Presseschau
Chinas Wirtschaft glüht

Die internationale Wirtschaftspresse wundert sich über den Umgang Chinas mit der hohen Inflation im Land und warnt vor Überinvestitionen. Die Börsen-Zeitung nimmt Deutschlands Euro-Haltung in Schutz. Das Wall Street Journal fordert mehr Demokratie bei den Entscheidungen in Brüssel. Fundstück: Das Geschenke-Paradox.
  • 1

Chinas Wirtschaft habe wiederholt die Erwartungen übertroffen, schreibt das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes, diesmal allerdings auf negative Weise. Die Preise seien im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,1 Prozent gestiegen, der höchste Wert seit 28 Monaten. Dabei seien die Zahlen des chinesischen Statistikamtes aller Wahrscheinlichkeit nach noch geschönt. Die Maßnahmen, die die Regierung angekündigt habe, um der Situation Herr zu werden, seien ungewöhnlich mild. So plane die Zentralbank keine Zinserhöhung - auch aus Sorge vor einer ausländischen Geldflut, angeschoben von der Lockerung der amerikanischen Geldpolitik. "Schuld an der Inflation sind fehlgeleitete politische Entscheidungen", kommentiert das Magazin. Erstens halte China seine Währung auf einem "abnormal niedrigen" Niveau, was zu einem Kapitalzufluss führe. Zweitens habe die überambitionierte Konjunktur-Politik den inflationären Druck erhöht. "Es wurde mehr Geld in die Wirtschaft gepumpt, als diese jemals aufnehmen konnte", urteilt das Blatt.

Das österreichische Wirtschaftsblatt wundert sich über den Chef der chinesischen Zentralbank Zhou Xiaochuan. Dieser agiere auf eine Art und Weise, die "aus unserer Sicht wenig verständlich ist". China, das vor Überhitzung seiner Wirtschaft förmlich glühe, leide wenig überraschend an hoher Inflation. Das klassische Mittel gegen zu schnelle Geldentwertung sei eine Anhebung der Leitzinsen - das verteuere Kredite und bremse so die Konjunktur. "Doch gerade diesen Schritt scheut die chinesische Notenbank wie der Teufel das Weihwasser", analysiert das Blatt. Diese Scheu habe damit zu tun, dass im "chinesischen Paralleluniversum" eigene Regeln herrschten. Staatskonzerne seien auf billiges Geld angewiesen. Sie finanzierten damit immer größere Investitionen und bauten Überkapazitäten auf, die weitere Investitionen erzwingen. "Werden Kredite teurer, bricht das Kartenhaus zusammen", warnt das Blatt. Konsumenten würden dagegen mit Sparzinsen unterhalb der Inflationsgrenze abgespeist.

Die Financial Times verdeutlicht am Beispiel der Eisenbahn die wachsende Blase von Überinvestitionen in China. Demnach drohe sich das Land beim Aufbau eines Netzes von Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu verzetteln. Seit 2005 hätten sich die Investitionen auf jährlich 124 Milliarden Dollar versechsfacht. Das Land verfüge nun über mehr Schnellverbindungen als der Rest der Welt zusammen. "Hohe aber noch nicht zu hohe Investitionen", meint das Blatt. Die Frage sei jedoch, wie viel Geld das Land künftig ausgeben werde. So will die FT erfahren haben, dass die Regierung die Ausgaben für den Ausbau von Highspeed-Trassen in den kommenden fünf Jahren noch weiter steigern werde. Dies könnte sinnvoll sein, auch wenn die chinesischen Eisenbahngesellschaften bereits heute schwache Renditen zeigten. Gute Zugverbindungen brächten eine Reihe von positiven Effekten. "Wenn es jedoch um die große Sache gehe, zeigt das Land genauso wenig Ausgabendisziplin, wie jede andere aufstrebende Nation", resümiert die Zeitung.

Der australische Business Spectator rätselt über die Reaktion der Märkte auf die Finanzpolitik von USA und China. Während Europa gezwungen worden sei, Sparmaßnahmen durchzudrücken, jubelten die Börsen über den sorglosen Umgang der Amerikaner mit ihrem Budgetdefizit und der Chinesen mit der steigenden Inflation. Man müsse gar zu der Feststellung kommen, dass die Politiker in beiden Ländern Defizite und Inflation für eine gute Sache hielten. "Die Überraschung ist jedoch, dass die Märkte ihnen Recht geben", wundert sich das Blatt. Die Investoren seien ähnlich kurzsichtig wie die Politiker. Doch warum gingen die Märkte dann so hart mit Europa um, während sie die "Nach mir die Sintflut"-Mentalität in China und den USA verziehen?

Seite 1:

Chinas Wirtschaft glüht

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Presseschau: Chinas Wirtschaft glüht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Dabei seien die Zahlen des chinesischen Statistikamtes aller Wahrscheinlichkeit nach noch geschönt."
    WEr glaubt denn, dass die Zahlen aus der Euro Zone realistisch sind ? China soll wieder mal der buhmann sein, nur weil es unter deren Regierung offensichtlicher ist. Lug und Trug herrscht auch hier !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%