Presseschau
BP-Partner am Pranger

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert über die Verantwortung von Halliburton in der Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Wirtschaftswoche und Börsen-Zeitung gratulieren der deutschen Autoindustrie. Les Echos sieht GM in China auf Erfolgskurs. Vedomosti kritisiert Russlands Datschen-Tradition. Fundstück: Burger-Arbeit macht fett.
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Bei der Suche nach den Verantwortlichen der Ölkatastrophe im Golf von Mexico im vergangenen Sommer hätten neue Erkenntnisse über den Zement, den der Konzern Halliburton für die Macondo-Quelle lieferte, eine weitere Runde von Schuldzuweisungen angestoßen, schreibt die Financial Times. Halliburton sei das einzige beteiligte Unternehmen, dessen Aktienkurs vor kurzem höher gewesen sei als vor der Explosion auf der Deepwater Horizon. Nach Veröffentlichung der Testergebnisse am Donnerstag habe sich dies rapide geändert. Die Aktie stürzte um 16 Prozent ab. „Die jüngsten Offenbarungen könnten den Unternehmensnamen mehr besudeln als Vorwürfe, vom Irak-Krieg profitiert zu haben, oder die unziemliche Allianz mit dem früheren Vize-Präsident Dick Cheney“, kommentiert das Blatt. Bisher habe BP fast alleine die finanzielle Last der Katastrophe getragen. „Das mag zwar zunehmend unfair erscheinen, aber wie der möglicherweise unsichere Zement am Meeresboden ist die Geschichte von dem, wer was falsch gemacht hat, dunkel und schmutzig“, resümiert das Blatt.

Halliburton habe wiederholt Probleme mit dem Zement festgestellt, den das Unternehmen bei der schicksalhaften Ölquelle von BP verbauen wollte, ihn aber trotzdem verwendet – möglicherweise ohne den Auftraggeber ausdrücklich zu warnen, schreibt das Wall Street Journal. Der Zement habe die Quelle versiegeln sollen, damit explosives Erdgas nicht ausströmt. Warum die Versiegelung nicht gehalten habe, sei die zentrale Frage nach der Explosion am 20. April, bei der elf Menschen starben. Bisher habe sich Halliburton einem Großteil der Schuldzuweisungen entziehen können. Zwar habe Halliburton die Testergebnisse an BP weitergeleitet, aber deren große Relevanz offenbar nicht erklärt. „BP würde davon profitieren, wenn die Ermittler den Zement für fehlerhaft erklären“, meint das Blatt. Die Strafe würde für den Ölkonzern deutlich höher ausfallen, sollte ihm grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden. Dies sei aber unwahrscheinlich, wenn mehrere Unternehmen die Schuld teilen.

Auch der Wirtschaftsdienst Reuters hält es für möglich, dass Halliburton am Ende einen großen Teil des 20-Milliarden-Dollar-„Aufräumfonds“ tragen muss – wahrscheinlich sei dies aber nicht. Schließlich habe Halliburton BP mitgeteilt, dass der Zement nicht den Branchenstandards entspricht. Außerdem habe der Ölkonzern vor der Explosion mehr als einen Monat Zeit gehabt, um zu reagieren. Hätte Halliburton dies nicht offengelegt, würde die Sache ganz anders aussehen. „Trotzdem ist der Konzern nicht aus dem Schneider“, meint Reuters. Es sei fast sicher, dass sich satte Ausgaben in dem mehrjährigen Prozess um die Verantwortung für die Ölpest anhäufen würden. Anders jedoch als Anadarko Petrolium Corporation, der stille Partner von BP mit einem Anteil von 25 Prozent an der Macondo-Quelle, sei Halliburton nur ein Lieferant. „ Es ist schwer zu glauben, dass der Konzern einen großen Teil der Rechnung wird zahlen müssen“, lautet das Fazit von Reuters.

 

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