Presseschau: Brüssel riskiert Katz- und Maus-Spiel mit Finanzindustrie

Presseschau
Brüssel riskiert Katz- und Maus-Spiel mit Finanzindustrie

Die internationale Wirtschaftspresse ist nicht überzeugt davon, dass die neuen Vorschriften der EU-Kommission zur Regulierung von riskanten Finanzprodukten auch wirken würden. Börsen-Zeitung und Financial Times sind uneins, ob Japans Yen-Eingriff sinnvoll ist. La Tribune ärgert sich über das Mea Culpa von Mervyn King. Fundstück: Tagsüber Goldman, abends Rapper.
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Zwei Jahre nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers legt die EU-Kommission neue Vorschriften zur Regulierung von riskanten Finanzprodukten vor. Es geht um Leerverkäufe und den Handel mit Derivaten - ein pauschales Verbot sieht der Entwurf nicht vor.

Die Reform der Finanzmärkte gehe an den Wurzeln des Problems vorbei, schimpft die Süddeutsche Zeitung . Belege für das "halbherzige" Vorgehen der EU-Funktionäre: Wetten auf fallende oder steigende Preise für Rohstoffe, Aktien oder Staatsanleihen sollen laut Entwurf lediglich nicht mehr so riskant abgeschlossen werden dürfen wie heute und Finanzprodukte nicht mehr ganz so spekulativ gehandelt werden wie bisher. Dies sei insofern bedenklich, als gerade der gigantische außerbörsliche Handel mit Derivaten und Versicherungen auf Kreditausfälle zusammen mit den Leerverkäufen zentral dazu beigetragen habe, dass vor genau zwei Jahren die US-Investmentbank Lehman Brothers fiel.

Weitaus positiver kommentiert die Financial Times Deutschland den Vorstoß aus Brüssel, der in einigen Punkten konsistenter und härter sei als die in den USA verabschiedeten Regeln. Dass es jedoch weiterhin Unsicherheit geben werde, sei nicht der Brüsseler Behörde geschuldet. Einserseits könne man aktuell nicht abschätzen, wie viele Derivate tatsächlich als standardisiert klassifiziert und damit clearingpflichtig würden. Hinzu komme die Gefahr, dass die Finanzindustrie "mit ihrer Kreativität und Profitgier die neue Behörde ESMA an der Nase herumführt - und ihr wichtige Kontrakte vorenthält. Ein Katz- und Maus-Spiel dürfte folgen."

In den USA will die US-Börsenaufsicht künftig laut Wall Street Journal verhindern, dass Firmen vor Bilanzstichtagen per "window dressing" die Schulden aus den Bilanzen verschwinden lassen - eine Praxis, die zwar erlaubt sei, aber den tatsächlichen Verschuldungsgrad der Banken kaschiere. Am Freitag werde die SEC das Thema bei einem Treffen behandeln und anschließend Vorschläge vorlegen. Nach einer Analyse des Wall Street Journal von 18 großen US-Banken haben die Institute kontinuierlich zum Ende der vergangenen sechs Quartale ihre Schulden verringert, durchschnittlich um 42 Prozent gegenüber dem jeweiligen Höhepunkt des Quartals. Voraussichtlich werde die SEC neue Regeln vorstellen, nach denen die Banken dazu verpflichtet würden, auch ihre kurzfristigen Kredite bei den Zentralbanken offenzulegen - bislang seien die Institute nur verpflichtet, dies jährlich zu veröffentlichen.

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