Presseschau
Brot und Spiele auf Pump

Die internationale Presse thematisiert die gescheiterte Erhöhung der US-Schuldengrenze, die Börsen Zeitung lobt die Medion-Übernahme als Win-Win-Situation, und Ökonomen schreiben einen Elternratgeber. Die Presseschau.
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WiesbadenDass US-Präsident Barack Obama weder unter den Republikanern, noch unter den Demokraten, viele Anhänger für sein Vorhaben einer „sauberen“ Erhöhung der Schuldenobergrenze von 14,3 Milliarden Dollar für den US-Bundeshaushalt – also ohne Ausgabenkürzung – gefunden habe, hätten die Märkte mit einem lauten Gähnen quittiert, beobachtet das Wall Street Journal. Trotz der Drohungen des Finanzministers, ein Scheitern werde eine Horribilitäten-Parade aus Turbulenzen an den Anleihenmärkten oder sich Abwenden ausländischer Gläubiger nach sich ziehen. „Null Chance, dass die USA ihre Rechnungen nicht bezahlen werden“, hält das Blatt fest. „Und ein Grund, dass die Investoren ruhig bleiben ist, dass sie verstehen, dass selbst ein vorübergehender technischer Default ihre Chancen auf eine schnelle Rückzahlung nicht beeinträchtigt.“ Die wahre Frage sei, wie viel Ausgabenkürzung und Reform die Republikaner nun von Herrn Obama bekommen könnten, ist das WSJ überzeugt.

Der Kongress sollte jede Anhebung der Schuldendecke an signifikante Ausgabenkürzungen knüpfen, gibt MoneyCNN eine Forderung von mehr als 150 Ökonomen wider, die diese in einem Brief an den Sprecher des Hauses gerichtet hatten. Eine Anhebung ohne Ausgabenkürzungen werde das Jobwachstum in der Privatwirtschaft beschränken. Weniger aus ökonomischen, als aus politischen Gründen, wie es scheine, berichtet die Internet-Finanzredaktion des US-Fernsehsenders.  „Zwei der Ökonomen, die den Brief unterschrieben haben, deuteten in Interviews an, dass sie auf eine Einigung über einen Ausgabenschnitt jetzt drängen, weil sie kein Vertrauen darein haben, dass der Kongress es sonst hinbekommt.“ Indem der Kongress Einschnitte an die Schuldendecke knüpfe, zeige er der Wirtschaft, dass er sein Mandat zur fiskalischen Vernunft ernst nehme.

Den Blick auf die Wirtschafts- und Haushaltslage lässt eine Kolumnistin des US-Finanznachrichtendienstes Bloomberg gleich ganz weit schweifen: bis ins alte Rom. Die Cäsaren hätten Teilzeitjobs geschaffen, Hausbau gefördert und Weizen ausgeteilt. Doch weil ein gähnendes Volk reif für die Revolte sei, hätten die Imperatoren gleich noch Urlaub hinzuaddiert, bis die Römer die Hälfte des Tages bei Gladiatorenspielen, öffentlichen Ausstellungen und Wagenrennen zugebracht hätten. Zwei Jahrhunderte später sei Rom dann geteilt und von den Westgoten geplündert worden.

„Die amerikanische Unterhaltungssucht ist oft mit den Zirkusspielen im alten Rom verglichen worden“, gibt die Kolumnistin zu bedenken. Eine weitere bedenkliche Parallele sei, dass dominante Volkswirtschaften mehr importieren als exportieren. Anders als das räuberische Rom jedoch müssten die USA sich Geld leihen, um für Brot und Zirkus zu bezahlen. „Rom war so reich, dass es erst nach Jahrhunderten zusammengebrochen ist. Wir sind pleite.“ Eine Reform der Ansprüche werde den USA Zeit kaufen, aber nicht die Beschäftigungssituation ins Lot bringen.

Gekaufte Zeit hält die britische Financial Times für keine Lösung. Das Blatt wirft einen Blick auf die widerstreitenden Ökonomenmeinungen und dämpft die Hoffnung, das Problem des Schuldenabbaus könne sich quasi von selbst erledigen. „Die Sichtweise, dass in einer Nachkrisenökonomie wir die exakte Expansion von der Geldmenge kennen, die die geplante Haushaltskonsolidierung wettmache, ist ziemlich wenig überzeugend“, hält die FT fest. „So etwas wissen wir nicht.“ Vielleicht sehr langfristig. Aber hier sei die gefeierte Bemerkung von Keynes anwendbar, merkt das Blatt an: „Die lange Sicht führt in aktuellen Dingen in die Irre. Auf lange Sicht sind wir alle tot.“

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