gesteuert, hätten sie vorschlagen, den Eisberg zu umschiffen, ohne zu sagen wie, spottet der Economist. So seien auch nach der Einigung, die Banken zu rekapitalisieren, fast alle Details offen geblieben. Man müsse Merkel und Sarkozy jedoch zugestehen, dass auch dies ein Fortschritt sei. Außerdem sei es nicht einfach, einen präzisen Mechanismus auszuarbeiten. Zunächst stelle sich die Frage, ob der Stabilitätsmechanismus EFSF zum Einsatz komme, oder ob jedes Land allein für seine Banken verantwortlich sei. Auch sei unklar, welche Art von Kapital injiziert werden solle.

„Occupy Wall Street“: Geht auf die Straße

Die Süddeutsche Zeitung fordert Deutsche dazu auf, den Demonstranten der „Occupy Wall Street“- Bewegung zu folgen. Im vierten Jahr der Finanzkrise gehe es erneut darum, die Banken zu retten. Dies zeige, dass momentan eine gigantische Umverteilung zu Lasten der Bürger laufe. Wer dagegen protestieren wolle, sei bei deutschen Parteien schlecht aufgehoben. „Die Volksparteien wirken wie Getriebene der Märkte“, kritisiert das Blatt. Da werde es Zeit, dass auch in Deutschland Bürger auf die Straße gingen. „Nicht um den Kapitalismus abzuschaffen, sondern um ihn zu reformieren“, meint die SZ. Die Forderungen: weniger Einfluss der Finanzmärkte, Schranken für Banken und eine gerechtere Verteilung der Krisenkosten.

Kommentare zu " Presseschau: Besetzt Mainhattan"

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  • Damit werden die Schulden in den Bilanzen quasi eingezäunt“,
    Ja, sowas geht?
    Wenigstens solange bis ein Schuldenschnitt kommt, dann siehe Dexia.

    Ich liebe Taschenspielertricks, Halbwahrheiten, Politikerlügen und gehebelte Rettungsfonds.

    Schönen Tag noch.

  • die börsen müssen nicht abgeschafft werden. nur sollte eine wirkliche regulierung erfolgen. nur so können wir diesem octopus die tentakel abschlagen.

  • Die Welt-Wirtschaftskrisen gingen und gehen jetzt und zukünftig immer von den Spekulanten an den Börsen aus!?
    Sie sind die kriminellen hässlichen Leuchttürme des Turbokapitalismus!
    Die Logische Folgerung und Forderung für die Zukunft:
    1. Umwandlung aller Aktiengesellschaften in andere Unternehmensformen wie z.B. in Gmbh´s (Fa. Bosch!)
    Bosch ist der weltgrößte Autozulieferer und kann als GmbH von niemand durch eine feindliche Übernahme übernommen und dann ev. zerschlagen werden, zum Nachteil der ges. Volkswirtschaft und der Belegschaft!!
    2. Die Abschaffung aller Börsen weltweit und damit zu einer Spekulanten freien Wirtschaftsordnung insbesondere auch ohne Hedgefonds!
    KK

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