Presseschau
„BHP-Rio ist tot, es lebe BHP-Rio“

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Gründe für das Scheitern eines Joint Ventures von BHP Billiton und Rio Tinto. Die Börsen-Zeitung jubelt über das deutsche Jobwunder und fordert gemeinsam mit der Financial Times Deutschland mehr Einwanderer gegen den Fachkräftemangel. Fundstück: Banker als Bluffer.
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"BHP-Rio ist tot, es lebe BHP-Rio", schreibt das Wall Street Journal nach dem Scheitern eines Joint-Ventures der beiden Bergbau-Giganten. Schon bald dürften beide wieder von einer vollständigen Fusion schwärmen. Für BHP-Billiton sei die aktuelle Übernahme des Düngemittelkonzern Potash für rund 40 Milliarden Dollar nur die Vorspeise. "Rio Tinto wäre die sättigendere Mahlzeit", meint das Blatt. Bis 2013 dürfte BHP wieder schuldenfrei sein und könne dann Rio anpeilen. Die Gründe für eine Fusion dürften mit der Zeit überzeugender werden. Das letzte Jahrzehnt sei für Bergbaukonzerne von Chinas hoher Nachfrage nach Stahl und Eisenerz bestimmt worden. "Wenn Ökonomien reifen, schwächt sich die Nachfrage nach Stahl ab", argumentiert das WSJ. Dies dürfte den Börsenwert von Rio mindern. Das größte Hindernis wären allerdings Bedenken seitens der Wettbewerbshüter. "Eine Abhilfe für ein vereintes BHP-Rio könnte der Verkauf der Eisenerzsparte sein, wo ohnehin die größten Probleme liegen", mutmaßt das Blatt.

Der australische href="http://www.businessspectator.com.au/bs.nsf/Article/BHP-Billiton-Rio-Tinto-Pilbara-iron-ore-pd20101018-AC235?OpenDocument&src=rab " target="_blank" class="icoWebLinkB">Business Spectator glaubt dagegen nicht daran, dass die Zusammenarbeit zwischen BHP und Rio künftig wiederbelebt werden könnte. Es sei zwar möglich, dass die beiden Unternehmen etwas aus dem Deal retten können, durch Kooperation auf Handelsebene, doch der Gewinn dürfte deutlich geringer sein, als mit dem Joint-Venture anvisiert. Die Entscheidung, von dem Joint-Venture abzurücken, sei indes pragmatisch. Die Wettbewerbsbehörden in beiden Hemisphären seien entweder vollkommen gegen die Allianz gewesen oder hätten Zugeständnisse gefordert, die für beide Unternehmen nicht akzeptabel gewesen wären. "In einem Jahrzehnt vielleicht, mit mehr Erfahrung in einem Markt, wo Preise vom Wettbewerb und nicht durch bilaterale Verhandlungen gesetzt werden, könnten die Dinge wieder etwas anders aussehen", schreibt das Blatt. Aber in einem Jahrzehnt würden BHP und Rio sich wahrscheinlich zu weit entwickelt und zu viel investiert haben, um die Pläne wiederzubeleben.

Das Ende eines geplanten Joint Ventures zwischen BHP Billiton und Rio Tinto sei ein Sieg für Kartellbehörden, schreibt die Wirtschaftswoche, es bringe aber kaum Entlastung für die Kunden. Dass beide Konzerne ihr Gemeinschaftsunternehmen zum Abbau von Eisenerz in Australien absagen mussten, sei keine Überraschung, schließlich wäre mit dem Zusammenschluss de facto ein Duopol im weltweiten Eisenerzgeschäft mit dem brasilianischen Konzern Vale entstanden. "Bereits heute leiden die Stahlkocher weltweit unter der Macht der drei großen Erzrivalen", schreibt das Magazin. Der Bedarf an Kohle und Eisenerz bleibe vor allem wegen das ungebremsten chinesischen Wachstums gewaltig. "Darum werden Thyssen und Co. auch weiterhin unter hohen Preisen der Bergbauriesen leiden", analysiert die Zeitung. Leichter werde es für sie erst, wenn die chinesische Wirtschaft - und damit auch deren Stahlhunger - weniger schnell wachse. Das aber wäre für den Rest der Wirtschaft kein gutes Zeichen.

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