Presseschau: Chaos im Hinterhof der Kanzlerin

Presseschau
Chaos im Hinterhof der Kanzlerin

Die Medien werten den Rücktritt von Christian Wulff und die Einigung auf Nachfolger Joachim Gauck als Niederlage für Merkel: Im Ausland werde sie als „Kaiserin“ hofiert, im „Hinterhof“ herrsche Chaos. Die Presseschau.
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„Absolutes Chaos in Angela Merkels Hinterhof“ beobachtet das US-Magazin Time nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff. „Sein Rückzug ist ein Seitenhieb für Merkel, den sie gerade jetzt, wo sie Griechenland und andere EU-Staaten zu Disziplin und Sparpolitik anhalten will, nicht gebrauchen kann.“ Die Ermittlungen gegen ihn wegen Vorteilsnahme wären allzu schlechte Publicity vor dem Hintergrund gewesen, dass Berlin sich mit Korruption und Liquiditätskrisen seiner EU-Partner auseinandersetzen muss. „Doch bereits bei Wulffs Wahl hat Merkel an politischem Kapital eingebüßt, drei Wahlgänge hat er benötigt. Nun ist Wulff der zweite Präsident, der unter Merkel zurückgetreten ist.“ Dies sei ein herber Rückschlag für Merkel.

„Üble Zeiten für Angela Merkel“ glaubt Challenges aus Frankreich zu erkennen. „In Europa ist sie inzwischen die allgegenwärtige Patronin des alten Kontinents, in China wurde Kaiserin Angela mit viel Ehrerbietung empfangen. Aber zu Hause, im eigenen Land, scheint sie noch ein wenig mehr als bisher angeschlagen.“ Sie verliere mit Wulff nicht nur „ihren zweiten Präsidenten“ unter ihrer Regierung, der Fall erinnere auch unangenehm an den Abgang von  Karl Theodor zu Guttenberg, der ebenfalls nach wochenlanger Polemik seinen Hut nehmen musste.

Der britische Guardian sieht vor allem die politische Kultur Deutschlands geschädigt: „Die Affäre hat sich mehrere Monate hingezogen, auch, weil die deutschen Politiker sich schwer damit taten, eine Meinung zu finden und zu äußern. Die Zurückhaltung, mit der sie reagierten, ist beschämend.“ Ihr Ausrede dafür sei häufig gewesen, das Amt nicht beschädigen zu wollen. Doch beschädigt worden sei die politische Kultur. Merkel gehe dagegen nahezu ohne Schaden aus der Krise hervor. „Sie gab Wulff stets nur soviel Unterstützung wie nötig - und ist nach Umfragen die derzeit populärste Politikerin im Land.“

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  • Sehe ich genauso. All jene, die sich für besonders schlau hielten, haben womöglich ein spielentscheidendes Eigentor geschossen: Seit gestern weiß jeder, daß SPD und Grüne nicht nur wegen ESM und Eurobonds keine Alternative zu Merkel sind. Dazu war nicht nur die Gemeinsamkeit mit der FDP (!) und dem allgemein vorherrschenden Politikstil zu groß. Gaucks Bemerkung zur Occupy-Bewegung hätte ausgereicht, diesen Mann vehement abzulehnen: Ausgerechnet zum größten Problem der Zeit wird wohl nur Niveauloses von ihm zu erwarten sein. Piraten und Linke werden diesen Mißgriff für sich zu nutzen verstehen.

  • Ihren Antisemitismus halte ich für absolut unerträglich.

  • Merkel in der Klemme ? FDP hat V-Männer bei Rot/Grün ? Ich sehe das anders - die neue FDP-Parteispitze tritt selbstbewusst und sachorientiert auf und macht den Weg für eine überzeugende Lösung frei. Das man dabei einen Koalitionsbruch riskiert ist doch i.O. und gerechtfertigt. Ich hoffe, daß nun schrittweise mehr Bewegung in die Regierungskoalition kommt - und Probleme offener angegangen und gelöst werden.

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